Pfefferminzia: Nachhaltige Geldanlagen erfreuen sich unter den Deutschen einer wachsenden Beliebtheit. Vor allem junge Leute zeigen großes Interesse am Thema „Green Investing“, wie eine aktuelle repräsentative Umfrage des Finanzdienstleisters J.P. Morgan Asset Management ergab. Ist diese nach und nach gedeihende grüne Grundhaltung bereits im Vertrieb der Stuttgarter angekommen?
Ralf Berndt: Wir können zwar noch nicht feststellen, dass diese Thematik flächendeckend bei den Vermittlern angekommen ist. Gleichwohl verzeichnen wir als Stuttgarter einen sehr großen Erfolg mit der GrüneRente, unserer nachhaltigen privaten und betrieblichen Altersvorsorge. Allerdings haben wir dort bisher mit spezialisierten Vermittlern zusammengearbeitet, die sich schon sehr lange und sehr frühzeitig auf jene Zielgruppe konzentriert haben, für die Nachhaltigkeit enorm wichtig ist. Aber das ist keine flächendeckende Entwicklung – das zeigt auch zum Beispiel eine Umfrage, wonach 90 Prozent der Vermittler erklärten, dass sie den EU-Aktionsplan zum Thema Nachhaltigkeit entweder nicht kennen oder sich damit noch nicht beschäftigt haben. Was wir aber merken, ist, dass sich das Thema Nachhaltigkeit bei den Vermittlern etabliert hat – das Interesse ist da.
Pfefferminzia: Wie sattelfest sind die Vermittler eigentlich schon, um eine anspruchsvolle „grüne Beratung“ gewährleisten zu können?
Berndt: Wir sind dabei, gemeinsam mit den Vermittlern dafür zu sorgen, dass das entsprechende Know-how in die Kundenberatung transportiert wird. Wir bieten beispielsweise schon viele Seminare zum Thema an und haben kürzlich gemeinsam mit der Deutschen Makler Akademie einen speziellen Lehrgang entwickelt, bei dem sich die Teilnehmer als „Experte für nachhaltige Versicherungen und Finanzen“ zertifizieren lassen können. Der Lehrgang wird demnächst starten und erfreut sich bereits einer sehr hohen Nachfrage. Da ist einiges in Bewegung.
Pfefferminzia: Immer wieder ist von Unmut zu hören, wenn es um die Kriterien geht, wonach sich eine „grüne Anlage“ eigentlich bemisst. Vieles sei bislang noch zu schwammig, so eine gängige Kritik. Ist die berechtigt – und wer müsste hier für die nötige Klarheit und Verbindlichkeit sorgen?
Guido Bader: Wir haben heute auf EU-Ebene die sogenannte EU-Taxonomie. Diese ist bereits verabschiedet, sie ist aber auch noch relativ allgemein gehalten. Das ist ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist, denn was „nachhaltig“ wirklich bedeutet, ist schwer zu definieren. Das wird noch viel Zeit beanspruchen. Nehmen Sie das Beispiel E-Mobilität: Inwieweit ist ein Elektrofahrzeug wirklich nachhaltig? Die Produktion von Batterien ist nicht unbedingt umweltfreundlich, und der nachhaltige Aspekt greift konkret erst ab einer gewissen Anzahl gefahrener Kilometer – und das auch nur dann, wenn der Nutzer den Strom auch nachhaltig bezieht, also Öko-Strom verwendet. Dieser Diskussionsprozess ist in vollem Gange. Umgekehrt gibt es aber auch einige Themen – und darauf baut unser Produkt auf –, die willentlich und explizit nachhaltig sind. Man spricht hier auch von Impact Investing. Für unsere GrüneRente wählen wir Kapitalanlagen, die über jeden Verdacht erhaben sind, beispielsweise erneuerbare Energien oder auch die Investition in Green Bonds oder die Finanzierung von Altenpflegeheimen.
Pfefferminzia: Wenn ein Kunde bei Ihnen die GrüneRente abschließt, kann der dann sicher sein, dass sein Beitrags-Euro direkt in einen grünen Fonds fließt? Oder landet erst mal alles bei Ihnen in einem riesigen Topf, sprich dem Deckungsstock? Kurzum: Wie kann man sich als Kunde den Ablauf des grünen Sparvorgangs vorstellen?
Berndt: Was wir nicht garantieren und auch nicht garantieren können, ist, dass der Euro, den Sie mir jetzt in die Hand drücken würden, dass ich genau diesen Euro nehme und für genau diesen Euro ein grünes Investment erwerbe. Wir garantieren den Kunden, dass wir in der gleichen Höhe, in der sie Sparkapital bei uns bilden, auch grüne Investments vornehmen. Das ist wie beim grünen Strom: Das Energieunternehmen garantiert, dass Kunden, die einen bestimmten Anteil grünen Strom bestellt haben, davon ausgehen können, dass der gleiche Anteil aus grünen Energiequellen, wie Wind-, Wasserkraft und Sonnenenergie, gewonnen wurde. Das ist genau das Modell, das wir unseren Kunden, gemünzt auf den Investmentbereich, anbieten.
Seite 2: „Viele Wahlmöglichkeiten im Anlagebereich“
Pfefferminzia: Das Deutsche Institut für Altersvorsorge, DIA, hat unlängst betont, dass die ESG-Kriterien nicht nur Umweltaspekte umfassen – also E wie Environment –, sondern eben auch die „Governance“, sprich ethisch korrektes Verhalten – dass zum Beispiel Kinderarbeit geächtet wird. Kann der Kunde bei Ihnen auch sagen, welchen der drei Buchstaben er bei der Anlage betont wissen will?
Bader: Wir veröffentlichen jedes Jahr für die GrüneRente einen Anlagebericht. Daraus geht hervor, dass wir den Kunden zusichern, dass gemäß unseren Vorgaben mindestens so viel Geld nachhaltig investiert ist, wie der Kunde an Sparbeitrag in den Deckungsstock einzahlt. Bei den Anteilen im Sicherungsvermögen kann der Kunde also keine Schwerpunkte wählen. Aber im Anlagebereich, in dem der Kunde selbst das Risiko trägt, hat er durchaus Wahlmöglichkeiten: Will er einen Spezialfonds, der vielleicht auf Wind- und Wasserkraft ausgelegt ist, oder will er vielleicht generell in einen ETF investieren, der einfach nur einen nachhaltigen Index abbildet? Also, da gibt es viele Freiheiten. Wir haben über zwanzig nachhaltige Fonds zur Auswahl, sodass der Kunde seine eigenen Schwerpunkte setzen kann. Beim Deckungsstock können und wollen wir aufgrund unseres Ansatzes natürlich nicht differenzieren. Da machen wir das übergeordnet.
Pfefferminzia: Wie viel von einem Euro, wenn man den teilen könnte, sind dann in der freien Anlage möglich?
Bader: Das kommt auf das Produkt und auf das Garantieniveau an. Wir bieten unser Hybridprodukt mit Garantieniveaus, die ja bei uns zwischen 0 und 80 Prozent frei wählbar sind, seit 1. Januar 2021 ohne Wertsicherungsfonds an, als neue Fondsrente performance+. Das heißt: Bei üblichen Laufzeiten von 30 bis 35 Jahren, die heute oftmals abgeschlossen werden, wird in den ersten Jahren vom Sparbeitrag jeder Cent in die freie Fondsanlage fließen. Wir haben mit performance+ ein Produkt mit einer wirklichen Betonung auf die Chancenkomponente geschaffen.
Pfefferminzia: Wo ordnen sich die Kunden tendenziell ein, wenn es um das Garantieniveau geht?
Berndt: Wenn wir unsere Neugeschäftsaufteilung zur Grundlage nehmen, dann sind in etwa 15 Prozent unserer Kunden beim voll chancenorientierten Produkt investiert, also bei der reinen Fondspolice. Der überwiegende Anteil entscheidet sich für Produkte, die bei einem Garantieniveau von etwa 70 Prozent liegen.
Bader: Die Verteilung hängt ein bisschen auch davon ab, wie spezialisiert der Makler auf die Fondspolice ist. Die kleineren und mittelgroßen Makler wählen gern noch die höheren Garantieniveaus, auf Fondspolicen spezialisierte Häuser vereinbaren eher geringere Garantien.

