„Dagegen wehren wir uns“

BVK-Präsident Heinz kritisiert Medienbericht über Vermittlerausbildung

Schon die deftige Schlagzeile sorgte in Vermittlerkreisen für Empörung: „Vorsicht, Versicherungsvertreter!“ überschrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) ihre vermeintliche Zustandsbeschreibung der Vermittleraus- und weiterbildung in Deutschland. BVK-Präsident Michael H. Heinz hat der Zeitung jetzt in einem offenen Leserbrief in vielen Punkten widersprochen und räumt darin mit gängigen Vorurteilen über den Berufsstand auf.
© BVK
BVK-Präsident Michael H. Heinz ist mit der Berichterstattung der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Sachen Vermittlerausbildung nicht einverstanden.

Sehr geehrter Herr Klemm, sehr geehrte Damen und Herren,

in Ihrem Beitrag „Vorsicht, Versicherungsvertreter“ in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) vom 19. November kritisieren Sie die mangelnde fachliche Ausbildung des Berufsstands der Versicherungsvermittler (Pfefferminzia berichtete). Sie bemängeln ferner, dass die Ausbildung zum Versicherungsfachangestellten Quereinsteigern schon nach 230 Unterrichtsstunden die Berufsausübung ermöglicht und die Prüfungen vor den IHK-Prüfungsausschüssen vornehmlich Personal- und Sozialkompetenz abfragen, aber nicht Fachwissen.

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Auf Ihre Polemik, dass Versicherungsvermittler „Verkaufsmaschinen“ seien, die nur auf ihre Provisionen aus sind, möchten wir nicht eingehen. Wir behandeln sie als Stilblüten, die dieser renommierten und von uns geschätzten Zeitung nicht gut anstehen.

Dagegen freut uns, dass Sie unsere Initiativen zum Ehrbaren Kaufmann und der Weiterbildungsinitiative „gut beraten“ zitieren und als Beleg dafür anführen, dass sich die Vermittlerbranche und der BVK darum bemühen, die Qualifikation des Berufsstands zu heben.

Leider verfallen Sie jedoch kurz danach wieder in wohlfeile Reflexe von Provisionsgier der Vermittler und empfehlen unter Zitierung von IHK-Vertretern die Honorarberatung als seligmachende Option für Verbraucher.

Wir möchten jedoch darauf hinweisen, dass der BVK schon vor über fünf Jahren ein Berufsbild für alle Vermittler entwickelt hat, das für die Vermittlerschaft zukunftsweisend ist.

Es besteht aus einem Grundverständnis des Vermittlers, welches mit drei untrennbar verbundenen Komponenten korrespondiert, die für alle Vermittler unabhängig ihrer Rechtsform, ihrem Status und der Art ihrer Vergütung gelten: Erstens dem unbedingten und nachprüfbaren Bekenntnis zu den Tugenden der Ehrbaren Versicherungskaufleute, wie sie der vom BVK initiierte gleichnamige Verein verkörpert, zweitens dem Nachweis einer Qualifizierung, wie sie in den Weiterbildungsverpflichtungen der vom BVK mitgegründeten Brancheninitiative „gut beraten“ vorgesehen ist und drittens in dem Selbstverständnis der Vermittler als selbstbewusste und eigenverantwortlich handelnde Unternehmer im Sinne ihrer Kunden.

Es bildet eine identitätsstiftende Klammer für alle Vermittler in Deutschland und soll sie auf eine qualitativ hohe Beratung und zukunftsorientierte Kundenbeziehung orientieren.

Unsere Mitglieder sind deshalb primär den Interessen ihrer Kunden verpflichtet und verstehen das ihnen entgegengebrachte Vertrauen als Grundlage und Motivation ihres Handelns. Daraus resultiert auch ein Auftrag zur ständigen Weiterqualifizierung und Erweiterung der eigenen Kompetenzen, weil sich Versicherungsvermittler, die sich als ehrbare Kaufmänner und -frauen verstehen, nicht mit einmal erzielten Standards begnügen, sondern diese in einem selbstkritischen Prozess der Markt- und Produktentwicklung anpassen.

Dies lässt sich eindrucksvoll an der bisherigen Bilanz der unter anderem von uns initiierten Weiterbildungsinitiative „gut beraten“ ablesen, an der immerhin mehr als die Hälfte der registrierten Versicherungsvermittler (rund 130.000) teilnehmen.

Wir sehen uns daher in diesem Bestreben bestärkt, das Image der Vermittler und die Qualität der Vermittlerberatung nachhaltig zu heben, nicht zuletzt auch durch die Jahresberichte des Versicherungsombudsmann. Diese weisen Jahr für Jahr äußerst geringe Beschwerdequoten über Versicherungsvermittler auf.

Leider fokussieren Sie Ihre Kritik an den IHK-Prüfungen zum Versicherungsfachmann /-frau darauf, dass diese angeblich nur die Gesprächsführung testen. Doch das ist mitnichten der Fall. Schließlich ist diese nur ein Punkt unter anderen. Kundenorientierung und Ermittlung des Versicherungsbedarfs sind weitere, die abgeprüft werden.

Bedenkt man all dieser Aspekte, so gewinnen wir den Eindruck, dass Sie unseren Berufsstand einzig diskreditieren wollen. Dagegen wehren wir uns. Denn bedenken Sie: Ohne unsere Arbeit hätten schließlich Millionen von Baufinanzierungen nicht stattgefunden, wären hunderttausende von Finanzierungen im klein- und mittelständischen Bereich nicht durchgeführt worden und hätten letztlich Millionen nicht die Altersvorsorge, die sie heute zur wohlhabendsten Rentnergeneration aller Zeiten in Deutschland machen.

Bei diesen Themen auf die nur sehr dünn verbreitete Honorarberatung zu setzen, die von Kunden bisher nicht angenommen wird und zudem das Qualifizierungs- und Beratungsproblem nicht löst, halten wir aus unserer sozialpolitischen Verantwortung heraus für gänzlich verfehlt, wenn nicht gar für unverantwortlich. Das hat auch die Politik bei der Umsetzung der EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD erkannt, indem sie die Provision und Courtage als Leitvergütung manifestierte. Oder sollten wir annehmen, dass die Übernahme des Honorarberatungskongresses durch den FAZ-Verlag der tiefere Grund ist, die Honorarberatung für dieses Land schönzuschreiben?

Mit freundlichen Grüßen

Michael H. Heinz

Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK)

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