Gedankenspiel

Löscht KI die Maklerpools aus?

Brauchen Makler dank künstlicher Intelligenz (KI) überhaupt noch Maklerpools? Diese Frage wurde Versicherungsfan und Pfefferminzia-Kolumnist Daniel Feyler jüngst gestellt. Hier erfahren Sie seine Antwort.
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Versicherungsfan und Insurtech-Investor Daniel Feyler.

Neulich stellten mir Analysten einer Investmentbank eine spannende Frage: „Herr Feyler, werden Pools und Verbünde nicht überflüssig, wenn Makler mehr und mehr KI einsetzen?“

Ich musste kurz überlegen. Über so etwas hatte ich noch nie nachgedacht. Meine Antwort war dann aber ziemlich klar. Künstliche Intelligenz (KI) wird Pools nicht ersetzen. Warum? Lasst uns diese Meinung einmal gemeinsam herleiten und dafür auf vier Kernkompetenzen der Maklerpools schauen.

  1. IT-Infrastruktur bereitstellen (wie Maklerverwaltungsprogramme und Vergleichsrechner)
  2. Daten und Dokumente bereitstellen
  3. Einkaufsgemeinschaft
  4. Fachlicher Service und Vertriebsunterstützung (wie Angebotserstellung oder Fachfragen)

Im nächsten Schritt schauen wir einmal, was Makler hier durch KI künftig ersetzen könnten und, wenn ja, ob das überhaupt Sinn ergeben würde.

#1 IT-Infrastruktur

Im Prinzip kann der Makler einige Teile eines MVPs mittels KI selbst bauen. Der Vorteil läge sicherlich darin, dass er das MVP maximal an seine eigenen Bedürfnisse anpassen kann. Die Nachteile: Die Konzeption wird sehr viel Arbeit machen. Gegebenenfalls muss er sich auch externe Hilfe für das Prompten einkaufen.

Beim Anbinden von Schnittstellen wird KI vermutlich erstmal an ihre Grenzen stoßen. Und dann muss die Infrastruktur ja auch dauerhaft im Markttempo weiterentwickelt werden; auftretende Fehler müssen laufend korrigiert werden. Das kostet ebenso dauerhaft Zeit und gegebenenfalls Geld. Wir dürfen nicht vergessen, dass Pools und Verbünde nicht stehenbleiben und pro Jahr Millionen in die Weiterentwicklung ihrer Infrastruktur investieren.

Für den Makler stellt sich hier also die Frage: Lohnt sich der zeitliche Aufwand für mich? Oder sollte ich mich lieber auf mein Kerngeschäft fokussieren? Und lohnt sich der finanzielle Aufwand, wenn ich diesen Service bei vielen Pools und Verbünden doch kostenfrei erhalte?

#2 Daten und Dokumente

Es gibt externe Dienstleister, die der Makler für die Abholung von Daten und Dokumenten beauftragen kann. Das müsste er im eigenen KI-Anwendungsfall auch tun. Diese kosten natürlich Geld. Der Pool liefert den Service hingegen ohne Zusatzkosten mit.

#3 Einkaufsgemeinschaft

Ein Punkt, an dem der KI-Hebel ein Ende findet. Eine der Kernaufgaben der Pools und Verbünde ist seit jeher, dem Makler Zugang zu Versicherern zu geben, zu denen er selbst keine Anbindung bekäme (beispielsweise, weil der Makler bei Versicherer A kein oder kaum Geschäft abwickelt oder zu Versicherer B nur Bestände übertragen will).

Eine andere Aufgabe der Einkaufsgemeinschaft ist es, dem Makler in vielen Fällen höhere Courtagen zu liefern, als er sie alleine erhalten würde.

Ein Leben ohne Pools und Verbünde würde also bedeuten, dass der Makler seine Anbindungen an Versicherer vollständig alleine unterhält. Der Einsatz von KI würde hier also sichere Umsatzverluste bedeuten, ohne dass an dieser Stelle irgendein Mehrwert entsteht.

#4 Fachlicher Service

Ich gehe davon aus, dass KI den Makler in einer Welt ohne Pools und Verbünde nicht nur bei der Beantwortung seiner Fachfragen, sondern auch bei der Erstellung von Angeboten unterstützen kann. Da das ein Service ist, den Pools und Verbünde ohne Zusatzkosten und in teils hoher Qualität mitliefern, stellt sich jedoch die Frage: Lohnt sich der zeitliche und finanzielle Aufwand an dieser Stelle?

Mein Fazit

Die Ablöse der Pools durch KI ist nicht realistisch. Wenige mögliche Vorteile stehen garantierten Umsatz- und Kostennachteilen gegenüber. Jene Pools, die ihre Plattformen und Prozesse im Griff haben, sollten hier nichts zu befürchten haben. Warum sollte ein Makler eine hochwertige, kostenfreie Dienstleistung durch eine kostenpflichtige Eigenlösung ersetzen?

Über den Autor

Daniel Feyler ist Versicherungsfan und Insurtech-Investor, außerdem Experte für Strategie, Digitalisierung und Vertrieb in der Versicherungsbranche.

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