Krisenbarometer

Anleger erwarten jahrelange Corona-Auswirkungen

J.P. Morgan Asset Management hat untersucht, wie sich die Corona-Krise auf Erwartung und Stimmung von Privatanlegern auswirkt. Das Krisenbarometer zeigt, dass eine Sorge überwiegt.
© Pixabay
Skulptur am Börsenplatz in Frankfurt: Gibt es bald wieder einen Bullenmarkt? Anleger sind noch skeptisch.

Wie schnell wird sich die Wirtschaft von der Corona-Krise erholen? Privatanleger sind trotz zuletzt steigender Börsenkurse eher pessimistisch, zeigt das Krisenbarometer von J.P. Morgan Asset Management, für das in der ersten Maihälfte 2.000 Deutsche befragt wurden. So erwartet rund ein Drittel eine L-förmige Wirtschaftsentwicklung und damit, dass die Auswirkungen der Corona-Krise noch jahrelang zu spüren sein werden. Mit 31 Prozent rechnen etwas weniger Befragte mit einer W-förmigen Entwicklung mit starken Marktschwankungen. Etwa jeder Vierte glaubt an eine U-förmige Erholung. Das bedeutet, dass die Rezession zwar eine Weile anhält, es dann aber wieder steil nach oben geht. Nur jeder Zehnte hat die Hoffnung, dass sich die Wirtschaft genauso schnell erholt, wie sie im März abgestürzt ist.

„Die Pandemie hat das Leben aller durcheinandergewirbelt, die Schutzmaßnahmen haben zu einer Rezession in vielen Teilen der Welt geführt und die Börsen auf eine Achterbahnfahrt geschickt“, sagt Matthias Schulz, Managing Director bei J.P. Morgan Asset Management. Viele würden sich nun fragen, wie nachhaltig die Krise Wirtschaft und Finanzmärkte beeinträchtige. Schulz hält die Erwartungen der Privatanleger aber für etwas zu pessimistisch. „Durch die beispiellosen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen sollte sich die Wirtschaft in den kommenden Quartalen wieder erholen, sodass eher ein ‚U‘ als ein ‚L‘ oder ‚W‘ zu erwarten ist.“ Fraglich sei aber, ob sich auch die Unternehmensgewinne derart schnell erholten.

Anleger trotz niedriger Einstiegskurse zurückhaltend

Trotz niedriger Einstiegskurse überwiegt bei Privatanlegern die Skepsis, wenn es darum geht, in diesen Zeiten Geld am Kapitalmarkt anzulegen. 22 Prozent der Befragten halten es für unwahrscheinlich, 20 Prozent sogar für sehr unwahrscheinlich, dass sie nun investieren. Jeder fünfte Befragte hat dazu keine Meinung. Mehr als ein Viertel hält es dagegen für wahrscheinlich, jetzt zu investieren, 12 Prozent für sehr wahrscheinlich.

Wann ist aber der beste Einstiegszeitpunkt? Mit 64 Prozent sind sich rund zwei Drittel der Befragten sicher, dass dieser noch vor dem Ende der Rezession liegt. Etwas vorsichtiger gehen es 37 Prozent der Befragten an, die erst investieren wollen, wenn die Rezession beendet ist. „In der Theorie wissen die Privatanleger also, wann der beste Investitionszeitpunkt ist“, sagt Schulz. In der Praxis fühlten sich allerdings die meisten erst dann wieder wohl an der Börse, wenn auch das Wirtschaftswachstum wieder anziehe – auch wenn dann in den Kursen schon ein Teil der Erholung vorweggenommen sei.

Größte Sorge ist die Inflation

Mehr als vor dem Auf und Ab an den Börsen sorgen sich die Privatanleger aber davor, dass ihr Sparguthaben durch die Inflation sukzessive entwertet wird. Fast jeder Zweite sieht das als Gefahr. Mit 28 Prozent nennt ein Drittel der Befragten zudem die Sorge, dass sich im Niedrigzinsumfeld das Ersparte nicht vermehre. Noch knapp jeder Vierte hat Angst, sein Erspartes an der Börse zu verlieren.

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„Derzeit ist häufig von der Inflationsgefahr die Rede, wenn die Konjunktur wieder anzieht und noch viel billiges Zentralbankgeld im Markt ist“, sagt Schulz. Viel gefährlicher sei für Sparer aber die schleichende Enteignung, wenn die Sparzinsen dauerhaft unter der Inflationsrate liegen. Um das zu verhindern, müssten Sparer langfristig in Wertpapiere wie Aktien und Investmentfonds anlegen.

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Autorin

Hannah

Dudeck

Hannah Dudeck arbeitete von April bis Juni 2020 als freie Redakteurin für Pfefferminzia.

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