Von wegen reicher Westen, armer Osten

Wirtschaftsinstitut beklagt pauschale Armutsdebatte

Reicher Westen, armer Osten: Diese pauschale Aussage hält einer genauen Überprüfung nicht stand – zumindest, wenn man einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) folgt. Demnach stehen vor allem westdeutsche Städter aufgrund einer mauen Kaufkraft schlecht da. Welchen Rat die IW-Forscher der Politik geben, lesen Sie hier.
© Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Viele Städter im Westen gelten laut der IW-Studie als kaufkraftarm. Die Politik könnte mit einer besseren Regionalpolitik gegensteuern, finden die Wissenschaftler.

Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, gilt nach amtlicher Definition als einkommensarm. Das greife allerdings zu kurz, „denn das Leben ist nicht überall gleich teuer“, konstatieren die Wissenschaftler des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer aktuellen Studie.

Die IW-Autoren haben daher den Wert, ab dem jemand als einkommensarm gilt, um die unterschiedlichen regionalen Preisniveaus bereinigt. Hierbei zeige sich, so die Autoren, „dass vor allem Städte im Westen von Kaufkraftarmut betroffen sind, da hier besonders viele Arbeitslose, Migranten und Alleinerziehende leben“.

Benachteiligte vor allem in Städten zu finden

Benachteiligten finden sich demnach vor allem in Städten: Rund 34 Prozent der Städter haben der Studie zufolge einen Migrationshintergrund, auf dem Land sind es nur 22 Prozent. Auch gibt es in den Städten mehr Arbeitslose – 7 Prozent, verglichen mit 5,4 Prozent auf dem Land. Zugleich sei das Preisniveau in Großstädten deutlich höher, berichten die Autoren. In Köln und Düsseldorf beispielsweise liegt es laut Studie rund 10 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Das höhere Preisniveau wirke sich entsprechend auf die Kaufkraftarmutsquote aus, heißt es weiter. So beträgt diese in Gelsenkirchen bei 28,4 Prozent (siehe Grafik), Köln kommt demnach auf 26,2, Duisburg auf 24,1 Prozent. Doch auch in Dortmund (23), Düsseldorf (23,5) und Aachen (22,6) seien viele Einwohner relativ betrachtet kaufkraftarm. Den niedrigsten Wert weist die Region Bodensee-Oberschwaben mit 8,6 Prozent auf.

„Über eine neu gestaltete Regionalpolitik könnte die Bundesregierung die Städte stärker unterstützen – auch finanziell“, sagen die Wissenschaftler. „Mehr Unternehmensgründungen und Investitionen, verstärkt durch die Revitalisierung von Altindustrieflächen und niedrigere Gewerbesteuerhebesätze, würden Strukturprobleme verringern.“

Darüber hinaus sollten Alleinerziehende durch mehr Ganztagsbetreuung von Schülern unterstützt und Migranten über Sprachkurse gefördert werden, lautet die Empfehlung der IW-Forscher. „Benachteiligte in Bildung, Arbeitsmarkt und Gesellschaft zu integrieren, ist die beste Anti-Armuts-Politik“, fasst IW-Wissenschaftler Christoph Schröder zusammen.

Hier geht es zur interaktiven Grafik „Kaufkraftarmut versus Einkommensarmut“.

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