Wieder rauf aufs Rad

Rundum-Schutz für E-Bikes – worauf es bei der Versicherung ankommt

Händler können die riesige Nachfrage nach hochwertigen E-­Bikes kaum noch bedienen. Vom Dauerboom profitiert auch die Versicherungswirtschaft, denn modernste Technik will gut abgesichert sein. Worauf es dabei ankommt.
Reger Verkehr auf der Rad- und Gehwegbrücke Lille Langebro in Kopenhagen
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Reger Verkehr auf der Rad- und Gehwegbrücke Lille Langebro in Kopenhagen: Angesichts des E-Bike-Booms sind neue Verkehrskonzepte gefragt.

Der Triumphzug der E-Bikes scheint kein Ende zu nehmen. Wer dieser Tage ein Fahrrad kaufen möchte, guckt sich meist gezielt nach Modellen mit Akku-Antrieb um. „Gerade die Beliebtheit von E-Bikes (Pedelecs) legt seit Jahren dynamisch zu und hat inzwischen alle Modellgruppen erfasst. Schon heute wächst der Bestand jährlich um über eine Million Fahrzeuge“, teilte der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) mit. Allein in der ersten Jahreshälfte 2021 wurden 1,2 Millionen Modelle verkauft, was laut ZIV einem Plus von 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht – für das Gesamtjahr 2021 rechnet die Branche mit 1,9 Millionen verkauften Pedelecs.

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Um klarzustellen: Im Alltag werden die Bezeichnungen „E-Bike“ und „Pedelec“ oft synonym verwendet. Streng genommen gibt es aber einen wichtigen Unterschied: Pedelecs bieten nur dann eine Motorunterstützung, wenn zugleich in die Pedale getreten wird. Erfolgt die Pedalunterstützung dabei bis maximal 25 Kilometer pro Stunde, gelten Pedelecs als Fahrrad, sodass Käufer weder ein Versicherungskennzeichen noch eine Haftpflichtversicherung oder einen Helm benötigen. All dies wäre hingegen bei einem S-Pedelec sehr wohl erforderlich – hier unterstützt der Motor bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Bei reinen E-Bikes dient der Antrieb hingegen nicht der Tretunterstützung, sondern macht die Muskelkraft auf Knopfdruck komplett überflüssig. Sie gelten daher nicht mehr als Fahrräder, sondern als Kraftfahrzeuge.

Hingegen scheinen klassische Fahrräder ohne Elektroantrieb kaum noch Interessenten zu locken. Mit 1,55 Millionen wurden in Deutschland im ersten Halbjahr 2021 deutlich weniger Drahtesel alter Prägung verkauft als im Vorjahreszeitraum – der Absatz brach um satte 26 Prozent ein.

Eine neue Vertriebsgeschichte für Versicherer

Zur Freude der Versicherungswirtschaft ermöglicht der anhaltende Pedelec-Boom eine neue Vertriebsgeschichte – und damit gute Geschäfte. „Trotz des mittlerweile stark umworbenen Marktes haben wir besonders in der Fahrradsparte wieder starke Zuwächse verzeichnen können“, bilanziert Gerold Saathoff, Vertriebsvorstand der Ammerländer Versicherung, den Verlauf des ersten Halbjahres 2021. Gegenüber dem Vorjahr sei der Umsatz der Sparte noch einmal deutlich um knapp 83 Prozent gestiegen. „Seit ihrer Einführung im Jahr 2014 haben sich die Fahrradprodukte der Ammerländer Versicherung zur zweitstärksten Sparte entwickelt“, freut sich der Vorstand des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit mit Sitz in Westerstede.

Während Fahrräder lange Zeit als ein Gebrauchsgegenstand von vielen in der Hausratversicherung schlummerten, bevorzugen immer mehr Menschen den Abschluss einer separaten Fahrrad-Vollkaskoversicherung. Ähnlich wie eine Kfz-Vollkasko bietet solch ein Produkt einen Rundum-Schutz gegen die finanziellen Folgen von Schäden.

Doch auch hier gibt es wieder Unterschiede, je nach Modell, zu berücksichtigen: „Man kann generell sagen, dass die E-Bike- und Pedelec-Versicherung teurer ist als die Fahrradversicherung. Generell bieten aber beide Varianten Schutz bei Schäden durch Diebstahl, Vandalismus, Hinfallen und Stürze, Material- und Konstruktionsfehler sowie Verschleiß – die E-Bike- und Pedelec-Versicherung sichert Sie allerdings auch bei Elektronik- und Feuchtigkeitsschäden ab“, erklärt Athanasios Almbanis, Verkaufschef beim digitalen Sachmakler Covomo. „Zudem gibt es einen Pick-up-Service, der Sie im Schadenfall abholt und nach Hause oder in die nächste Werkstatt fährt. Dies lohnt sich vor allem bei E-Bikes und Pedelecs, welche in der Regel aufgrund der Elektromotoren, der Akkus und des verstärkten Rahmens deutlich schwerer sind als normale Fahrräder“, so Almbanis.

Seite 2: Wann lohnt sich eine gesonderte E-Bike-Police?

Und wann lohnt sich eine gesonderte Police? „Generell kann man sagen, dass sich vor allem eine Versicherung lohnt, je teurer das zu versichernde Rad ist. Vor allem E-Bikes, Pedelecs, Mountainbikes und Rennfahrräder sollten versichert werden“, sagt der Covomo-Manager. Die Technik sowie die belastbaren Teile der Hightech-Räder kosteten „unter Umständen ein Vermögen, welches Sie durch eine kleine Versicherungsprämie schützen können“.

„Mit Akku, Motor und Steuerungsgeräten ist hochwertige Technik am Rad verbaut. Eine Fahrradversicherung sollte daher auch für Feuchtigkeits- und Elektronikschäden an diesen Bauteilen aufkommen“, betont Timur Baykal, der als Zweiradmechanikermeister im Schadenservice der Ammerländer tätig ist.

Es lohne sich, darauf zu achten, denn die Kosten für einen neuen Akku könnten sich beispielsweise auf rund 800 Euro belaufen. Bei Schummerlicht und kurzen Tagen, wie zuletzt im Winter, achteten viele Radfahrende zudem verstärkt darauf, das eigene Fahrrad oder E-Bike vor Diebstahl zu sichern.

Die Frage des festen Gegenstands

Eine Versicherung sollte neben dem Verlust des gesamten Fahrrads auch den Diebstahl von Teilen, zum Beispiel Akku, Lenker, Sattel, beinhalten, meint Timur Baykal. Wichtig sei darüber hinaus, unter welchen Bedingungen die Fahrradpolice bei Diebstahl einspringt. So geben viele Verträge noch vor, dass das Rad an einem festen Gegenstand anzuschließen ist. „Das ist aber nicht besonders praktikabel, da im Alltag nicht immer ein Laternenpfahl oder ein Fahrradständer in der Nähe ist“, heißt es seitens der Ammerländer.

Das Abschließen mit einem Schloss sei ein Muss, aber das Anschließen an einen festen Gegenstand dürfe keine Bedingung für den Versicherungsschutz sein, so die Argumentation. Auch in puncto Fahrradschloss gebe es unterschiedliche Versicherungsbedingungen. Kunden sollten die Möglichkeit haben, das Schloss unabhängig von Marke und Kaufpreis zu wählen. In diesen Fällen sind dann Qualität und Sicherheitsstufe maßgeblich.

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

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