Produktmanager der WWK im Gespräch

„Verträge dürfen nicht im Cash-Lock verharren“

Winfried Gaßner von der WWK Versicherungsgruppe beobachtet noch immer, dass sich Kunden gern für Garantien in der Altersvorsorge entscheiden. Der Produktmanager über dynamische Systeme, Börseneinbrüche und den berüchtigten Cash-Lock, in dem Geld in Sicherheit festhängt.
Winfried Gaßner, Produktmanager bei der WWK Versicherungsgruppe
© WWK
Winfried Gaßner, Produktmanager bei der WWK Versicherungsgruppe.

Pfefferminzia: Herr Gaßner, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch an Ihre Suchmaschinen-Abteilung. Als ich Altersvorsorge und Garantien googelte, erschien die WWK ganz oben.

Winfried Gaßner: Das freut uns natürlich ungemein. Aber vielleicht bewertet die Suchmaschine ja auch nach der Produktqualität (lacht).

Womit wir die Ursache schon geklärt haben dürften. Aber passt die Kombination aus Altersvorsorge und Garantie eigentlich in Ihre Produkt- und Unternehmensphilosophie?

Es ist sogar unser Kerngeschäft. Wir sind im Jahr 1971 als einer der ersten Versicherer überhaupt ins Geschäft mit Fondspolicen eingestiegen. Damals noch mit einem Tarif ohne Garantie und je Police nur mit einem einzigen Fonds. Unsere Produkte haben sich seither stetig weiterentwickelt, sind viel flexibler geworden. Ein Meilenstein war für uns eine Fondspolice mit Bruttobeitragsgarantie auf Basis eines sogenannten I-CPPI-Modells im Jahr 2009. Der Mechanismus kann börsentäglich und kundenindividuell das Sparvermögen von frei wählbaren Fonds in das Sicherungsvermögen der WWK umschichten.

Die Frage nach Pro oder Contra Garantie grenzt zuweilen ans Philosophische. Wo finde ich in dieser Hinsicht die WWK?

Diese Frage stellt sich für uns nicht, weil wir unseren Kunden sowohl Fondspolicen mit als auch ohne Garantie zur Verfügung stellen. Je nach individueller Risikotragfähigkeit ermöglichen wir so eine passende Altersvorsorge. Kunden und Vermittlern lassen wir damit die Wahl, in welche Richtung sie gehen. Es gibt für beide Seiten gute Argumente.

Wie stehen die Kunden zum Thema Garantien?

Grundsätzlich beobachten wir, dass viele Kunden nach wie vor sehr sicherheitsorientiert entscheiden und Fondspolicen mit Garantiekomponente wählen. Bis zum Ende vergangenen Jahres haben die meisten Kunden sogar das höchste Garantieniveau, also 100 Prozent gewählt.

Jetzt nicht mehr?

Durch die Reduzierung des gesetzlich festgelegten Höchstrechnungszinses von 0,75 auf 0,25 Prozent sind 100-Prozent-Garantien für die gesamte Branche quasi unmöglich geworden. Wir bieten unseren Kunden deshalb seit Jahresbeginn flexible Garantiehöhen von 50 bis 80 Prozent der eingezahlten Beiträge an. Lediglich bei der Riester-Rente liegt die Garantie weiter bei den gesetzlich vorgeschriebenen 100 Prozent.

Seite 2: „Musste die Garantie überhaupt schon mal greifen?“

Was soll mir eine Garantie bringen, die mir nominal 80 Prozent meines eingezahlten Geldes verspricht? Von der ich also noch die Inflation abziehen muss.

Das ist eine sehr provokante Frage, denn viele Menschen möchten keine Vermögensverluste erleiden. Unser Garantiemechanismus Intelliprotect hat die Kunden bei den starken Rückgängen am Aktienmarkt beispielsweise zu Beginn der Corona-Krise geschützt und liefert durch die börsentägliche Umschichtung auch heute die richtige Antwort.

Dann lassen Sie uns doch einmal einen Blick auf das I-CPPI-System IntelliProtect werfen.

Der Mechanismus setzt sich aus zwei Anlagetöpfen zusammen. Das sogenannte Risky Asset ist der Fondsteil, bei dem Kunden aus über 50 Fonds mehrerer Anbieter auswählen können. Auf der anderen Seite steht das Sicherungsvermögen der WWK als sichere Anlagekomponente. Unser börsentäglicher Umschichtungsmechanismus ermöglicht in allen Kapitalmarktsituationen eine maximale Anlagequote in die gewählten Fonds, immer unter Berücksichtigung der gewährten Garantie. Das alles berechnen wir wie gesagt jeden Tag aktuell für jeden einzelnen Vertrag.

Weshalb das I vor CPPI für Individuell steht.

So ist es.

Damit die Schwelle von 80 Prozent meines Geldes wirklich gefährdet ist, muss es aber ganz gewaltig knallen an der Börse. Musste die Garantie überhaupt schon mal greifen.

Im Einzelfall kann ich gar nicht sagen, wie oft die Garantie schon gegriffen hat, weil das von vielen Faktoren wie zum Beispiel Fondsauswahl, Laufzeit, Ablaufzeitpunkt abhängt. Allerdings konnten wir bei allen stärkeren Rückgängen am Aktienmarkt – so auch Anfang 2020 bedingt durch die Pandemie – beobachten, dass der Algorithmus sehr gut funktioniert. Und vor allem schnell, weil er ja tagesaktuell arbeitet. Mit Erholung der Märkte schichtete er auch schnell wieder in Aktien zurück.

Der berüchtigte Cash-Lock – das Geld bleibt in den sicheren Anlagen hängen und kommt nicht mehr zurück in die Aktien.

Es ist absolut entscheidend, dass die Verträge nicht im Cash-Lock verharren, sondern rasch zurück ins Risky Asset gehen, sobald sich die Börsen erholen. Das hat bei uns sehr gut funktioniert, was eben insbesondere an der börsentäglichen Umschichtung liegt. Wenn Sie bei jedem Crash immer erstmal bis zum Monatsende warten müssen, bis umgeschichtet wird, ist das Kind meistens schon in den Brunnen gefallen.

Wann und wie schichten Sie im Falle eines Cash-Locks aus der Sicherung zurück?

Hier gibt es mehrere Hebel. In den allermeisten Fällen behält der Vertrag auch in schlechten Börsenphasen nennenswerte Fondsinvestment. Dann wird bei Erholung der Märkte sehr zügig umgeschichtet. Ansonsten fließen aber in die Verträge auch erwirtschaftete Überschüsse und Neubeiträge. Beides sorgt stetig dafür, dass das angesparte Kapital wieder vermehrt in die Aktienanlage geht.

Trotzdem bleibt die Frage, ob Sie auch gesicherte Teile wieder zurückschichten.

Der Algorithmus schichtet definitiv wieder zurück, sobald sich die Börsen erholen.

Seite 3: „Bleibt noch die Frage, wie viel Rendite eine Garantie kostet“

Ganz automatisch?

Absolut. Das passiert automatisch mit den dann wieder steigenden Fondspreisen der gewählten Anlagen.

In Crashs gibt es immer auch Gegenbewegungen, die dann natürlich Fehlsignale auslösen können. Wie schließen Sie die aus?

Wie gesagt, unser Garantiemechanismus beruht auf einem feststehenden mathematischen Algorithmus, der auf Basis der von den Fondsgesellschaften täglich gelieferten Fondspreise umschichtet. Die Kapitalaufteilung liegt nicht im Ermessen einer subjektiven Person. Fehleinschätzungen oder Fehlinterpretationen der Märkte sind daher nicht möglich.

Bleibt noch die Frage, wie viel Rendite eine Garantie kostet. Haben Sie das mal mit einem echten Beispiel ausgerechnet?

Ja, das haben wir getan. In einem Beispiel betrug die Laufzeit 37 Jahre, das Endalter lag bei 67 Jahren. Der Monatsbeitrag von 100 Euro floss in den Indexfonds Vanguard U.S. 500 Index Fund. Ohne Garantie hätte die Rendite bei 8,2 Prozent per Anno gelegen. Mit 80 Prozent Beitragsgarantie wären es jährlich 5,8 Prozent gewesen. Beide Renditen halte ich für äußerst ansprechend. Wichtig bleibt dabei: Der Kunde entscheidet sich für das für ihn geeignetere Produkt, je nach individueller Risikotragfähigkeit.

Herr Gaßner, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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