Kommentar

Altersvorsorge-System vor dem totalen Crash?

Die Altersvorsorge in Deutschland steckt tief in der Krise – und aktuelle Umfragedaten zeigen, wie dramatisch das Vertrauen der Bürger in eine stabile Rente geschrumpft ist. Robert Peres, Rechtsanwalt und Vorsitzender der Initiative Minderheitsaktionäre, analysiert in seinem Kommentar, warum kleine Reformschritte nicht mehr ausreichen und weshalb kapitalgedeckte Modelle jetzt zwingend in den Fokus rücken müssen.
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Robert Peres ist Rechtsanwalt und Vorsitzender der Initiative Minderheitsaktionäre.

Das Thema Altersvorsorge steckt in Deutschland in einer Sackgasse. Im Herbst 2025 zeichnet sich denn auch ein düsteres Bild: Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Initiative Minderheitsaktionäre halten 90 Prozent der Befragten ein sinkendes Rentenniveau für unvermeidlich – nur 7 Prozent vertrauen der Politik, eine stabile Rente zu garantieren.

83 Prozent rechnen mit einer Versorgungslücke im Alter, 57 Prozent kümmern sich privat um Vorsorge, während ein Viertel untätig bleibt. Sechs von zehn Befragten unterstützen eine kapitalgedeckte Rente. Das sind zunächst die nackten Zahlen.

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Klar ist: Die Deutschen zweifeln zunehmend an einer sicheren Rente und befürworten den Ergebnissen zufolge stärker kapitalgedeckte Modelle wie die Aktienrente. Doch zaghafte Versuche der früheren Ampelkoalition, Kapitalmarkt-Ansätze zu integrieren, wurden von der gegenwärtigen Regierungskoalition wieder verworfen. Und erfolgreiche Modelle, wie sie in Skandinavien praktiziert werden, finden in der politischen Diskussion quasi nicht statt.

Finanzminister Lars Klingbeil plant zwar bis Jahresende ein neues Altersvorsorgedepot als Nachfolge der Riester-Rente – Details stehen allerdings noch aus. Dabei hatte die FDP bereits im vergangenen Jahr ein entsprechendes Konzept vorgelegt – doch die SPD scheut sich, das Aktiensparen voranzutreiben. Und das, obwohl gerade der Aktienmarkt langfristig das Wachstumspotenzial bietet, das die demografische Entwicklung dringend benötigt.

Deutschland steht vor gewaltigen Herausforderungen

Denn die Altersvorsorge in Deutschland steht vor gewaltigen Herausforderungen: Der Staat übernimmt zunehmend die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung, weil das Umlageprinzip an seine Grenzen stößt. Wenn sich dieser bedenkliche Trend fortsetzt, fließen 2050 rund 60 Prozent des Haushalts in die Rentenkasse. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch im öffentlichen Sektor: Die Ausgaben für Beamte steigen voraussichtlich bis 2060 um etwa 54 Prozent.

Private Vorsorge in jeglicher Form ist für Arbeitnehmer unter 45 Jahren nicht zuletzt deshalb ein Muss – davon sind alle Experten überzeugt. Dafür braucht es seitens der Politik jedoch Mut zu einer grundlegenden Rentenreform, ähnlich wie es andere Länder bereits vorgemacht haben. In Schweden beispielsweise hat man 2,5 Prozent der Beiträge in einen Staatsfonds umgeleitet, der schlank und ertragreich verwaltet wird.

In Deutschland droht wegen der hohen Zahl an Rentnern bis 2035 dagegen ein dramatischer Engpass. Daher ist jetzt entschlossenes Handeln erforderlich. Natürlich bleiben auch andere Säulen der Altersvorsorge für die Bürger relevant – private Rentenversicherungen, Betriebsrenten, Immobilien und ETFs, wie der vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) unterstützten Forsa-Umfrage zu entnehmen ist. Allerdings sollten Staat und Politik auch hier bestehende regulatorische und steuerliche Hürden abbauen.

Auf der folgenden Seite lesen Sie unter anderem, warum die Frühstart-Rente die demografischen Herausforderungen nicht lösen wird.

Frühstart-Rente wird demografische Herausforderungen nicht lösen

Auf Initiative von Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hat das Kabinett neue Rentenmaßnahmen beschlossen. Eine zentrale Säule ist dabei die Frühstart-Rente: Eltern erhalten monatlich 10 Euro vom Staat für ein Spardepot ihrer Kinder. Dieser Ansatz findet durchaus Rückhalt in der Forsa-Umfrage, denn 64 Prozent der Befragten signalisieren hier Zustimmung.

Die Idee beruht dabei auf Empfehlungen des Sachverständigenrats und zielt darauf ab, Spar- und Anlageverhalten frühzeitig zu fördern – inklusive eines frühzeitigen Zugangs zum Aktienmarkt. Wie genau die Mittel letztlich angelegt werden, ist noch offen – vermutlich wird auf ETFs oder ähnliche Fondslösungen gesetzt. Unterm Strich bleibt jedoch nüchtern festzuhalten: Dieses Instrument allein wird die demografischen Herausforderungen auch nicht lösen.

Das Altersvorsorgedepot muss her

Daher muss nun möglichst rasch an einem Altersvorsorgedepot gearbeitet werden, das seitens der Freien Demokraten bereits schlüsselfertig im Finanzministerium hinterlassen wurde. Dieser Wunsch besteht seitens der Wähler seit langem – und könnte im kommenden Jahr 2026 auch relativ schnell umgesetzt werden.

Die Forderung, Beamte ebenfalls in die gesetzliche Rentenversicherung zu integrieren, wirkt dagegen populistisch und scheint primär auf SPD-Wähler gerichtet zu sein. Denn sie bedeutet ja eine Abschaffung der Pensionsversorgung, was gleichzeitig das Beamtentum in seinen Grundfesten angreift.

Hinzu kommt: Mit immer höheren Beiträgen gehen erhöhte Kosten für Sozialabgaben bei den Arbeitgebern einher, daher warnen diese nicht umsonst vor einem „Beitragsschock“. Durch die verfehlte Rentenpolitik wird die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, die ja ohnehin schon unter massiven Druck steht, noch weiter geschädigt.

Dass eine überwältigende Mehrheit der Menschen der Forsa-Umfrage zufolge mit einer Versorgungslücke rechnet, müsste die Politik eigentlich endgültig alarmieren. Doch es passiert viel zu wenig. Stattdessen wird der Kapitalmarkt weiter ignoriert. Und das, obwohl dieser eine langfristige Lösung der Deckungsprobleme bei der gesetzlichen Rente liefern könnte.

Fazit: Kapitalmarkt darf nicht länger ignoriert werden

Fakt ist: In Deutschland gab und gibt es zur nachhaltigen Sicherung der Altersvorsorge leider weiterhin keine tragbaren Konzepte. Zumal auch der im Frühsommer viel diskutierte „Boomer-Soli“ bei zwei Dritteln der Befragten keine Resonanz findet. Das demografische Problem kann schließlich durch reine Umverteilung und eine weitere Belastung der Rentenempfänger zugunsten einkommensschwacher Rentner nicht gelöst werden.

Es wird daher höchste Zeit, dass sich Deutschland schleunigst den Realitäten stellt: Wir sind durch die Überalterung der Gesellschaft gezwungen, kapitalgedeckte Systeme einzuführen und gleichzeitig spürbare Erhöhungen der Beitragssätze zu akzeptieren. Diese sollten dann aber in einen gesetzlichen Rentenfonds eingezahlt werden. Eine andere Lösung bleibt nicht – der Generationenvertrag ist am Ende.

Über den Autor

Robert Peres ist Rechtsanwalt mit Sitz in Berlin und Wiesbaden sowie Vorsitzender der Initiative Minderheitsaktionäre, die sich für die Stärkung der Aktionärsrechte in Deutschland einsetzt.

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Eine Antwort

  1. Nun wieder einer der Hiobsboten. Es gibt doch das 3 Schichten Modell in Deutschland. Wenn ich mir in meinem täglichen Geschäft die Fondsgebundenen Verträge anschaue, sehe ich in dem Ansatz, nichts Gutes oder besseres. Es ist alles da um 90% des letzten Nettoeinkommen im Alter zu haben. Nur wird es kaum gemacht und wenn dann sind die Policen sehr schlecht. Darüber sollte man reden. Die Panikmache führt zu nichts. Und ja solange wir uns noch teure Beamte leisten oder Berufe die nicht einzahlen, geht’s uns doch gut.und nein alle zahlen ein ist nicht Links sondern gut. Siehe Schweiz Österreich und mehr.

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