Von Januar bis September 2017 schwankte die Inflation in Deutschland zwischen 1,5 und 2,2 Prozent. Gleichzeitig blieb die Europäische Zentralbank ihrer Linie treu: vorerst wird es keine Erhöhung des Leitzinses geben. Noch vor zehn Jahren lag der Zinssatz bei 4 Prozent. Seitdem befindet er sich im freien Fall, um die Folgen der Finanzkrise zu verringern und die Wirtschaft in Europa zu stärken.
Mit der Entscheidung vor eineinhalb Jahren, überhaupt keine Zinsen zu erheben, war der Tiefpunkt erreicht – derzeit ohne absehbares Ende. Diese anhaltende Situation ist für Sparer und Anleger in punkto Altersvorsorge in doppelter Hinsicht ungünstig.
„Insbesondere für eine angemessene Altersvorsorge ist das Zusammenspiel von Zinsen, Aktienrenditen und Inflation zu beachten“, stellt Malte Wolter, Gruppenleiter Produktmanagement Condor Leben, fest. „Bei 0 Prozent Zinsen und 2 Prozent Inflation überfordert der für die Altersvorsorge notwendige Sparbetrag die meisten Menschen. Rendite erzielt der Kunde in der Regel nur dann, wenn er ein höheres Risiko eingeht und das braucht dann Zeit, um zwischenzeitliche Verluste auszugleichen“, so Versicherungsexperte Wolter. Daher empfehle er, die Anlage breit zu streuen, und die Risikoposition im Laufe der Zeit angemessen zu reduzieren.
Aktuell sehen sich die Menschen noch einem weiteren Punkt gegenüber, der in der Finanzplanung einen immer höheren Stellenwert einnimmt: der Langlebigkeit. „Die Lebenserwartung des Einzelnen hängt selbstverständlich von vielen individuellen aber auch sozialen Faktoren ab. Für die Gesamtbevölkerung gibt die Generationensterbetafel des statistischen Bundesamts Auskunft über die steigenden Wahrscheinlichkeiten lange zu leben“, sagt Malte Wolter.
Demnach habe eine heute 35-jährige Frau eine 95-prozentige Chance 65 Jahre alt zu werden. Ein 35-jähriger Mann eine 90-prozentige. Diese Männer werden dann mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit 87 Jahre alt und Frauen sogar über 91 Jahre. „Wir gehen davon aus, dass über 5 Prozent dieser Männer und 9 Prozent der Frauen sogar ihren 100. Geburtstag feiern können“, führt Wolter weiter aus.
Dabei schreiben diese Werte lediglich den Trend der vergangenen Jahre fort. Wie viel sich durch beispielsweise weiter verbesserte Lebensbedingungen und den medizinischen Fortschritt verändert, wird nur bis zu einem gewissen Grad kalkuliert. „Vor 35 Jahren wurde der Commodore 64 vorgestellt. Kaum jemand ahnte, wohin sich die Computertechnologie entwickelt. Und als Steve Jobs vor zehn Jahren das erste iPhone präsentierte, war nicht abzusehen, dass nur ein paar Jahre später die Smartphones aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Ähnliches kann mit unserer Lebenserwartung geschehen“, gibt Wolter zu bedenken.
Die Apps für Tablets und Smartphones erleichtern in vielen Bereichen das Leben. Daher bietet nun auch die Condor Versicherung eine App an. Sie errechnet für den Anwender die Wahrscheinlichkeit, mit der sie oder er ein bestimmtes Alter erreicht. „Wir wollen damit den Risikogedanken nach vorne stellen“, erklärt Wolter. „Die durchschnittliche Lebenserwartung hilft nämlich nicht weiter, wenn der Kunde alles auf zum Beispiel 85 Jahre abstellt und länger lebt“, so der Produktmanager. Auf dieses sehr reale Langlebigkeitsrisiko hinzuweisen, soll die App übernehmen. „So kann der Kunde auch im schlimmsten oder eher im besten Fall seinen 100. Geburtstag feiern und seine Rente wird trotzdem gezahlt – ein Leben lang.“
Denn nach wie vor geben die meisten Menschen ihr Geld lieber heute aus als es für morgen zu sparen. „Die Menschen wissen eigentlich genau, dass die gesetzliche Rente kaum ausreichen wird, den bisherigen Lebensstandard zu halten. Mit einer privaten Vorsorge werden wir keine Luxusausgaben im Alter finanzieren, sondern damit lediglich unseren normalen Lebensstandard weiterführen können. Dennoch fällt Sparen so schwer“, beobachtet Alexander Kling vom Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaft. „Geld, das für Grundbedürfnisse im Alter angespart wird, sollte aus einer lebenslangen Rente bezogen werden“, lautet Klings Rat.
Jedoch sehen viele Menschen die Rentenversicherung fälschlicherweise als Investment an und weniger als Versicherung gegen das Risiko zu lange zu leben. „Das Produkt wird aber momentan immer noch nicht als attraktiv genug wahrgenommen“, meint der Versicherungsmathematiker. „Häufiger Kritikpunkt in der Auszahlungsphase ist eine gefühlt geringere Flexibilität als in der Zeit des Ansparens. Kapitalentnahmen z.B. sind hier nur begrenzt möglich. Aber: Die Rente muss ja auch ein Leben lang reichen – und die Bezugszeit der Rente wird für viele Menschen vermutlich ähnlich lang werden wie die Zeit des Ansparens.“
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