J.P. Morgan AM und Alte Leipziger

„Wie kommt Ihr Fonds in eine Police der Alten Leipziger?“

Die Fondsgesellschaft J.P. Morgan Asset Management hat einen bemerkenswerten aktiven ETF im Angebot, und die Alte Leipziger nimmt ihn in ihre Policen auf. Wie funktioniert das? Was ist zu beachten? Was ist das für ein Fonds? Und wie geht die Zusammenarbeit weiter? Pfefferminzia hat Vertreter beider Häuser zum Doppel-Interview gebeten.
Im Doppel-Interview: Selina Thron (J.P. Morgan Asset Management) und Heiko Storjohann (Alte Leipziger Lebensversicherung)
© JPMAM, Alte Leipziger
Im Doppel-Interview: Selina Thron (J.P. Morgan Asset Management) und Heiko Storjohann (Alte Leipziger Lebensversicherung)
Zunächst zu den Interviewten:

Selina Thron ist Executive Director und betreut Kunden im Wholesale-Segment von J.P. Morgan Asset Management. Deshalb steht sie mit Heiko Storjohann von der Alten Leipziger LV in Kontakt. Er ist Referent für fondsgebundene Versicherungen und hat damit zu tun, welche Fonds bei der Alten Leipziger für Policen zur Auswahl stehen.

Und nun, auf ins Gespräch:

Pfefferminzia: Frau Thron, Herr Storjohann, lassen Sie uns über den JPM Global Research Enhanced Index Equity ESG ETF sprechen, der aus dem Haus von J.P. Morgan Asset Management, kurz JPMAM, kommt und den die Alte Leipziger Lebensversicherung, kurz Alte Leipziger, für ihre Policen anbietet. Was ist das für ein Fonds?

Selina Thron: Dieser aktive ETF ist Teil unserer Research-Enhanced-Index-Palette. Ziel ist, damit mittelfristig den Aktienindex MSCI World zu schlagen, und das bei gleichem Risiko.

Das versuchen viele aktive Fondsmanager, schaffen es aber nur selten.

Thron: Dass uns das gelingt, können wir über einen sehr langen Zeitraum belegen: Wir haben es in den vergangenen 20 Jahren tatsächlich nur 2005 und 2007 nicht geschafft. In allen anderen Jahren lagen wir über dem Index.

An dieser Stelle wollen wir das Prinzip des Fonds erklären

Der JPM Global Research Enhanced Index Equity ESG ETF (ISIN: IE00BF4G6Y48, mehr Informationen finden Sie hier) baut aus der Vogelperspektive betrachtet den MSCI World nach. Länder, Regionen und Branchen sind genauso gewichtet wie dort. Bei den einzelnen Aktien gewichtet JPMAM jedoch jene marginal höher, die die hauseigene Analyse als günstig erkennt. Und die als teuer eingeschätzten Titel werden im Vergleich zum Index marginal untergewichtet. Als Grundlage dafür gelten fundamentale Informationen wie zum Beispiel die Gewinnsituation über die kommenden drei bis sechs Jahre im Verhältnis zum Aktienkurs (Kurs-Gewinn-Verhältnis) sowie andere aktienspezifische Kennzahlen.

So ergeben sich im Detail leichte Unterschiede, was die einzelnen Aktien angeht, das Gesamtrisiko entspricht aber in etwa der Benchmark. Die Research-Enhanced-Index-Strategie für US-Aktien managt das Haus seit 1988, die globalen Aktien folgten 2003. Über den ETF können seit fünf Jahren auch Privatanleger davon profitieren. In dieser Zeit schlug der ETF den MSCI World um 1,09 Prozentpunkte im Schnitt pro Jahr.

Weiter geht es mit dem Gespräch

Herr Storjohann, klatschen Sie bei der Alten Leipziger sofort begeistert in die Hände, wenn Sie so etwas sehen?

Heiko Storjohann: Ja, klar! Machen wir uns nichts vor: Der MSCI World ist in fondsgebundenen Rentenversicherungen das meistgewählte Produkt. Und wenn wir uns im Wettbewerb von anderen unterscheiden möchten, bieten wir gerne etwas an, das gegenüber dem Index Mehrwerte generiert. Alternativ kann der Kunde breiter streuen und damit Risiken besser verteilen, Schwellenländer mit einbinden oder einen vergleichbaren Index finden, der günstiger ist. Eine andere Möglichkeit ist eine Strategie, die Mehrwerte liefert. So, wie hier.

Wie kommt ein Fonds generell in eine Police der Alten Leipziger?

Storjohann: Grundsätzlich greifen wir Impulse aus allen Richtungen auf. Die kommen von den Fondsgesellschaften, von den Vertrieben, von Maklerempfehlungslisten oder als Ideen einzelner Makler. Wir prüfen auch gezielt nach, ob wir gerade eine Lücke in unserem Portfolio haben, die wir füllen möchten. Dann erstellen wir einen Marktüberblick über die Themen, die uns bewegen.

„Wir halten das Angebot aktuell und tauschen bis zu viermal im Jahr Fonds aus“

Klopfen auch Fondsgesellschaften bei Ihnen an?

Storjohann: Es gibt zwischen uns und den Fondsgesellschaften einen regelmäßigen Austausch, bei dem auch Fonds vorgestellt werden. Für konkrete Erweiterungen unserer Fondsauswahl gehen wir aber meistens auf sie zu und suchen das Gespräch. Dann haben wir uns häufig auch schon festgelegt. Bei aktiven Fonds kann es vorkommen, dass wir uns mehrere Anbieter anschauen und entscheiden, wer am besten zu uns passt.

Haben Sie ein Ziel, wie groß die Fondspalette immer sein soll?

Storjohann: Kein festes. Wir halten das Angebot aktuell und tauschen bis zu viermal im Jahr Fonds aus, wenn es nötig ist. Dabei wollen wir ein gutes, umfassendes Angebot haben, mit dem wir die unterschiedlichen Interessen im Markt bedienen können.

Seite 2: „Das ist der Moment, an dem wir uns zusammensetzen“

Wie kam es speziell zur Zusammenarbeit mit JPMAM?

Thron: Die Alte Leipziger ist immer interessiert an neuen Ideen, sodass Heiko auch früh an einem Dialog rund um die Entwicklung von aktiven ETFs interessiert war.

JPMAM bietet ja insgesamt viele Fonds und ETFs an. Warum ist es ausgerechnet dieser nicht ganz so bekannte aktive ETF geworden?

Storjohann: Es ist nicht so, dass wir uns die Gesamtpaletten von Fondsgesellschaften vornehmen und uns dort etwas aussuchen. Stattdessen schauen wir, welche interessanten Ideen es gibt, und was wir noch nicht auf unserer Fondsliste haben. Wir wollen Lücken schließen oder besondere Vorteile für die Kunden mitnehmen. Und so eine aktive Strategie im passiven Mantel mit entsprechend niedrigen Kosten ist angesichts der Konkurrenz zwischen Aktiv und Passiv für uns sehr interessant.

Was müssen Sie als Produktnehmer dann alles prüfen?

Storjohann: Zunächst müssen wir auf unsere Interessen als Versicherer achten. Die Kosten und die Indexkonstruktion müssen passen. Bei Aktien und Anleihen wollen wir physisch replizierende ETFs, die Papiere müssen also tatsächlich im Fondsportfolio liegen. Damit wollen wir Diskussionen über das Kontrahentenrisiko bei Swaps vermeiden. Der Fonds soll Zinsen und Dividenden automatisch wiederanlegen, also thesaurieren. Das alles macht uns und unseren Geschäftspartnern das Leben möglichst leicht. Und wenn wir diese technischen Sachen geklärt haben, kommt das große, schöne Feld der Regulierung (lacht).

„Wir stellen ein Erstpaket zur Verfügung“

Was nicht Wenige in die Verzweiflung bringen kann.

Thron: Und das ist der Moment, an dem wir uns zusammensetzen.

… und was besprechen?

Thron: Zunächst fragt er ganz standardgemäß die Pflichtpublikationen ab. Das ist dann ein Erstpaket, das wir zur Verfügung stellen.

Storjohann: Wir müssen gleich zu Beginn und anschließend jedes Vierteljahr viele Daten verarbeiten. Wir erhalten zwar die Basisinformationsblätter zum Fonds, müssen aber auch selbst Informationsblätter zu unseren Versicherungsprodukten produzieren. Dann kommen wir zur Offenlegungsverordnung, benötigen also die Nachhaltigkeitsdaten. Und zwar unabhängig davon, ob der Fonds nach Artikel 8 oder 9 der Verordnung klassifiziert ist. Und schließlich haben wir noch die Solvenzverordnung, für die wir die vertraulichen Portfoliodaten benötigen.

Wie lange dauert so etwas von der Idee bis alles fertig ist.

Storjohann: Wenn wir schnell sind, drei oder vier Monate.

„Wir sind ein eingespieltes Team“

Sind Sie bei JPMAM immer auf alles gut vorbereitet, oder gibt es manchmal Überraschungen?

Thron: Wir sind ein eingespieltes Team, und die Pflichtpublikationen haben wir natürlich für unsere Produktpalette immer vorliegen. Wenn sich die Alte Leipziger darüber hinaus für besondere Marketing-Maßnahmen entschieden hat, erstellen wir dazu die passenden Materialien für die jeweilige Zielgruppe. Das sind dann begleitende Informations- oder Schulungs-Unterlagen, etwa für die Makler oder die Endkunden. Das sind zum Beispiel Einseiter mit den wichtigsten Verkaufsargumenten oder B2C-Präsentationen für Webcasts oder auch Unterstützung auf Veranstaltungen. Das ist unsere Service-Unterstützung, die wir Marketing-seitig anbieten.

Seite 3: „Wie der Zufall so will, holen wir von JPMAM einen weiteren Fonds in unser Angebot“

Nun haben wir also den Fonds erfolgreich in die Police bekommen. Wie oft müssen Sie dann noch telefonieren?

Storjohann: Im Idealfall nicht mehr so oft. Einmal im Monat, im Quartal und im Jahr wird aktualisiert. Die Daten fließen von den Fondsgesellschaften automatisch an die Dienstleister und die schicken uns das Gesamtpaket. Das läuft. Zusätzlichen Aufwand gibt es meist, wenn sich die Regulierung ändert. Wenn zum Beispiel die Vorgaben für die Berechnungen der Basisinformationsblätter angepasst wurden. Dann kann es ein bisschen dauern, bis alles wieder rund läuft. Und wir müssen vielleicht wieder etwas mehr telefonieren.

Sie nicken, Frau Thron. Offenbar ist die Alte Leipziger ein einfacher Kunde.

Thron: Absolut. Nach all diesen technischen Überprüfungen dreht sich der weitere Kontakt dann um die Unterstützung bei der Vermarktung.

„Wir wollen das Thema Dividenden ausbauen“

Derzeit hat JPMAM den erwähnten globalen aktiven ETF, einen China-Fonds und einen Aktienfonds für Schwellenländer in der Palette der ALH. Sind weitere geplant?

Storjohann: Wir sind natürlich immer auf der Suche nach weiteren guten Möglichkeiten. Und wie der Zufall so will, holen wir von JPMAM einen weiteren Fonds in unser Angebot. Wir wollen das Thema Dividenden ausbauen und finden, dass der Global Dividend eine gute Wahl dafür ist.

Wann geht es los?

Storjohann: Mitte Juni, zusammen mit einigen weiteren neuen Fonds.

Gibt es denn noch weitere Enhanced-Index-ETFs für andere Regionen?

Thron: Ja, eine ganze Reihe – mit inzwischen acht Investmentregionen und zwei nachhaltigen, das heißt explizit an den Kriterien des Pariser Klimaschutzabkommens ausgerichteten ETFs, ist unsere Research-Enhanced-Index-Familie eine der umfangreichsten Serien für aktive ETF-Portfoliobausteine. Der globale ETF ist inzwischen auf rund 5 Milliarden US-Dollar angewachsen und damit der zweitgrößte, nach dem für US-Aktien. Aber wir haben auch Strategien für Europa, globale Schwellenländer und Asien-Pazifik, um ein paar Beispiele zu nennen.

Dann ab zur Alten Leipziger mit ihnen.

Thron: Bisher werden viele dieser regionalen Bausteine mehr im institutionellen Geschäft genutzt, wo sich die Investoren gern einzelne Regionen für ihre Allokation heraussuchen. Für die Alte Leipziger ist die globale Strategie für die Ansprüche der Privatanleger, die in ihrer Fondspolice eine Core-Lösung bevorzugen, gut geeignet.

Vielen Dank an Sie beide für das Gespräch.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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