Kommentar von Oliver Pradetto zur Makler-Petition

„Bärendienst für unseren Berufsstand“

Versicherungsmakler Frank Dietrich startet eine Petition, die den Verbraucherschutz bezogen auf die Beratung zu Versicherungen stärker regulieren soll. Erwartungsgemäß erhält er viel Applaus von Maklerkollegen. Ein Irrweg, wie Blau-Direkt-Chef Oliver Pradetto in seinem Kommentar meint.
© Florian Sonntag
Oliver Pradetto: Der Blau-Direkt-Chef hält die Petition zu Verbesserung des Verbraucherschutzes nicht für sinnvoll.

In den Verbraucherschutzzentralen sitzen „Berater“, die den Kunden Orientierung zum Thema Versicherungen geben sollen. Gerade in den kleineren Verbraucherschutzbüros leisten die gleichen Berater dann oft genug auch noch Hilfe zu Mietverträgen, Finanzierungen, Kontenführung, Autokauf, Handwerk.

Da stellt sich zu Recht die Frage, ob ein derart breit aufgestellter Berater auch nur annährend eine ausreichende Qualifikation haben kann, um wirklich fachlich fundiert beraten zu können. Auf dieser Grundlage ärgert es mächtig, wenn Verbraucherschützer unseren Berufsstand so pauschal und destruktiv aburteilen wie dies gerade in jüngster Vergangenheit immer wieder geschieht.

Ich verstehe das gut. Und ja: Die Verbraucherzentralen stellen sich mit Honorarberatungsansätzen in die direkte wirtschaftliche Konkurrenz zu unserem Berufsstand, obwohl sie vom Staat großzügig subventioniert werden.

Fragwürdiger Wettbewerb

Das ist unter Wettbewerbsgesichtspunkten mehr als fragwürdig. Im Gegensatz zu uns Maklern werden Verbraucherschützer dabei keinerlei Haftung oder Dokumentation unterworfen. Gerade diese gesetzgeberischen Eingriffe sollten den Verbraucher in der Versicherungsberatung schützen, da erscheint es absurd, dass dem Kunden diese als unverzichtbar geltenden Schutzmaßnahmen ausgerechnet beim Verbraucherschutz vorenthalten werden.

Ich verstehe Frank Dietrich also sehr gut, dass er hier Änderungen fordert. Naturgemäß erhält er aus der Maklerzunft breiten Applaus. Dennoch halte ich die Petition für verfehlt.

Verbraucherschützer wollen – ich denke daran kann es keinen vernünftigen Zweifel geben – das Beste für unsere Kunden. Damit unterscheidet sich das Ziel der Verbraucherschützer nicht von den Zielen unseres Berufsstands. Das heißt: Eigentlich müssten wir Verbraucherschützer naturgemäß als unsere Verbündeten sehen und mit Verbündeten geht man nicht ohne Not öffentlich derart hart ins Gericht.

Überhaupt:

Brauchen wir wirklich einen weiteren Nebenkriegsschauplatz, indem wir ein Scharmützel mit Verbraucherschützern beginnen? Was können wir da gewinnen? Wenn wir uns öffentlich gegen diejenigen wenden, die für unsere Kunden das Beste wollen, wird dies immer so aussehen als ob wir ein Problem damit haben, wenn Kundeninteressen geschützt werden. Unser Selbstverständnis als „Mandatsträger im Auftrag des Kunden“ unterstützt kleinkarierte Kritik an anderen Interessenvertretern unserer Kunden mit Sicherheit nicht.

Geschickte Kritik vor dem LVRG 2?

Strategisch betrachtet erscheint mir die Aktion auch nicht sehr geschickt zu sein. Der Verbraucherschutz wird staatlich organisiert und finanziert. Der durch die Politik vertretene Staat wird daher kaum Gehör für unsere Kritik haben. Wir kritisieren mit der Petition schließlich auch diejenigen, von denen Dietrich und seine Mitstreiter einen regulativen Eingriff erwarten. Ist es hilfreich, die Politik zu kritisieren, gut ein halbes Jahr bevor die gleichen Politiker mit LVRG 2 darüber entscheiden, wieviel Abschlussprovisionen wir künftig noch erhalten dürfen?

Man mag über meine Einwendungen sicher geteilter Meinung sein, über eines aber sicher nicht: Es gibt Punkte, die der Verbraucherschutz an unserem Berufsstand zu recht kritisiert. Sollten wir nicht die Souveränität haben dies anzuerkennen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen?

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