Fondsrenten

Wie auch ältere Anleger profitieren

Fondsgebundene Rentenversicherungen lohnen sich am ehesten für junge Menschen mit einem langen Anlagehorizont, der Kursschwankungen ausgleicht. Doch auch ältere Menschen können von dieser Form der Altersvorsorge profitieren. Wie das geht, erklärt Markus Weis, stellvertretender Leiter des Finanzdienstleisters Vanguard für Deutschland und Österreich, im Interview.
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Markus Weis, stellvertretender Leiter des Finanzdienstleisters Vanguard für Deutschland und Österreich

Pfefferminzia: Wie lange sollte der Anlagehorizont bei der Altersvorsorge idealerweise sein?

Markus Weis: Möglichst langfristig. Je länger die Ansparzeit, desto größer der Zinseszinseffekt und desto eher kann die Rentenlücke geschlossen werden. Unabhängig davon gilt es aber einige Grundsätze, die wir als Vanguard-Prinzipien bezeichnen, zu beachten. Entscheidend für einen erfolgreichen Vermögensaufbau ist, dass sich Anleger auf die Faktoren konzentrieren, die sie bestimmen können. Niemand kann die Marktentwicklung kontrollieren, sehr wohl aber die Kosten. Jeder Euro Gebühren reduziert die Rendite. Deshalb gehört die Kostenminimierung zu unseren vier Anlageprinzipien, ebenso wie die Formulierung klarer und angemessener Anlageziele, die Entwicklung einer geeigneten Asset Allocation mit breit gestreuten Fonds und die Wahrung der langfristigen Perspektive und Disziplin.

Inwieweit lohnt es sich auch noch zehn oder fünf Jahre vor dem Rentenalter damit anzufangen?

Natürlich ist es besser, so früh wie möglich zu beginnen. Je später jemand anfängt, desto mehr muss er zurücklegen, um seine Rentenlücke zu schließen. Grundsätzlich aber gilt: besser spät als nie. Es lohnt sich also immer damit zu beginnen – vor allem wenn jemand weiß, dass er im Alter zu wenig Geld hat, um den gewohnten Lebensstandard aufrechtzuerhalten – zumal es ja nicht immer ein Fonds mit einer Aktienquote von 100 Prozent sein muss, 35 Prozent sind in dieser Lebensphase völlig ausreichend.

Muss das Fondsportfolio hier grundsätzlich anders ausgerichtet sein als für jüngere Kunden?

Je näher jemand am Renteneintritt ist, desto geringer sollten die Risiken seiner Anlage sein. Hier sind gemischte Portfolios geeignet, wobei sich die Asset Allocation idealerweise dem Alter anpassen sollte. Hilfreich ist hier die Faustregel für die Höhe des Aktienanteils: 100 abzüglich Lebensalter. Wer 20 Jahre alt ist, kann 80 Prozent Aktienanteil vertragen.

Wie können auch Best Ager von Fondspolicen profitieren?

Fondsgebundene Rentenversicherungen bieten einen steuerlichen Vorteil. Die Erträge bleiben während der Ansparphase steuerfrei. Bei der Auszahlung muss unter bestimmten Voraussetzungen, zum Beispiel wenn die Police mindestens zwölf Jahre gelaufen ist, nur die Hälfte der Erträge versteuert werden. Und wer an die nächste Generation und damit ans Vererben denkt, der findet bei Fondspolicen noch weitere Vorteile.

Welche Faktoren müssen die Policen dazu zwingend aufweisen?

Flexibilität ist entscheidend. So bevorzugen manche Kunden Altersteilzeit, so dass mit einer Teilrente der Austritt aus dem Berufsleben sanfter erfolgen kann. Auch sollte der Renteneintritt bis ins hohe Alter verschiebbar bleiben. So kann der Kunde so lange wie möglich steueroptimiert in Aktien investiert bleiben und das auch parallel zum Bezug einer Teilrente. Außerdem wollen Kunden die Möglichkeit haben, vor und nach Rentenbeginn beliebig Kapital zu entnehmen. Ferner sollten Berater auf das Kostenbewusstsein der Anleger achten, weshalb die Flexibilität möglichst wenig oder nichts kosten sollte.

Worauf müssen Berater bei der Vermittlung von Fondspolicen an diese Zielgruppe besonders achten?

Grundsätzlich hat die Zielgruppe 50plus einen Vorteil: Da die Rentenphase kurz bevorsteht, weiß sie genau, worauf es ankommt und was sie will. Der Erklärungsbedarf ist deutlich geringer. Der Berater selbst muss die passenden Index-Fonds auswählen, dabei aber auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden eingehen. Außerdem brauchen und wollen viele Kunden ein festes lebenslanges monatliches Renteneinkommen. Sie legen dann Wert darauf, möglichst bei Vertragsschluss zu erfahren, zu welchen Konditionen die Verrentung des Guthabens erfolgt. Ein hoher garantierter Rentenfaktor, der möglichst bei Zuzahlungen oder nach Verschieben des Rentenbeginns weiter gilt, ist vorteilhaft.

Welche Rolle spielen Kosten bei der Altersvorsorge?

Wenn es um Geldanlage geht, sind Kosten ein wesentlicher Faktor, weil sie direkt zu Lasten der Rendite gehen. Und das gilt im aktuellen Niedrigzinsumfeld, wo Zinsanlagen zum Teil negativ oder kaum verzinst sind, umso mehr. Oder wie es die Kaufleute formulieren: „Im Einkauf liegt der Gewinn“. Genau das gilt eben auch bei der Geldanlage. Es lohnt sich deshalb nach preisgünstigen Anlagevehikeln Ausschau zu halten.

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Welche Vorteile bieten ETFs dabei?

Wegen ihrer relativ hohen Gebühren, die direkt zu Lasten der Rendite gehen, schneiden viele aktive Fonds nach Kosten, wie Studien zeigen, schlechter ab als ihr Vergleichsindex. Klar günstiger sind passiv gemanagte ETFs. Daneben bestehen die Vorteile von ETFs in ihrer breiten Marktabdeckung und Streuung sowie der hohen Transparenz. Zudem lassen sich damit auf den langfristigen Vermögensaufbau ausgerichtete Anlagestrategien einfach und kosteneffizient umsetzen. Wir betrachten ETFs als langfristige Anlage. Wir bringen nur solche auf den Markt, die für eine langfristige, seriöse Geldanlage sinnvoll, ausreichend diversifiziert und kosteneffizient sind sowie über die notwendige Liquidität verfügen. Dazu kommt, dass wir das Volumenwachstum unserer ETFs konsequent nutzen, um die Gebühren zu senken. So hat sich die durchschnittliche jährliche Kostenquote unserer Fonds seit 2010 halbiert. Andere Anbieter sind daraufhin mit den Kosten ihrer Angebote nachgezogen, was wiederum dem Anleger zugutekommt. Wir nennen das den Vanguard-Effekt.

Welche Rolle spielt das Ablaufmanagement für ältere Kunden. Was bieten Fondspolicen hier?

Da Aktien stets Bestandteil von Fondspolicen sind, ist dies naturgemäß ein sehr wichtiger Punkt. Kurzfristig weisen diese hohe Kursschwankungen auf, was beim Ablauf einer Fondspolice stark zu Buche schlagen kann. Um dieses Risiko in den Griff zu bekommen, hat sich die stufenweise Reduktion des Aktienanteils bewährt.

 

Autor

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Pfefferminzia und andere Versicherungs- und Kapitalanlage-Medien.

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