Alte-Leipziger-Chef Botermann über Eiopa, Digitalisierung und IDD

„So gehen wir da nicht ran“

Der Versicherer Alte Leipziger – Hallesche hat im vergangenen Jahr ordentliche Zahlen erwirtschaftet. Vor allem in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) und der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) liefen die Geschäfte gut. Gleichwohl sorgen einige Themen bei Konzernchef Walter Botermann für Verdruss – unter anderem: die Versicherungsaufsicht Eiopa, eine kritische Studie zur BU, Presseberichte, die über einen baldigen Job-Kahlschlag in der Versicherungsbranche orakeln sowie die IDD-Pläne der Bundesregierung.
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Walter Botermann, Konzernchef Alte Leipziger – Hallesche, erläutert die Bilanzkennzahlen 2016.

Der Versicherungskonzern Alte Leipziger – Hallesche hat im vergangenen Jahr Beitragseinnahmen von 4 Milliarden Euro verzeichnet – ein Plus von 1,4 Prozent im Vergleich zu 2015.

Der Lebensversicherer Alte Leipziger Leben konnte vor allem in der betrieblichen Altersversorgung zulegen: Die bAV-Sparte steuerte 30 Prozent zum Neugeschäft von 921 Millionen Euro bei, womit das Rekordniveau von 2015 (912 Millionen Euro) um ein Prozent übertroffen wurde. Die übrigen 70 Prozent kamen aus dem Privatkundengeschäft. Hier zeigten sich die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) mit einem Marktanteil von 7,5 Prozent und die private Rentenversicherung die wichtigsten Treiber im Neugeschäft, wie Konzernchef Walter Botermann am Donnerstag in Oberursel berichtete.

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Doch für Botermann geht es auf jeder Bilanzpressekonferenz eben nicht nur darum, die reinen – wenngleich sehr passablen – Unternehmenszahlen zu referieren, sondern vielmehr auch darum, das aktuelle Branchengeschehen kritisch zu kommentieren – und da gibt es einiges, was ihn stört.

Botermann kritisiert BU-Studie

So machte er keinen Hehl daraus, dass er sich über eine jüngst veröffentlichte Studie geärgert hat, die das Leistungsverhalten der BU-Versicherer scharf kritisiert (wir berichteten). Er halte diese Veröffentlichung für „völlig unwissenschaftlich“, sagte Botermann. Jedenfalls sprechen die Leistungskennzahlen der Alten Leipziger eine andere Sprache. „Vergangenes Jahr verzeichneten wir 2.000 Anträge auf Berufsunfähigkeitsversicherung – 90 Prozent der Fälle haben wir anerkannt, 10 Prozent abgelehnt. Von den 10 Prozent hat ein Viertel der Betroffenen geklagt. Wir haben ein Drittel der Prozesse gewonnen. Bei 50 Prozent haben wir uns verglichen, das heißt wir haben unter 20 Prozent der Prozesse verloren“, erklärte Botermann. Eine Anerkennungsquote von 100 Prozent sei unmöglich, so der Alte-Leipziger-Chef weiter, denn es gäbe immer Kunden, die nach den Versicherungsbedingungen nicht berufsunfähig seien.

Digitalisierung: Konzernchef warnt vor Überforderung der Mitarbeiter

Im Hinblick auf die Digitalisierung warnte Botermann davor, die Menschen zu überfordern und zu verunsichern. Presseberichte, wonach bis zu 50 Prozent der Jobs in der Versicherungsbranche infolge der Digitalisierung verloren gehen könnten, hält er für maßlos überzogen. „So gehen wir da nicht ran“, sagte Botermann. Die Branche solle nicht den Fehler der Banken begehen, die die Mitarbeiter aus den Filialen entfernt hätten. „Die Bankkunden erledigen ihre Bankgeschäfte heute an einem Automaten oder zu Hause vorm Monitor – überraschenderweise haben viele Banken ihre Kunden verloren.“

Dabei gelte für die Alte Leipziger, dass die Kunden gerade im Leistungsfall Betreuung benötigten, die personenintensiv sei. Statt eines umfassenden Personalumbaus setze der Konzern lieber auf die Weiterqualifizerung der Belegschaft sowie das altersbedingte Ausscheiden von Mitarbeitern.

Kritisch verfolgt Botermann zudem die geplante Umsetzung der Vertriebsrichtlinie IDD in Deutschland. Er habe nicht verstanden, so der Versicherungsmanager, warum hierzulande versucht werden sollte, über die europäischen Vorgaben hinauszugehen.

Vertriebsvorstand Kettnaker sorgt sich um IDD-Umsetzung

Auch Vertriebsvorstand Frank Kettnaker übte deutliche Kritik in Sachen IDD. „Ich verstehe nicht, dass man eine europäische Richtlinie schafft, um eine Standardisierung in der Regulierung zu erzielen, um dann mit einem extremen Eingriff in Deutschland, Makler zu benachteiligen.“ So sei es für ihn nicht nachvollziehbar, warum ein Makler, der im Privatkundengeschäft „im Lager des Kunden“ stehe, nicht in der Lage sein solle, einen Honorartarif anzubieten. „Ein österreichischer Makler darf für ein gesondertes Honorar einen Nettotarif anbieten, der deutsche Makler – etwa aus dem benachbarten bayerischen Raum – aber nicht. Das ist mir unerklärlich“, so Kettnaker. Dies sei bei einer standardisierten Versicherungsvermittlungsrichtlinie nicht einleuchtend, schimpfte der Vertriebsvorstand. „Man greift hier erheblich in die Maklerrechte ein – das halte ich absolut für nicht zielführend.“

Immerhin vermag Kettnaker in der Politik „eine Gesprächsbereitschaft über die deutsche Umsetzung der IDD-Inhalte“ zu erkennen. Man verstehe dort zunehmend die Gemengelage, gerade was den Eingriff in das Maklerrecht in Deutschland betreffe, so der Vorstand.

Eiopa in der Kritik

Für Befremden in der Führungsriege der Alte Leipziger – Hallesche sorgen zudem die neuen Vorschriften der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa. „Die Fummelei an den Regeln von Solvency II ist keine vertrauensbildende Maßnahme“, warnte Botermann. Er sei sich nicht sicher, ob die geplante Senkung des Langfristzinses überhaupt auf rechtlich sicherem Boden stehe. Er würde es daher begrüßen, wenn der Branchenverband GDV dagegen vorgehe.

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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