Wohl kaum jemand verdeutlicht Wohl und Wehe von Megatrends so sehr wie Cathie Wood. Als die Corona-Pandemie um sich greift, schießt die heute 70-jährige Chefin der Investmentgesellschaft Ark Invest in der Liste der Star-Investoren von null auf hundert. Kunststück, schließlich hat sie mit ihrem Ark Innovation ETF in der Zeit genau auf jene Hightech-Unternehmen gesetzt, die voraussichtlich an der Pandemie verdienen – der Fonds legt im Jahr 2020 um enorme 147 Prozent zu. Fans vergleichen sie mit Investment-Legende Warren Buffett. Sie hängen in Interviews an ihren Lippen und bauen ihr Portfolio nach.
Doch gleich darauf zerlegt es den Fonds. 2021 geht es um 21 Prozent bergab und 2022 sogar um 69 Prozent. Anleger suchen das Weite. Heute führt das Analysehaus Morningstar den Ark Innovation ETF auf Rang 4 der größten Wertvernichter in den vergangenen zehn Jahren. Jeder normale Aktien-ETF lief besser. Zu Spitzenzeiten hatten Anleger den Fonds auf fast 30 Milliarden US-Dollar aufgeplustert. Heute stecken – freilich immer noch beachtliche – 8 Milliarden Dollar drin.
Dabei hat Wood ihren Ansatz nie geändert: Sie streut nur wenig und setzt voll auf Unternehmen, die ihrer Meinung nach in der Zukunft eine riesige Rolle spielen. Einen Index baut sie nämlich nicht nach. Raumfahrt und künstliche Intelligenz finden sich im Portfolio ebenso wie das Elon-Musk-Vehikel Tesla und einige Kryptowerte. Es ist eine Wette auf die Zukunft.
Seit Jahrzehnten versuchen Anleger, über sogenannte Themenfonds an großen Trends überdurchschnittlich gut mitzuverdienen. Dafür wollen sie Megatrends ausnutzen – Entwicklungen, die sehr lange laufen und Wirtschaft und Gesellschaft umkrempeln. Als ersten Themenfonds der Welt nennt Morningstar den „The Television Fund“ aus dem Jahr 1948. Er setzte auf die noch junge Fernsehbranche. Das Farbfernsehen klopfte an die Stubentür und sollte 1953 offiziell starten.

Warum es das gibt, erklärt Morningstar-Redakteur Valerio Baselli: „Themenfonds sind für Anleger attraktiv, weil sie relativ leicht zu verstehen sind. Anlagethemen greifen in der Regel auf starke Erzählungen zurück, die den Anlegern oft bekannt sind, zum Beispiel die Alterung der Bevölkerung, der Übergang zu einer digitalen Wirtschaft oder der Aufstieg von Elektrofahrzeugen.“
Das Angebot ist riesig: 748 thematische Investmentfonds und 220 thematische ETFs finden sich derzeit in der Morningstar-Datenbank. Die Analysten teilen sie in vier Gruppen ein:
Seit dem Fernsehfonds kamen und gingen Fonds, die auf Megatrends setzten. Oder auf etwas, das sie dafür hielten. Einer davon war der Steadman Oceanographic Fund aus den Sechzigern. Er enthielt Unternehmen, die unter Wasser Siedlungen bauen und Landwirtschaft betreiben wollten. Er war seiner Zeit zweifellos ein paar Seemeilen voraus. Generell lässt sich aus der Geschichte lernen, dass Anleger vor allem in Aktienaufschwüngen gut auf Megatrends zu sprechen sind. Dann schießen die Themenfonds wie Pilze aus dem Boden. Besonders wild wurde es in der sogenannten Dotcom-Bubble, der Spekulationsblase Ende der 90er-Jahre. Jeder dritte Themenfonds setzte damals auf Digitaltechnik. Von 50 neuaufgelegten Internetfonds sind heute noch fünf übrig. Alle anderen hat man wieder vom Markt genommen.
Das ist kein seltenes Phänomen. Von allen 2009 in Europa erhältlichen Themenfonds (die Rohstoffspekulation war gerade durch) waren 15 Jahre später 68 Prozent verschwunden. Nur 5 Prozent hatten es in der Zeit geschafft, nicht nur noch da zu sein, sondern auch den globalen Aktienmarkt zu schlagen. Andere Studien kommen hingegen zu dem Schluss, dass Themenfonds langfristig sehr wohl Mehrerträge gegenüber dem Markt bringen. Doch ob es wirklich an den Trends liegt oder einfach nur am Wachstumsansatz? Richtig klar ist das nicht. Es hängt eben davon ab, was man wie misst. Und über welchen Zeitraum.
Was zu einem wichtigen Punkt für Themenfonds führt: Timing. Wer Megatrends nutzen will, muss vor den meisten anderen Anlegern einsteigen. Doch dann gibt es die Produkte vielleicht noch gar nicht. Und es ist unklar, ob es wirklich ein Megatrend wird. Schärft sich dann das Bild, folgen die Produkte und blähen Anleger die Aktienkurse auf. Das wiederum passiert aber, bevor der Megatrend überhaupt Gewinne abwirft. Doch um die geht es am Ende wie bei jeder Aktienanlage. Wie profitabel ist also der Trend? Diese Frage gilt auch für die derzeit laufende KI-Spekulation. Wirklich viel Geld verdient die Branche noch nicht.
Ein Beispiel für teure Vorschusslorbeeren ist der Next Generation Technology von Blackrock. Mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) haben zwei klassische Kennzahlen dort schwindelerregende Höhen erreicht. Das KGV setzt den Aktienkurs mit dem Unternehmensgewinn ins Verhältnis und beträgt hier fast 54. Im MSCI World sind es zurzeit 23, was auch schon sportlich ist. Das KBV vergleicht Aktienkurs mit dem bilanziellen Eigenkapital des Unternehmens, also der Substanz. Im Blackrock-Fonds beträgt es über 10, im MSCI World 4. Schnäppchenjäger greifen erst unter 2 oder gar unter 1 zu.
Das Beispiel zeigt, welche Maßstäbe hier gelten und in welche Dimensionen Aktienkurse hinaufreichen können. Erst später zeigt sich, ob sie das zu Recht taten. Übrigens braucht man auch Cathie Wood mit KGV und KBV gar nicht erst zu kommen. Einige ihrer gekauften Unternehmen schreiben noch nicht mal schwarze Zahlen.
Damit stellen sich für Megatrend-Anlagen vier Fragen: Ist es wirklich ein lukrativer, echter Trend? Welche Unternehmen verdienen daran? Was kosten die Aktien (inzwischen)? Gibt es den Fonds später noch?
Wie schwer sich Anleger mit Timing tun, zeigt eine Studie aus dem November 2023. Auf Sicht von fünf Jahren waren Themenfonds mit 7,3 Prozent Gewinn pro Jahr ohnehin schon hinter breit gestreuten Aktienfonds mit 8,6 Prozent zurückgeblieben. Doch dann besahen die Analysten noch, wann welche Beträge in den Fonds steckten und welche Rendite Anleger daraus zogen. Offenbar hatten sie oft die besten Zeiten verpasst, denn sie erreichten nur 2,4 Prozent im Jahr.
Noch mieser lief es mit Themen-ETFs, die spezielle Indizes abbilden. Eigentlich brachten beispielsweise Physische-Welt-ETFs 11,8 Prozent Rendite. Nicht übel, möchte man meinen. Doch Anleger bekamen davon nur 2,3 Prozent mit. 9,5 Prozentpunkte pro Jahr verloren sie durch Fehlentscheidungen. Warum ausgerechnet mit ETFs? Weil Direktbanken und Neobroker sie als besonders einfach handelbar darstellen und anpreisen. Eine Eigenschaft, die Anleger offenbar nutzen – doch leider nicht zu ihrem Vorteil. In den anderen drei Gruppen und insbesondere mit aktiv gemanagten Fonds klaffen die Lücken nicht ganz so groß, sind aber immer vorhanden.
| ETF | ISIN | Thema | Gesamtkostenquote (TER) in % | Volumen in Mio. Euro |
| iShares Ageing Population | IE00BYZK4669 | Alternde Gesellschaft | 0,40 | 783 |
| L&G Battery Value-Chain | IE00BF0M2Z96 | Batterietechnik | 0,49 | 660 |
| First Trust Cloud Computing | IE00BFD2H405 | Cloud-Technik | 0,60 | 387 |
| Xtrackers Electrification Techn. & Smart Grid | IE000O7Q2E56 | Elektrifizierung | 0,35 | 135 |
| iShares Electric Vehicles and Driving | IE00BGL86Z12 | E-Mobilität | 0,40 | 535 |
| iShares Global Clean Energy Transition | IE00B1XNHC34 | Energiewende | 0,65 | 2.622 |
| Ark Innovation | IE000GA3D489 | Innovation allgemein | 0,75 | 294 |
| Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data | IE00BGV5VN51 | KI und Daten | 0,35 | 8.397 |
| BNP Paribas Easy Circular Economy | LU1953136527 | Kreislaufwirtschaft | 0,30 | 346 |
| Vaneck Space Innovators | IE000YU9K6K2 | Raumfahrt | 0,55 | 1.576 |
| iShares Automation & Robotics | IE00BYZK4552 | Robotik, Automatik | 0,40 | 4.804 |
| Vaneck Defense | IE000YYE6WK5 | Rüstung | 0,55 | 6.147 |
| Vaneck Video Gaming and eSports | IE00BYWQWR46 | Videospiele | 0,55 | 532 |
| iShares Global Water | IE00B1TXK627 | Wasser | 0,65 | 1.834 |
| L&G Hydrogen Economy | IE00BMYDM794 | Wasserstoff | 0,49 | 389 |
Das ETF-Portal JustETF.com fasst hier unter anderem passende ETFs zu bestimmten Themen zusammen. Wir zeigen die jeweils größten Vertreter ausgewählter Themen (Abrufdatum: 28. September 2026, Themen nach Alphabet sortiert)
Damit ist klar, dass Anleger mit simplen marktbreiten Index- oder Aktivfonds oft besser fahren als mit Themen-Investments. Der Schlüssel lautet: durchhalten. Gleichwohl sind Megatrends Möglichkeiten, einer Vision zu folgen, eine greifbare Geschichte im Depot zu spielen. Geldanlage ist oft auch Gefühlssache. Nicht etwa mit dem Hauptteil der Altersvorsorge, sondern mit überschaubaren Beträgen. Und mit ruhiger Hand.
Welche ausreichend großen ETFs aktuelle Trends abbilden, zeigt unsere Tabelle oben. Darin enthalten ist auch der Ark Innovation ETF von Cathie Wood. Seit April 2024 gibt es den nämlich auch in Deutschland.
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