Entsparphase

Wie hohe Inflation der Rente zusetzt

Die Hausaufgaben sind gemacht, das Vorsorgevermögen ist zusammengetragen – und dann? Tja, dann ist die verflixte Inflation immer noch da und nagt weiter. Aber an der Rente. Anhand eines Modells haben wir ausgerechnet, wie das dann aussieht und ob man den Kaufkraftverlust ausgleichen kann.
Wie viel Rente ist möglich, wenn man die Inflation berücksichtigt? Die Grafik zeigt es.
© Pfefferminzia
Wie wirkt sich die Inflation auf die Rente aus? Dieser Frage gingen wir im dritten Teil unserer Inflations-Serie nach.

Manchmal vergessen die Menschen sie einfach, wenn sie vorsorgen – die Zeit nach dem Sparen. Das wollen wir in unserer Serie zu Inflation und Altersvorsorge nicht. Deshalb rechnen wir nach, wie es weitergeht: Wir haben also bis zur Rente kräftig Euros zur Seite gelegt. Und nun lassen wir Stift oder Schraubenschlüssel fallen und verlassen die Arbeitswelt.

Und dann? Wie viel bringt das eigentlich, was wir in vielen Jahren zusammengekratzt haben? Und wie viel davon lässt die Inflation übrig? Und wie lange reicht das alles? Fragen, die wir hier unmöglich genau beantworten können. Denn wir wissen nicht, wie alt Sie werden, wie viel Geld Sie haben, welche Rendite das noch bringt und wie stark die Preise steigen.

Aber wir können ein Modell entwerfen, vieles einmal durchrechnen und daraus Anhaltspunkte ziehen. Für die Sparphase haben wir das bereits in zwei Geschichten getan. Sie finden sie hier und hier.

Also entwerfen wir nun ein Szenario für die Rente mit angenommenen, aber durchaus realistischen Rahmendaten. Der- oder diejenige ist jetzt 67 Jahre alt. Als Lebenserwartung nehmen wir einen Mittelwert aus den Geschlechtern, einigen Sterbetafeln und Portalen: 92 Jahre. Macht also 25 Jahre, in denen sich das Vermögen in unserem Modell verbrauchen soll. Die Rendite veranschlagen wir mit eher defensiven 3 Prozent. Und die Inflation unterstellen wir einmal mit moderaten 2 und einmal mit heftigen 5 Prozent.

Damit stellt sich aber die Frage, auf welchem Preisniveau wir uns bewegen wollen. Denn es nützt nichts zu wissen, welche Riesenbeträge später wieder aufs Konto fließen. Es ist auch wichtig, was man sich dann davon kaufen kann. Aus den ersten beiden Rechenexempeln haben wir einerseits nominale Vermögen errechnet, ohne die Inflation zu berücksichtigen. Enorm große Zahlen sind das. Andererseits haben wir reale Vermögen errechnet, die um die Inflation gekürzt sind und damit das Preisniveau vom Beginn der Sparphase widerspiegeln. Sie zeigen also, was man sich kaufen könnte, wenn sich die Preise seit Anfang nicht geändert hätten. Los ging es immer mit 100 Euro im Monat und einer Dynamik von 3 Prozent im Jahr, bei einer Rendite von 6 Prozent im Jahr. Mangels besseren Wissens unterstellen wir dabei alle Verläufe linear, also ohne Ausreißer nach oben oder unten.

Auf diese Weise haben Erika oder Max Mustermann ein Guthaben von knapp 290.000 Euro erreicht. Ohne Inflation. Wenn wir das für die kommenden 25 Jahre mit einem konstanten Nominalbetrag verrenten, ergäbe das 1.370 Euro im Monat. Das Restguthaben würde sich dann wie folgt entwickeln:

Nominales Vermögen bei stetiger Rente und 3 Prozent Rendite ohne Inflation

Ein Knackpunkt ist allerdings, was mit der Rate selbst passiert. Denn die Inflation nagt an den 1.370 Euro und lässt über die Jahre nicht viel übrig. Die Grafik auf der nächsten Seite zeigt deshalb die Kaufkraft von 1.370 Euro über 25 Jahre bei 2 und 5 Prozent Inflation. Viel bleibt nicht übrig.

Seite 2: Was man als Twen von der Altersvorsorge erwarten kann

Vermögen bei stetiger realer Rente und 2 und 5 Prozent Inflation

Also denken wir einmal anders herum. Welche Rate ergäbe sich, wenn die Kaufkraft erhalten bleiben soll? Dann müsste die Rate nominal natürlich steigen. Je höher die Inflation, desto steiler.

Was ein 27-Jähriger von Altersvorsorge erwarten kann

Damit kommen wir zu einem Mathematik-Stunt, der alles weiterdreht. Er beantwortet die Frage, was ein 27-Jähriger von seiner Altersvorsorge erwarten kann. Wenn jemand in diesem Alter zu sparen beginnt, kann er oder sie das aktuelle Preisumfeld natürlich am besten einschätzen. Also rechnen wir jetzt alles – Sparphase und Rentenphase – auf dieses Preisniveau herunter. Die Zahlen werden kleiner, die Preise bleiben gleich.

Für die Ansparphase haben wir das bereits im zweiten Teil unserer Reihe getan. Bei 2 Prozent Inflation bleiben von den bereits erwähnten 290.000 Euro real 131.337 Euro übrig. Bei 5 Prozent Inflation sind es gar nur noch 41.196 Euro.

Verrenten wir die beiden Beträge über 25 Jahre mit gleichbleibender realer Kaufkraft, ergibt sich folgende Grafik:

Nominal nötiger Rentenbetrag bei Inflation, damit die reale Rente gleich bleibt

Und so liest sich das:

Wer heute mit 27 Jahren und den genannten Rahmenbedingungen zu sparen beginnt, entnimmt bei einer Inflation von durchweg 2 Prozent ab 67 Jahren seinem Vermögen eine monatliche Rente von 494 Euro. Von diesen 494 Euro kann er dann genau so viel oder wenig kaufen wie heute von 494 Euro.

Schwerer ist schon das folgende zu verarbeiten: Wer über die gesamten 65 Jahre eine Inflation von durchweg 5 Prozent erlebt, dem stehen nur 107 Euro in heutiger Kaufkraft zur Verfügung.

Wohlgemerkt – wir unterstellen für die Sparphase eine Rendite von 6 Prozent, die kein allzu vorsichtiger Sparer zurzeit erreichen dürfte. Weshalb wir nur hoffen können, dass die Europäische Zentralbank etwas tut, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Denn sonst hätte sie nicht nur durch niedrige Zinsen ganze Altersvorsorgen zerlegt, sondern auch durch entfesselte Preise.

Mehr zum Thema

Wie hohe Inflation die Altersvorsorge ausbremst

Inflation frisst Vermögen auf. Altersvorsorge wird dadurch schwierig. Jaja, schon klar, wird halt alles teurer.…

Wie Dynamik die Inflation bei der Altersvorsorge ausgleichen kann

Vor einiger Zeit errechneten wir an dieser Stelle, wie Inflation in einer Altersvorsorge die Rendite…

Deutsche erwarten Inflation, zeigen sich bei ihren Anlagen aber kaum besorgt

Die Mehrheit der Deutschen (89 Prozent) erwartet im kommenden Halbjahr steigende Preise. Zwei Drittel glauben…

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

2 Antworten

  1. …….defensiv 3%, nach allen, auch Garantiekosten, ist fern jeder Realität!
    Auch nicht OFFENSIV, mit Fonds, oder in BAV.
    Solange man sich nicht um REALE Fakten bemüht, wird sich auch in Zukunft NICHTS ändern.
    Dann kommen die staatlichen Zusatzversorger,l die alles vieeeeel günstiger anbieten können.
    Versicherer zahlen allein 18,6% in die GRV. 50% der Neurenten 2020 unter € 800,00.
    Beamte bei doppelter Altersversorgung, Jahre früher und Jahre länger mit 3 BILLIONEN EURO Pensionsrückstellungsdefizit günstiger??? Hr. Prof. Raffelhüschen i Freiburg kontaktieren. Immer schön wegschauen und der Jugend neben der Umwelt und der Infrastruktur ein VOLLDESASTER überlassen. Vielleicht einfach mal die Chinesen kopieren, die Probleme gezielt zu LÖSEN versuchen…

    1. Sehr geehrter Herr Strassnig, vielen Dank für Ihren Kommentar. Es steht Ihnen selbstverständlich frei, mein Rechenmodell zu zerpflücken und Dinge zu bemängeln. Kein Modell ist perfekt, das ist mir bewusst. Es soll einfach einige Anhaltspunkte liefern. Natürlich kann es sein, dass die angenommenen 3 Prozent nicht gerade bei einer vorsichtigen Rentenversicherung mit Garantie herumkommen (Wobei in meinem Modell an keiner Stelle von Garantie die Rede ist, sondern nur von defensiver Geldanlage). Allerdings komme ich aus der Investmentecke und kann deshalb behaupten, dass dort 3 Prozent noch immer mit nur leichten Schwankungen ohne Probleme zu erzielen sind. Um nur einige Stichworte zu nennen: Dividendenrenditen, Hochzinsanleihen, Unternehmensanleihen, MBS. Wie schon gesagt: Sie müssen diese Meinung nicht teilen, vielleicht liefert Ihnen die Rechnung trotzdem den einen oder anderen nützlichen Eindruck. Das würde mich freuen. Beste Grüße, Andreas Harms.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia