Pfefferminzia: Wofür steht Omni:us?
Martin Micko: Das lateinische „omni“ bedeutet „jeder“, „alles”, „ ganz”. Es steht für unsere Fähigkeit, mit Hilfe der künstlichen Intelligenz jede Form von Dokument verstehen zu können. Das englische „us“ im Namen symbolisiert „uns“ als Team, als Partner unserer Kunden. Darüber hinaus steht es aber auch für „uns alle“. Wir sind fest davon überzeugt, dass KI in der Zukunft unser aller Leben durchdringen wird.
Wer steckt hinter Ihrem Unternehmen?
Wir sind fünf Gründer. Außer mir gehören Sofie Quidenus-Wahlforss, Eric Pfarl, Stephan Dorfmeister und Harald Gölles dazu. Wir sind ein internationales Team von rund 55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, inklusive unserer Entwickler mit Expertise in der KI-Forschung, aber auch Data-Scientists sowie die operativen Einheiten.
Warum haben Sie sich auf diese Branche konzentriert?
Beim Start von omni:us wollten wir zunächst herausfinden, in welcher Branche es den größten Bedarf für unsere Technologie gibt beziehungsweise, wo sie den größten Nutzen bringt. Unsere Analysen brachten hervor, dass die Versicherungsbranche noch ganz am Anfang der Digitalisierung steht.
Wie meinen Sie das?
Betrachten wir einmal das Schadenmanagement. Dort haben die Versicherer tagtäglich mit einer Flut unterschiedlicher Dokumente zu tun. Diese zu erfassen und auszuwerten, ist heute noch ein sehr aufwändiger, zeitintensiver und damit teurer Prozess. Unsere Technologie setzt dort an.
Und wie?
Unsere KI ist in der Lage, verschiedene Dokumentenarten – ganz gleich ob ein Foto, das PDF eines Scans, sonstige Formulare oder handschriftliche Notizen – maschinell zu erkennen, und direkt weiterzuverarbeiten. Dafür nutzen wir selbstlernende Algorithmen, die eigens auf die Anforderungen der Versicherungsbranche zugeschnitten sind. Damit wird es beispielsweise möglich, eine abfotografierte Versicherungspolice oder einen handgeschriebenen Unfallbericht digital lesbar zu machen. So kann das System direkt mit den extrahierten Daten arbeiten, ohne dass sie aufwändig von Hand übertragen werden müssen. Die Technologie basiert auf Machine Learning sowie Deep Learning aus den Bereichen Computer Vision und Natural Language Processing, die wir als einziger KI-Anbieter in der Versicherungsbranche kombiniert einsetzen und dadurch sehr gute Ergebnisse erzielen.
Wie genau funktioniert Ihr Angebot?
Durch verschiedene Schnittstellen (APIs) ist unsere Technologie in bestehende Systeme integrierbar und kann innerhalb von zwei Wochen arbeiten, je nach Menge der zur Verfügung gestellten Daten. Außerdem erstellen wir für unsere Kunden eine individuelle KI-Roadmap als Zukunfts-Fahrplan für die interne Organisation.
Ihr vorheriges Unternehmen hatte den Firmensitz in Wien. Warum haben Sie sich nun von Österreich verabschiedet und sich für Berlin entschieden?
Um ein Unternehmen wie unseres zum Erfolg zu führen, gibt es derzeit in Europa nur drei Orte: Berlin stand für uns dabei von Anfang an ganz oben. Drei Aspekte sprechen für die Stadt: Erstens ist es vergleichsweise einfach, internationale Mitarbeiter nach Berlin zu holen. Gerade bei der Entwicklung von Spitzentechnologie ist das ein wesentlicher Punkt. Zweitens war für uns in der Anfangszeit, als wir selbst noch ein Start-up waren, das Netzwerken mit anderen jungen Unternehmen wichtig. Wir selbst haben viel dadurch gelernt, den Blick auch nach außen zu richten. Drittens verfügt Berlin über ein internationales Netzwerk an Investoren sowie ein gutes Regelwerk für Investitionen in junge Unternehmen.
Wo liegt der Mehrwert für den Makler?
Der Mehrwert ist zunächst ganz klar die Zeit- und Arbeitsersparnis. Makler bieten ihren Kunden einen umfänglichen Service. Das heißt, sie übernehmen nicht nur die Vertragsabschlüsse, sondern regeln zum Beispiel auch die Schadenabwicklung für ihre Kunden. Das ist ihr großer Mehrwert gegenüber Vergleichsportalen. Der Aufwand in der Kundenverwaltung steht heute allerdings häufig in keinem Verhältnis mehr zu den Provisionen, die Makler erhalten. Mithilfe unserer KI wird es möglich, zahlreiche arbeitsintensive Prozesse zu automatisieren, indem die Anfragen der Kunden automatisch erfasst, ausgewertet und in übersichtlicher Form für den Makler aufbereitet werden. Arbeitsaufwand und Ertrag kommen so wieder in ein gesundes Gleichgewicht.
Soll die persönliche Beratung ersetzt werden?
Im Gegenteil: Indem Makler von zeitraubenden Prozessen befreit werden, gewinnen sie mehr Zeit, sich ihren Kunden zu widmen und sie vertrauensvoll und persönlich zu beraten – eine Aufgabe, bei der der Mensch Maschinen noch sehr lange Zeit überlegen sein wird.
Wie erwarten Sie die weitere Entwicklung im Bereich KI?
KI wird ähnlich große Veränderungen mit sich bringen, wie der Buchdruck oder die Dampfmaschine. Denken Sie nur an Dinge wie das autonome Fahren oder die Sprachsteuerung. Maschinen, die Fragen beantworten und Gespräche führen können, waren vor ein paar Jahren noch Science-Fiction. Dank KI stehen sie heute bereits in vielen Haushalten. Aber auch unseren Umgang mit Daten wird diese Technologie noch einmal revolutionieren. Big Data ist heute schon Realität, aber erst durch KI wird es möglich, aus diesen Daten relevantes Wissen zu machen.
Und welche Auswirkungen sehen Sie für den Versicherungsbereich?
Für Versicherungen wird das eine Rückkehr zu den Wurzeln bedeuten. Denn „versichern“ basiert seit jeher auf der Abwägung von Chancen und Risiken auf Grundlage bekannter Daten. KI bietet dafür völlig neue Möglichkeiten, Daten zugänglich zu machen und zu verwerten. In den Versicherungsdokumenten stecken erheblich mehr Informationen über Kunden, ihre Lebensumstände und ihre Bedürfnisse, als heute wirtschaftlich aus ihnen herausgeholt werden kann. KI ändert das. Mit ihr können Versicherungsunternehmen ihre Prozesse datengetrieben aufstellen und auf die sich verändernde Erwartungshaltung der Kunden reagieren. Gerade die jüngere Generation ist nicht mehr bereit, wochenlang auf eine Antwort ihrer Versicherung zu warten und seitenlange unverständliche Dokumente auszudrucken. Und: Sie möchten am liebsten digital kommunizieren. Der Wandel wird also nötig sein, denn Insurtechs und internationale Tech-Unternehmen geben den Takt heute schon vor und wie schnell die Disruption scheinbar gesunder Geschäftsmodelle gehen kann, haben wir in den letzten Jahren – Beispiel Amazon – immer wieder erleben können.
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