Rentenlücke wächst

Mehr Rentner benötigen Grundsicherung

Die Zahl der Rentner in Deutschland, die arm und deshalb auf die Grundsicherung angewiesen sind, steigt. In anderen Ländern wie Kanada und den USA ist das Rentensystem ganz anders geregelt.
Eine Frau zählt Geldmünzen in ihrer Hand: Viele deutsche Rentner haben im Alter wenig Geld zur Verfügung.
© picture alliance/dpa | Matthias Balk
Eine Frau zählt Geldmünzen in ihrer Hand: Viele Menschen haben im Alter wenig Rente zur Verfügung.

Die Zahl der Senioren in Deutschland, die zusätzlich zu ihrer Rente auf die Grundsicherung angewiesen sind, ist auf ein neues Allzeithoch gestiegen. Diese Angaben stammen aus einer Auskunft des Statistischen Bundesamtes gegenüber der Bündnis-Sahra-Wagenknecht-Gruppe im Bundestag. Über diese Auskunft hat die „Noz“ in einem Artikel berichtet.

Am Ende des ersten Halbjahres 2024 bezogen laut der Anfrage bundesweit 728.990 Rentner die sogenannte Grundsicherung im Alter. Im Jahr 2024 waren es 37.000 mehr Personen als im Vorjahr. Und im Juni 2023 waren 691.820 Senioren darauf angewiesen.

Grundsicherung liegt bei 563 Euro pro Monat

Die Grundsicherung ist vergleichbar mit dem Hartz-4-Regelsatz. Er beträgt für Rentner seit 2024 563 Euro plus Wohnkosten. Anspruch darauf haben Menschen, deren Rente nicht für den Lebensunterhalt reicht.

Auch Arbeitnehmer, deren Rente über der Grundsicherung liegt, haben nicht unbedingt sehr viel mehr Einkommen zur Verfügung. Ein Lagerarbeiter erhält beispielsweise nach 34 Jahren laut Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung als Rente 759 Euro pro Monat.

Das sieht bei den gesetzlichen Standardrenten ähnlich aus. „Die kalkulatorische Standardrente nach 45 Beitragsjahren liegt heute bei 1.570 Euro im Monat, die durchschnittlich ausgezahlte Rente bei 1.050 Euro. Das ist nicht viel“, sagen die Volkswirte Gunther Schnabl und Sven Ebert vom Flossbach von Storch Research Institute in ihrem Gastbeitrag bei Pfefferminzia.

In Kanada erhalten Gutverdiener maximal 920 Euro an gesetzlicher Rente

Das ist in anderen Ländern besser geregelt. Kanada hat laut den Volkswirten „eine kleine lohnabhängige gesetzliche Rente in Höhe von durchschnittlich 817 kanadischen Dollar, in der Gutverdiener nur maximal 1.365 Dollar (rund 920 Euro) erhalten“.

Außerdem erhalten alle Personen, die nicht vorgesorgt haben, eine steuerfinanzierte Alterssicherung von 718 kanadischen Dollar. Um den eigenen Lebensstandard abzusichern, kümmert sich in Kanada jeder selbst, schreiben Schnabl und Ebert.

In den USA beruht das Altersvorsorgesystem ähnlich wie in Deutschland auf drei Säulen: gesetzlich, betrieblich und privat. Einer der großen Unterschiede dabei: „Während die gesetzliche Rente als Säule in Deutschland für 60 Prozent der Menschen die einzige Einnahmequelle im Alter ist, sind es in den USA nur 40 Prozent“, schreiben die Volkswirte von Flossbach Research Institute.

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Autorin

Barbara Bocks ist seit 2011 als Journalistin im Wirtschafts- und Finanzbereich unterwegs. Von Juli 2024 bis Dezember 2025 war sie als Redakteurin bei der Pfefferminzia Medien GmbH angestellt.

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