Analyse von WTW

Lebensversicherung: Warum sich die Kapitaldecke verbessert

Es ist zwar nicht ganz so heftig wie 2022. Trotzdem sind die langfristigen Zinsen und Renditen 2025 gestiegen. Das erhöht die stillen Lasten in der deutschen Lebensversicherung, meint man bei WTW. Doch die Sache hat auch was Gutes.
Finanzminister Éric Lombard (Frankreich, links) und Lars Klingbeil (Deutschland): Schuldenpolitik treibt Renditen von Staatsanleihen und drückt damit die Kurse
© picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Finanzminister Éric Lombard (Frankreich, links) und Lars Klingbeil (Deutschland): Schuldenpolitik treibt Renditen von Staatsanleihen und drückt damit die Kurse

Obwohl Anleihemärkte im vergangenen Jahr unter Druck geraten waren, sieht die Unternehmensberatung WTW deutsche Lebensversicherer gestärkt. Das lässt sie in einem aktuellen Marktkommentar durchblicken. „Viele Gesellschaften werden ihre Kapitalposition verbessern und sich dadurch Handlungsspielräume eröffnen können“, heißt es in dem Bericht.

Zur Vorgeschichte: Nicht zuletzt durch die veränderte Schuldenpolitik einiger Euro-Länder (auch Deutschlands) gerieten Euro-Staatsanleihen mit langen Laufzeiten 2025 unter Druck. Heißt: Die Kurse fielen und die Renditen stiegen. Laut WTW zogen die langfristigen Renditen um 50 bis 90 Basispunkte an, das sind 0,5 bis 0,9 Prozentpunkte.

Kursverlust von mehr als 16 Prozent

Entsprechend gaben die Kurse dieser Staatsanleihen ein gutes Stück nach. Eine ganz simple Rechnung, um zu verdeutlichen: Die Bundesanleihe mit 30 Jahren Restlaufzeit rentierte Ende 2024 mit 2,59 Prozent. Ende 2025 waren es 3,48 Prozent bei noch 29 Jahren Restlaufzeit. Bei einem festen Zinskupon von, sagen wir, 2,6 Prozent bedeutet das einen Kursverlust von über 16 Prozent. Doch nur vorübergehend, denn am Ende muss der Bund sie zu 100 Prozent zurückzahlen.

Damit, so sind sich die WTW-Analysten sicher, bleiben die stillen Lasten in den Bilanzen der Lebensversicherer vorhanden. Von der Seite also bleibt Druck bestehen. Stille Lasten entstehen immer dann, wenn aktuelle Börsenkurse von Anleihen unter den gezahlten Kaufpreis sinken. Der Lebensversicherer muss diesen Verlust noch nicht bilanzieren und auch nicht abschreiben. Deshalb sind die Lasten still. Zum Verlust führen sie erst, wenn der Versicherer die Anleihen verkauft, zum Beispiel weil Kunden ihre Policen kündigen.

Das ist durchaus eine Gefahr. Doch die gestiegenen Renditen haben auch eine gute Seite, die WTW betonen will: Sie entspannen die Solvenzquote, also die Kapitalposition. Solvency Capital Requirement heißt das auf Englisch, kurz SCR.

Bei WTW erwartet man, dass die um 50 bis 90 Punkte gestiegenen Renditen die Solvenzquoten um 15 bis 30 Prozentpunkte haben steigen lassen. Wenngleich die Analysten nicht ausschließen wollen, dass die Quote bei einzelnen Versicherern sogar gesunken ist. Es ist ja alles auch immer Kapitalanlage- und Bilanzpolitik der Unternehmen.

In erster Linie sind die Solvenzquoten gestiegen, weil der Kapitalbedarf gesunken ist, heißt es weiter. Bei höheren Zinsen lassen sich künftige Verpflichtungen stärker auf die Gegenwart abzinsen. Damit müssen die Versicherer heute weniger Geld vorhalten. Nebeneffekt: Risiken aus Kosten, Langlebigkeit, Spreads und weiteren Zinsänderungen sinken ebenfalls.

Andererseits steigt das Stornorisiko. Denn dann müssen Versicherer wie schon erwähnt Anleihen zu niedrigen Kursen verkaufen. WTW verweist sogar auf das sogenannte Mass-Lapse-Risiko. Das ist die Gefahr von Massenstornos, vergleichbar mit dem Banken-Run.

Welche Effekte überwiegen und eher am Rand auftreten, hängt natürlich von den einzelnen Versicherern ab. Und von deren Kunden.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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