Fondspolicen-Fonds im Porträt – Teil 1

Was taugt der iShares Core MSCI World Ucits ETF?

In einer neuen Serie stellen wir Investmentfonds vor, die besonders häufig in Fondspolicen auftauchen. Los geht es mit einem definitiven Standardprodukt, einem iShares-ETF auf den Aktienindex MSCI World. Leider ein Index mit einigen Mängeln.
Blick in die Aktienbörse in New York: Der US-Aktienmarkt ist zu 68 Prozent im MSCI World gewichtet
© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Courtney Crow
Blick in die Aktienbörse in New York: Der US-Aktienmarkt ist zu 68 Prozent im MSCI World gewichtet

Man könnte den iShares Core MSCI World Ucits ETF (ISIN: IE00B4L5Y983) als den kleinsten gemeinsamen Nenner aller kleinsten gemeinsamen Nenner bezeichnen. Wenn es ihn rein mathematisch betrachtet gäbe. Auf der einen Seite bildet er einen der bekanntesten, meistgenannten und von Verbraucherschützern am innigsten geliebten Aktienindizes ab – der auch noch die Aktienmärkte der Welt abbilden soll. Quasi der Standard der Standards.

Andererseits kommt er vom größten Investmenthaus der Welt, nämlich Blackrock. Die US-Amerikaner sind mit ihrer Marke iShares unangefochtene Nummer 1, wenn es um Investmentfonds geht, die Marktindizes folgen und börsennotiert sind – um Exchange Traded Funds, kurz ETFs. Mit einem Volumen von umgerechnet 42,3 Milliarden Euro kommt der Fonds entsprechend wuchtig daher.

Auf einer Liste des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) mit den am häufigsten in Fondspolicen auftauchenden Fonds liegt der iShares Core MSCI World Ucits ETF auf Rang 1. Und eines muss man ihm neidlos zugestehen: Viel falsch machen kann man mit ihm erstmal nicht. Wer einfach mal was mit Aktien machen und weiter darüber nachdenken will, kann bedenkenlos zugreifen. Allerdings gibt es ein paar Feinheiten, derer man sich zumindest bewusst sein sollte, und die die Freude dämpfen könnten.

Ein wichtiger Teil der Aktienwelt fehlt

Betrachten wir zunächst den Index. Der kommt von MSCI, ehemals Morgan Stanley Capital International, einem der größten Indexanbieter der Welt. Und wie der Name schon sagt, soll er schlicht und einfach die Welt abbilden. Nun kann man das als westliche Arroganz auslegen oder auch nicht, aber der Index enthält lediglich 23 Industrieländer. Damit fehlt ein entscheidender Teil der Welt: die Schwellenländer. Kein China, kein Indien, kein Brasilien, kein Mexiko – manch Anleger könnte das vermissen. Andere sind vielleicht sogar froh, wenn sie sich auf vertrautem Terrain bewegen.

Stattdessen besteht der vermeintlich sehr breit gestreute Index derzeit zu 68 Prozent aus US-amerikanischen Titeln. Und das liegt an seinem Aufbau. Denn er soll von jedem einzelnen enthaltenen Land rund 85 Prozent des frei handelbaren Aktienmarktes abdecken (Free Float). Deshalb ändert sich auch die Zahl der enthaltenen Aktien ständig, derzeit sind es 1.540 Stück. Und weil der US-amerikanische Aktienmarkt weltweit der größte ist – gerade nach der langjährigen Hausse – ist er im Index auch so enorm hoch gewichtet. Es geht eben immer nach dem Prinzip: Je besser ein Markt läuft, desto höher ist er im Index gewichtet. Das macht den Index natürlich auch enorm anfällig für Spekulationsblasen.

Das und der hohe US-Anteil schlagen sich in den fundamentalen Kennzahlen nieder: Die Dividendenrendite ist mit durchschnittlich 2,0 Prozent eher läppisch. Und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 2,9 deutet an, dass das zwar kein hoffnungslos überteuerter Index, aber auch keiner für Schnäppchenjäger ist.

Drei Titel allein machen schon ein Zehntel des Index aus

Es geht im MSCI World nun mal weder nach Qualität noch nach Rentabilität oder gar Nachhaltigkeit oder anderen Fundamentaldaten, sondern nur nach Größe. Folglich ist Apple mit 4,5 Prozent Anteil derzeit am höchsten gewichtet, gefolgt von Microsoft (3,6 Prozent) und Amazon (2,0 Prozent). Drei Titel machen schon ein Zehntel des ganzen Index aus. Das ist dann zumindest nicht so fein gestreut wie viele behaupten.

Überhaupt täuscht die große Zahl der Titel. Denn nur wenige ETFs enthalten sie tatsächlich alle. Das wäre zu teuer und zu aufwendig – und würde am Ende nicht einmal was bringen. Denn die kleinsten Indexmitglieder sind mit Anteilen unter 0,01 Prozent ohnehin nur noch als Spurenelemente enthalten.

Die Technik heißt Sampling – der ETF-Anbieter beschränkt sich auf eine repräsentative Zahl an Aktien. Interessanterweise ist das beim iShares Core MSCI World Ucits ETF offenbar zurzeit kaum der Fall, denn laut ETF-Portal JustETF liegt die Zahl der tatsächlichen Aktienpositionen bei rund 1.450. Dass das so günstig geht, ist zweifellos der enormen Größe des Fonds geschuldet.

Guter Standard von der Stange zu gutem Preis

Damit wird klar: Der ETF tut was er soll. Er bildet die Aktienmärkte der Industrieländer der Größe nach ab – nicht mehr und nicht weniger. Und das für eine Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER) von 0,2 Prozent im Jahr, womit der Fonds am unteren Ende des Preisspektrums für diesen Index liegt.

Wer also einfach Aktien zu einem guten Preis kaufen und sich wenig darum kümmern möchte, von wo sie wirklich kommen und wie teuer sie sind, der wird hier gut bedient. Wer allerdings auf Aspekte wie Schwellenländer, Fundamentaldaten, Nachhaltigkeit oder Klumpenrisiken (USA!) achtet, der sollte lieber mehrere ETFs kombinieren oder diesen hier um mindestens einen weiteren ergänzen.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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