Schwieriges Umfeld

Offener Immobilienfonds: Wertgrund Wohnselect D ist geschlossen

Zu viele Anleger wollten zugleich zu viel Geld zurück. Das Unternehmen Wertgrund Immobilien hat bei seinem Immobilienfonds Wohnselect D die Türen verrammelt und nimmt erstmal keine Anteile zurück. Das ist auch dem sehr schwierigen Marktumfeld geschuldet.
Moderne städtische Wohnhäuser mit Balkonen und klassischen Fassaden in einer europäischen Stadt.
© Wirestock / Freepik
Wohnimmobilien (Symbolbild): Offene Immobilienfonds stehen unter Druck, weil viele Anleger Geld abziehen

Der offene Immobilienfonds Wertgrund Wohnselect D (ISIN: DE000A1CUAY0) ist bis auf weiteres geschlossen. Anleger können deshalb derzeit keine Fondsanteile zurückgeben. Wie das Unternehmen Wertgrund Immobilien mitteilt, ist die Maßnahme zunächst auf Sicht von 36 Monaten vorgesehen. Allerdings will man das möglichst nicht ausnutzen, sondern die Phase so früh wie möglich beenden.

Man wolle in der Zeit den Fonds in einem „anspruchsvollen“ (also schwierigen) Marktumfeld geordnet steuern, Objektverkäufe ohne Zeitdruck vorbereiten und somit die Interessen der Anleger schützen.

Hintergrund: Zwei rechtliche Regeln sollen solche Maßnahmen eigentlich verhindern. Erstens müssen Anleger nach dem Kauf von Fondsanteilen diese Anteile mindestens 24 Monate behalten. Zweitens müssen sie bei Rückgabe der Anteile eine Frist von zwölf Monaten einhalten. Vor 2013 gekaufte Anteile sind davon aber nicht betroffen.

In der Tat kommen derzeit mehrere Stressfaktoren für offene Immobilienfonds zusammen (nicht nur den Wohnselect D). Seit der Zinswende im Jahr 2022 sind Kredite deutlich teurer geworden. Viele Objektpreise sind auch deshalb gesunken. Und Transaktionen dauern länger, weil es für die Käufer schwieriger und teurer geworden ist, Kredite zu bekommen. Bei Wertgrund geht man inzwischen davon aus, dass Transaktionen deutlich länger als sechs Monate dauern.

Zugleich geben viele Anleger Anteile zurück und wollen dafür ihr Geld. Einen Eindruck davon vermitteln Zahlen des Investmentverbands BVI. Demnach flossen in den ersten drei Quartalen 2025 per Saldo insgesamt 5,7 Milliarden Euro aus Immobilienfonds ab. Im Gesamtjahr 2024 waren es 5,9 Milliarden Euro.

Das setzt die Fonds zusätzlich unter Druck, Objekte zu verkaufen. Wertgrund wörtlich: „Vor diesem Hintergrund nutzen wir die gesetzlich vorgesehene Möglichkeit der Aussetzung, um Verkäufe unter Zeitdruck so weit wie möglich zu vermeiden und Rückgabewünsche in einem geordneten und für alle Anleger fairen Verfahren zu bearbeiten.“

Im Grunde überrascht es kaum, dass in so einem Umfeld der erste offene Immo-Fonds dichtmacht. Doch das „Handelsblatt“ zitiert den Immobilienkredit-Experten Steffen Sebastian von der Universität Regensburg: „Ich bin aber überrascht, dass der ‚Wohnselect‘ der erste Fonds ist, der schließt.“

Denn der Wohnselect D wirkt eigentlich recht stabil. Das Nettofondsvolumen beträgt laut Wertgrund rund 290 Millionen Euro bei einem Immobilienvermögen von rund 397 Millionen Euro mit 1.705 Wohn- und 98 Gewerbeeinheiten. Die Vermietungsquote ist mit 96,15 Prozent beachtlich hoch. Trotzdem betragen die aktuell vorliegenden Rückgabewünsche über ein Fünftel des Volumens.

Um die Transparenz zu steigern, will Wertgrund einige zusätzliche Maßnahmen einführen:

  • Regelmäßig aktuelle Informationen zum Management liefern (zum Beispiel über Telefonkonferenzen oder Webinare)
  • Die Monatsberichte um Informationen über Objekte und Maßnahmen erweitern
  • Über die Liquidität klar berichten
  • Verschobene Ausschüttung nachholen, sobald die Liquidität das erlaubt

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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