Assekurata-Studie

Zinszusatzreserve zeigt Wirkung

Die Zinszusatzreserve belastet die deutschen Versicherer zwar enorm, zeigt aber auch Wirkung, wie eine Untersuchung der Rating-Agentur Assekurata zeigt. Der Garantiezins, den die Anbieter in ihren Beständen nun effektiv bedienen müssen, ist im Schnitt auf 2,59 Prozent gesunken.
© dpa/picture alliance
Verantwortet die niedrigen Zinsen: EZB-Präsident Mario Draghi.

Seit nunmehr fünf Jahren müssen die deutschen Versicherer eine Zinszusatzreserve (ZZR) bilden. Sie hat inzwischen ein Volumen von gut 30 Milliarden Euro erreicht, berichtet die Rating-Agentur Assekurata. Und das Vehikel zeigt Wirkung. So haben die aufgebauten Zinszusatzreserven dazu geführt, dass die Lebensversicherer Ende 2015 effektiv noch ein Garantieniveau von durchschnittlich 2,59 Prozent in den Beständen bedienen müssen. Ohne Zinszusatzreserve läge die Garantiezinsanforderung mit 2,97 Prozent um 38 Basispunkte höher.

„Das zeigt, dass die Zinszusatzreserve ökonomisch wirkt und die bilanzielle Widerstandsfähigkeit der Anbieter messbar stärkt“, sagt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse der Assekurata. Gleichzeitig belaste die ZZR aber die zu verteilenden Rohüberschüsse und damit den finanziellen Spielraum für höhere Überschussbeteiligungen. So sank 2016 die laufende Verzinsung in der privaten Rentenversicherung um 30 Basispunkte auf 2,86 Prozent.

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ZZR-Bestand beläuft sich auf das Doppelte des Eigenkapitals

Insgesamt erreicht der Bestand der in der Zinszusatzreserve vorhandenen Mittel zum 31. Dezember 2015 rund 4 Prozent der bilanziellen Deckungsrückstellungen der Lebensversicherer. „Das resultiert in einem branchenweiten Gesamtvolumen von gut 30 Milliarden Euro“, so Heermann. Im Vergleich dazu lag das gesamte bilanzielle Eigenkapital der Lebensversicherer Ende 2015 bei schätzungsweise 15 Milliarden Euro.

Damit haben die deutschen Lebensversicherer in den vergangenen fünf Bilanzjahren bereits das Doppelte ihres bilanziellen Eigenkapitalbestands als zusätzliche Zinsvorsorge nachreserviert. Davon entfallen allein auf 2015 rund 10 Milliarden Euro, was in der Branche den bisherigen Höchstwert an jährlicher Reservezuführung darstellt.

„Bezogen auf die Nettoverzinsung mussten die Lebensversicherer für die Zinszusatzreserve im Jahr 2015 rechnerisch etwa 120 Basispunkte an Kapitalanlageertrag erwirtschaften, was in einem anhaltenden Niedrigzinsumfeld sehr herausfordernd ist“, sagt Heermann.

Reservebedarf steigt weiter

Und es ist noch lange nicht Schluss. Nehmen wir an, dass die Zinskonditionen bleiben wie sie sind. Dann würde der Referenzzins in diesem Jahr bei 2,58 Prozent liegen und damit die 2,75-Prozent-Marke unterschreiten. Die Versicherer müssten dann nicht nur Reserven für Verträge mit einem Rechnungszins von 4,00, 3,50, 3,25 und 3,00 Prozent aufbauen, sondern erstmals auch für Verträge mit einem Rechnungszins von 2,75 Prozent. Diese machen laut Assekurata rund 15 Prozent der gesamten konventionellen Deckungsrückstellung aus.

Nicht zuletzt aufgrund der pessimistischen Zinsperspektive im Euro-Raum bleibt der Nachreservierungsbedarf in Summe über alle betroffenen Tarifgenerationen hoch. Heermann: „Wir rechnen für 2016 mit einer weiteren Zuführung zur Zinszusatzreserve von etwa 12 Milliarden Euro.“

Etwas Erleichterung

Wie hoch die Zuführung branchenweit genau ausfallen wird, hängt auch davon ab, ob die Unternehmen bei der Berechnung der ZZR Storno- und Kapitalwahlwahrscheinlichkeiten ansetzen. Nicht alle Kunden halten ihren Vertrag bis zum Ende durch und viele rufen außerdem die Kapitalleistung ab. Das reduziert das Muss an Zinsvorsorge. Einige Studienteilnehmer haben diese Möglichkeit 2015 genutzt, berichtet Assekurata. Sie erreichen dabei in der Spitze eine Entlastung von bis zu einem Drittel gegenüber der Reservezuführung ohne Storno- und Kapitalwahlwahrscheinlichkeiten.

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