Anleihe-ETFs mit Laufzeit

Wie iBond-ETFs funktionieren und warum sie längst überfällig sind

Gute iDee vom Branchenprimus: Blackrock nimmt das alte Konzept der Laufzeitfonds, gießt es in ETFs und nennt das Ergebnis iBond-ETF. Zweifellos eine prima Sache, die eine Lücke im ETF-Angebot schließt. Da wäre nur wieder der bei Anleihe-ETFs übliche Haken.
Blackrock-Eingang in New York: Der ETF-Branchenprimus bringt Laufzeitfonds als iBond-ETFs nach Deutschland
© picture alliance / ZUMAPRESS.com | Taidgh Barron
Blackrock-Eingang in New York: Der ETF-Branchenprimus bringt Laufzeitfonds als iBond-ETFs nach Deutschland

Eines muss man den Marketing-Strategen von Blackrock lassen: Sie haben es geschafft, in den Markenbegriff iBond-ETF gleich drei hippe Trends auf einmal zu packen. Respekt!

  1. Börsengehandelte Indexfonds mit dem Kürzel ETF sind derzeit bei Anlegerschützern und Anlegern schwer angesagt. Nicht zuletzt wegen ihrer enorm niedrigen Kosten.
  2. Mit dem Wort Bond kann zwar nicht jeder deutsche Anleger was anfangen. Doch klingt er ungleich cooler als die eher schnöde deutsche Übersetzung „Anleihe“.
  3. Ein vor den Bond-ETF zusätzlich vorgefügtes kleines i erhöht die Coolness noch einmal mehr. So richtig zum Strahlen brachte diesen iGlanz zwar erst Apple mit seinen iGeräten. Gleichwohl gehört das i schon seit 14 Jahren zu Blackrocks und davor zu Barclays‘ ETF-Marke: iShares.

Und wie der Fondsgigant mitteilt, gibt es auch die iBond-ETFs in seinem Heimatland USA schon seit 2010. Und jetzt kommen sie nach Deutschland. Los geht es mit zunächst vier Produkten in insgesamt sechs Varianten.

  • iShares iBonds Dec 2026 Term $ Corp Ucits ETF (ISIN, ausschütt: IE0007UPSEA3; wiederanlegend: IE000BWITBP9)
  • iShares iBonds Dec 2026 Term € Corp Ucits ETF (IE000SIZJ2B2)
  • iShares iBonds Dec 2028 Term $ Corp Ucits ETF (ausschütt: IE0000VITHT2; wiederanleg.: IE0000UJ3480)
  • iShares iBonds Dec 2028 Term € Corp Ucits ETF (IE000264WWY0)

Vergleichbare Konkurrenzprodukte sind laut Datenbank JustETF.com in Deutschland noch nicht auf dem Markt. Doch das ist definitiv nur eine Frage der Zeit, bis sich das ändert.

Denn was sind diese iBond-ETFs? Das Konzept selbst ist alt, richtig alt. Aber eben auch bewährt. Es beruht auf den schon in den Neunzigerjahren sehr beliebten Laufzeitfonds, deren Prinzip Blackrock einfach nur in ETFs gegossen hat.

Laufzeitfonds haben – im Gegensatz zu normalen Investmentfonds – eine feste Laufzeit. Werden sie fällig, bekommen Anleger ihren Anteil zurück. Das sind im Idealfall der eingezahlte Betrag plus Wertentwicklung.

Das Ganze läuft auf zwei Ebenen ab: dem Fonds selbst und den darin enthaltenen Anleihen. Die Fondsportfolios bestehen aus Papieren, die ungefähr zum Laufzeitende des Fonds auch selbst fällig werden. Man muss sich das dann als Mischmasch aus vielen Papieren von zahlreichen Schuldnern (Risikostreuung!) vorstellen. Jedes wirft zu einem ihm eigenen Termin Zinsen ab, die der Fonds sammelt und zu festen Zeitpunkten ausschüttet oder wiederanlegt. Und immer, wenn eine Anleihe fällig wird, zahlt der Schuldner Endbetrag und Zinsen zurück und das Geld landet erstmal im Fondsvermögen. Und läuft der Fonds selbst aus, wird für die Anleger abgerechnet.

Vorausgesetzt, dass alle enthaltenen Schuldner am Ende auch zahlen können, ergeben sich daraus einige dicke Vorteile:

  • Sobald ein Anleger eingestiegen ist, also gekauft hat, lässt sich dessen Rendite genau kalkulieren. Denn dann steht die Kursentwicklung jedes einzelnen Papiers fest (100 Prozent Rückzahlbetrag minus Kaufkurs), und die Zinsen sind bei normalen Anleihen sowieso per Kupon fixiert.
  • Wie bei einzelnen Anleihen auch schwankt der Kurs des gesamten Fonds weniger, je näher er dem Laufzeitende kommt.
  • Wie bei ETFs üblich kann man auch die iBond-ETFs während der Laufzeit an der Börse kaufen und verkaufen.
  • Im Gegensatz zu einzelnen Anleihen sind in einem Fonds viele Schuldner gebündelt. Das senkt die Verlustgefahr, falls doch mal einer krachen gehen sollte.

Um das einmal durchzudeklinieren, nehmen wir als Beispiel den iShares iBonds Dec 2026 Term Euro Corp (IE000SIZJ2B2). Der ist derzeit laut Anbieter rund 48 Millionen Euro schwer und besteht aus 339 Positionen. Die Zinsen aus den Kupons gibt es vierteljährig bar aufs Konto – der Zinseszinseffekt entfällt damit. Fällig wird der ETF Ende 2026, und die effektive Verzinsung bis dahin beträgt 3,97 Prozent vor Gebühren. Das ist durchaus ordentlich.

Im Idealfall brauchen Fondsmanager bei Laufzeitfonds nur das Startportfolio aufzustellen und anschließend nur noch zu überwachen. Ab und zu mal neu justieren, wenn sich bei Schuldnern was tut. Denn neues Geld kommt zusätzlich meist nicht mehr rein. Klassische Laufzeitfonds werden aufgelegt und dann für neue Anleger geschlossen.

Damit ist es nur schwer nachvollziehbar, warum solche Fonds mit Ausgabeaufschlag und laufenden Managementgebühren von bis zu einem Prozent pro Jahr oder sogar deutlich mehr daherkommen. Das geht alles von der Rendite ab.

Insofern ist es eine starke Ansage, dass Blackrock seine Neulinge mit Pauschalgebühren von 0,12 Prozent pro Jahr auf den Markt bringt. Das ist zurzeit unvergleichlich günstig. Es ist im Endeffekt dieselbe Kampfansage, mit denen die ETF-Branche mit ihren passiven Produkten die aktiven Fondsmanager seit Jahrzehnten schon unter Druck setzt. Nur gab es eben diese Lücke bei den Laufzeitfonds, die Blackrock jetzt schließt.

Niedrigzinsniveau verhinderte Laufzeitfonds

Aber warum erst jetzt, wo sie doch eigentlich längst überfällig sind? Die Antwort lautet: Niedrigzinsniveau. Die komplette Gruppe der Laufzeitfonds galt jahrelang als tot. Wer zum Beispiel im Jahr 2020 einen aufgelegt hätte, hätte damit nur Renditen knapp über dem Nullpunkt erreicht. Wenn überhaupt. Nach Gebühren wäre nichts davon übriggeblieben.

Allerdings gilt auch bei iBond-ETFs derselbe Nachteil wie bei allen ETFs. Und vor allem im Angesicht einer Rezession kann der kräftig ins Gewicht fallen: Niemand überwacht oder überprüft die Schuldner, denn sie bilden wie üblich lediglich Anleihe-Indizes nach (in diesem Fall von Bloomberg MSCI). Und diese Indizes sind nach Volumen aufgebaut – große Schuldner erhalten häufig auch hohes Gewicht im Index, wenn auch immerhin irgendwo gedeckelt (in diesem Fall bei 3 Prozent je Emittent). 36 Prozent des Fondsvermögen werden von Banken geschuldet. Banken, die es hoffentlich auch 2027 noch gibt.

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia