Studie von Allianz Trade

Gemessene und gefühlte Inflation klaffen weit auseinander

Die gefühlte und die offiziell gemessene Inflation klaffen in Deutschland derzeit so weit auseinander wie zuletzt bei der Euro-Einführung vor mehr als 20 Jahren. Das ergab eine aktuelle Analyse des Kreditversicherers Allianz Trade. Warum ist das so?
© picture alliance/dpa | Sven Hoppe
Was häufiger gekauft wird, wirkt sich auch stärker auf die gefühlte Inflation der Bürger aus.

„Die gefühlte und die tatsächliche Inflation klaffen insbesondere in Deutschland weit auseinander“, sagt Jasmin Gröschl, Volkswirtin beim Kreditversicherer Allianz Trade. Das Unternehmen hat in einer Studie ermittelt, wie die Menschen in der Eurozone die Inflation wahrnehmen – und das stimmt häufig nicht mit den real gemessenen Werten überein. Das gilt vor allem für Deutschland: Die gefühlte Inflationsrate lag danach im Mai bei 18 Prozent. Das ist fast dreimal so hoch wie die offiziell ermittelte Teuerung von 6,1 Prozent.

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Zum Vergleich: Im Schnitt der Eurozone fällt die Kluft mit 9 Prozentpunkten etwas niedriger aus als hierzulande mit fast 12 Prozentpunkten. Die Diskrepanz habe verschiedene Gründe, erläutern die Experten von Allianz Trade. So achteten Verbraucher beispielsweise stärker auf Preisänderungen bei häufig anfallenden Einkäufen wie Lebensmittel und Getränke, Kraftstoff oder sonstigen Besorgungen im Supermarkt. „Wenn dort diese Preise überdurchschnittlich steigen, neigen die Menschen dazu, eine wesentlich höhere Teuerung zu empfinden“, berichten die Studienautoren.

Aber auch psychologische Aspekte, demografische und regionale Unterschiede sowie individuelles Konsumverhalten könnten dazu führen, dass Verbraucher den Preisanstieg anders beurteilen als die offizielle Inflationsmessung. Ein einfaches Beispiel: Wenn der tägliche Zigarettenkonsum besonders teuer wird, bekommen Raucher die Inflationsrate stärker zu spüren als Nicht-Raucher. Der Statistiker Hans Wolfgang Brachinger zum Beispiel berücksichtigt derlei Unterschiede, indem er die Güter, die im klassischen Warenkorb zur Messung der amtlichen Inflation liegen, nach deren Kaufhäufigkeit gewichtet.

Die Experten von Allianz Trade gehen zumindest davon aus, dass die „echte“ Inflation in der Eurozone und auch hierzulande sinken wird. So seien die Erzeuger- und Großhandelspreise seit Herbst 2022 wieder gesunken, was die Inflation „mit einer gewissen Verzögerung dämpfen wird“, wie es heißt. Ob dies schlussendlich auch in den Köpfen der Bundesbürger verfangen wird, bleibt abzuwarten.

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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