Das Thema Provisionen kommt auch auf den Tisch. Selbstverständlich. Schließlich sind sie das Thema, mit dem der Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) in den vergangenen Monaten für einige Schlagzeilen sorgte. Und mit dem er sich heftige Kritik einhandelte – insbesondere in den sozialen Medien. Somit ist es klar, dass die anwesende Presse auf der Konferenz in Hamburg gern ein paar Äußerungen dazu hätte.
Deren Grundton lautete: Ja, der BDVM hält an der Idee weiter fest, die Abschlussprovision von 40 bis 55 auf 25 Promille zu senken, dafür aber die laufende Bestandsvergütung zu erhöhen. Um welchen Betrag das geschehen soll, hat der Verband bislang noch nicht vorgeschlagen. Daran hängt aber eine Menge.
Insgesamt soll diese Umstellung Fehlanreize im Vertrieb beseitigen – Stichwort: provisionsgetriebene Abschlüsse. So sagt denn auch Marcus Wetzel, Geschäftsführer bei Martens & Prahl Pensionsmanagement: „Es würde der Branche guttun, wenn sie nicht so abschlussgetrieben wäre.“ Und BDVM-Präsident Thomas Billerbeck meint: „Wenn alle langfristig sauberes Geschäft machen, werden sie besser vergütet.“
Auf Nachfrage erklärte Billerbeck übrigens, dass ihn das Thema schon seit Jahren beschäftigt. Doch erst jetzt habe man es im Gremium diskutiert und in den Fokus gerückt.
Dann kommt der Einwand, was denn Jungmakler machen sollen, bei denen so ein Provisionsdeckel für erhebliche Startschwierigkeiten sorgen kann. „Man kann auch mit 25 Promille Abschlussgebühr ein Maklergeschäft aufbauen“, so Billerbeck. Man müsse die Kosten und das Geschäftsmodell anders aufbauen und am Anfang Verzicht üben. Dafür gebe es später mehr. Der BDVM könnte dabei mit einer Art Unternehmensberatung helfen.
Im Internet hatte der Vorschlag wie bereits erwähnt für zum Teil harte Kritik gesorgt. Als „Mist“ bezeichnet ihn beispielsweise der Makler Andreas Lohrenz, der auch die beiden Facebook-Gruppen „Versicherungsvermittler Deutschland“ und „Versicherungsmaklerforum Deutschland“ betreibt. Er weist in einem gepfefferten Kommentar darauf hin, dass Vermittler „weder beim aktuellen Provisionsmodell noch bei der Höhe überbezahlt“ würden. „Wer gerne einen anderen Weg der Vergütung und der Höhe möchte, darf in Deutschland ja gerne Vermittlung von Nettotarifen gegen Entgelt betreiben. Aber soll bitte die Finger vom Rest lassen“, schreibt Lohrenz unter anderem auf Linkedin.
Der Branchenspezialist Stephan von Heymann kommentiert ebenfalls auf Linkedin: „Das befeuert völlig unnötig die Provisionsdebatte. Die Abschlusskosten sind wohl wirklich nicht das Hauptproblem des Kunden, schließlich kostet gute Beratung auch Geld. Die Versicherer sollten mal ihre sonstige Kostenstruktur prüfen, dann könnte man sich die leidige Diskussion sparen.“
Dass es Gesprächsbedarf gibt, sieht auch Thomas Billerbeck, man könne gerne in der Sache intensiv diskutieren. „Aber wer keine angemessene und respektvolle Kommunikation hat, mit dem rede ich nicht“, so der BDVM-Präsident.
Doch das ist nur ein kleiner Teil des Pressegesprächs, das einige weitere bemerkenswerte Aspekte enthält. Zum Beispiel den Ruf nach einer Pflichtversicherung für Elementarschäden. Beim BDVM lehnt man die klar ab und mag stattdessen den Opt-out-Gedanken: Kunden kriegen sie grundsätzlich immer mit angeboten und müssen ausdrücklich widersprechen, wenn sie nicht wollen. Versicherbare, aber nicht versicherte Kunden sollten dann aber auch keine staatliche Hilfen bekommen.
Seite 2: „Ruppiger Markt bei Industrieversicherungen“
Und dann kommt ein weiterer interessanter Gedanke. Denn der Verband fordert auch, dass die Versicherungssteuer auf den Elementarschutz wegfällt. Schließlich verdient der Staat ja schon genug am (umsatzsteuerpflichtigen) Wiederaufbau nach Unwettern. Der wirtschaftliche Schaden wäre hingegen überschaubar, wenn man sich die noch geringe Verbreitung des Elementarschutzes anschaut. „Was nicht da ist, kann auch nicht wegfallen“, fasst Billerbeck das Ganze sehr schön zusammen.
Sehr zu denken gibt hingegen, was BDVM-Vize Thomas Haukje über Industrie- und Gewerbeversicherungen zu berichten hat. „Dort geht es weiter extrem ruppig zu. Die Industrieversicherer treiben ihre Wünsche massiv in die Kundschaft“, so Haukje. Ein Dreiklang macht der Branche schwer zu schaffen:
Während die Großen unter den Kosten für Rückversicherungen und unter Selbstbehalten litten, seien insbesondere mittelständische Versicherungen eingesprungen und hätten Lücken geschlossen und damit wirklich geholfen. Richtig gut gehe es hingegen Rückversicherern und deren Aktionären, so Haukje weiter. Die würden derzeit Rekordgewinne einfahren. Bei diesen Worten merkt man ihm einen gewissen Groll an.
Es ist wirklich kein schönes Bild, das Haukje da von der Industrie-Sachversicherung zeichnet. Der Fachkräftemangel, insbesondere bei Underwritern, sorgt dafür, dass alles länger dauert. Indem Versicherer Kapazitäten herunterfahren, reißen sie Löcher auf, die nur schwer zu stopfen sind (was aber immerhin bisher noch gut geklappt hat). Und manche – sogar politisch ausdrücklich gewollte – Branchen und Maßnahmen versichert die Branche gar nicht gern. Die BDVM-Leute nennen als Beispiele Lagerhallen für Autobatterien, Werke für Plastik-Recycling und Fabrikdächer mit Solaranlage. Dazu nur ein Stichwort: Brandgefahr.
Unterm Strich ist das alles ein weiterer Stein, der dem Mittelstand da in den Weg gelegt wird. Sollte also vielleicht der Staat einspringen (bei der Auto-Industrie erwägt er das ja immer mal wieder) und Versicherungskapazitäten bereitstellen? Die BDVM-Leute schütteln die Köpfe. Der zugeschaltete Thomas Olaynig sagt: „Wir sollten nicht den Staat rufen. Wir sind eine starke Industrie und innerhalb der Wirtschaft gefordert.“
Immerhin hat Haukje auch gute Nachrichten für die Wirtschaft. In der Gewerbehaftpflicht bekommen Versicherer wieder Lust und erweitern ihre Kapazitäten (außer für bestimmte Branchen, zum Beispiel Autos). In der Cyberversicherung bleiben die Schäden im Rahmen sorgen dafür, dass sogar „ein Hauch von Wettbewerb in der Luft“ liegt. Auch in der Transportversicherung bleiben die Prämien stabil und könnten künftig sogar sinken.
Auch diese Gedanken nehmen wir aus der Pressekonferenz einfach mal mit.
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