Gewerberechner

„Die Branche soll in neue Technologien investieren“

Wie sichert der Einsatz von Gewerberechnern Makler bei der Vermittlung von zeitgemäßem Versicherungsschutz ab? Ralf Dietrich, Leiter Makler Entwicklung Service Komposit der Gothaer, über die Hintergründe.
© Gothaer
Ralf Dietrich ist Leiter Makler Entwicklung Service Komposit bei der Gothaer.

Pfefferminzia: Ist eine nachhaltige Beratung im Bereich der Gewerbekunden heute noch zielführend, ohne einen Gewerberechner zu benutzen?

Ralf Dietrich: Das ist möglich. Trotz Digitalisierung zwingen wir keinen Makler dazu, ein Tool zu benutzen. Wer uns eine Anfrage per E-Mail schickt, erhält diese natürlich auch weiterhin beantwortet. Wir möchten die Makler aber sukzessive überzeugen, dass es mit neuen Technologien effektiver und schneller geht. Auf einer Roadshow haben wir kürzlich in fünf Regionen unseren neuen Gewerberechner vorgestellt. Die Makler verstehen durchaus, dass sie sich verändern müssen und dass es für sie vorteilhaft ist, wenn die Branche in diesen Fortschritt investiert.

Welche Vorteile sieht der Makler?

Die Zeitersparnis in der Prozessabwicklung ist enorm. Wenn der Makler etwa für einen Dachdecker eine Betriebshaftpflicht durchrechnet, eine Jahresprämie von 2.000 Euro eruiert und der Kunde zustimmt, dann kann der Makler auf einen Knopf drücken und zwei Tage später ist die Police da. Wir sprechen hier über eine komplette Dunkelverarbeitung des Geschäfts, da muss niemand mehr einen Antrag eingeben. Das ist ein Wettbewerbsvorteil für den Makler. Auch der Kunde merkt dann, dass für ihn alles schneller geht. Wir haben das gewerbliche Geschäft vom gesamten Arbeitsablauf her – vertrieblich und betrieblich – einfacher und standardisierter gestaltet.

Welche Besonderheiten bietet der Rechner der Gothaer?

Das gesamte Projekt heißt „Go smart“ und ist auf fünf Jahre angelegt. Die erste Stufe unseres Tarifrechners startete am 13. Juni dieses Jahres, zunächst mit den Betriebsarten und versicherbaren Tätigkeiten für den Einzelhandel, Freiberufler, Gastronomie und das Bauhandwerk. Die zweite Stufe startet im Oktober 2018 und wird die produzierenden Betriebe abbilden. Hier besteht größerer Beratungsbedarf gerade bei den Haftungsrisiken, etwa bei der erweiterten Produkthaftpflicht oder der Rückrufkostendeckung. Damit erreichen wir dann eine Deckungsquote der gewerblichen Risiken im deutschen Markt von bis zu 98 Prozent.

Inwieweit sind die Versicherungssummen dabei begrenzt?

Wir haben bei der Inhaltsversicherung zunächst eine Summengrenze von 250.000 Euro und konzentrieren uns damit auf die kleineren Betriebe. Mit der Ausbaustufe erhöhen wir dann auf bis zu 5 Millionen im Inhaltsbereich und auf bis zu 10 Millionen Euro bei der Gebäudeversicherung. Im Umsatz sind wir heute bei 2 Millionen limitiert. Ab Oktober 2018 können wir dann auch Betriebe bis 10 Millionen Euro über den Gewerberechner bedienen. Alles, was darüber hinausgeht, ist bei uns ein Industriethema und wird individuell im Underwriting behandelt.

Das setzt voraus, dass Makler innerhalb Ihrer Produktwelt nach einer Lösung für Gewerbekunden suchen. Wie kommen sie zu Ihnen?

Die Gothaer arbeitet nicht nur mit Einzelmaklern, sondern auch mit Pools, Vertrieben und größeren überregionalen Maklern zusammen. Dort spielen Vergleichsprogramme eine große Rolle. Pools bedienen Tarifrechner eines Versicherers nicht automatisch, sie erwarten, dass die Tarife in ihre Vergleichssoftware – etwa Softfair oder Gewerbeversicherung24 – integriert werden. Wir haben das berücksichtigt. Diese Integration geschieht über Webservices und die Bipro-Norm. Der Vergleicher speist dann ständig aktuelle Daten, Preise und Deckungsinhalte ein.

Wie wird der Gewerberechner konkret bedient?

Sie wählen zunächst in einer Maske die Tätigkeiten des zu versichernden Gewerbekunden aus. Nach einer Authentifizierung wird dem Makler dann das komplette Produktangebot präsentiert und er wählt dann aus, möchte er etwa nur die Betriebshaftpflicht abschließen? Dann steigt er in das gewählte Produkt ein, beantwortet einige Risikofragen und erhält den Preis. Das System ist modular aufgebaut und erlaubt es, verschiedene Bausteine der Gewerbeversicherung zu kombinieren. Wir schnüren hier keine standardisierten vorkonfektionierten Pakete, sondern der Makler muss aktiv auswählen und entscheiden.

Aber Risikofragen sind oft umfangreich und kosten Zeit für Rückfragen beim Kunden?

Wir haben uns hier in der Gestaltung stark konzentriert und fragen bedienerfreundlich nur noch, was zwingend erforderlich ist. Erfahrene Makler wissen auch, welche Fragen sie beim Kunden stellen müssen. Zurück im Büro bedienen sie den Tarifrechner und generieren das Angebot. Die Beratungsfrequenz im Gewerbebereich ist nicht immer hoch, viele Betriebe haben daher veralteten Versicherungsschutz und laufen Gefahr bei einem Schaden eine Ablehnung zu erhalten. Mit dem Gewerberechner gehen Makler daher sicher, stets einen modernen Versicherungsschutz zu vermitteln.

Autor

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Pfefferminzia und andere Versicherungs- und Kapitalanlage-Medien.

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