Bereits im Januar dieses Jahres hat die US-Notenbank Fed angekündigt, zum ersten Mal seit 2018 die Leitzinsen zu erhöhen – mit weltweiten Auswirkungen. Am 16. März reagierte sie nun auf die hohe Inflation und erhöhte den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte. Geplant sind insgesamt vier Erhöhungen im Jahr 2022 um je einen viertel Prozentpunkt. Aktuell wird vermutet, dass sogar eine Erhöhung um einem halben Punkt nach dem Ende des Ukraine-Krieges möglich wäre. Eine solche katapultartige Erhöhung hat es seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gegeben.
Noch liegt der Leitzins der Europäische Zentralbank (EZB) im Euroraum bei 0 Prozent. Doch auch die EZB befürchtet eine deutlich höhere Inflation als bisher angenommen und behält sich eine Zinserhöhung vor. Aktuell werden bereits die Anleihekäufe schneller zurückgefahren als geplant, eine Zinserhöhung könnte dann im dritten Quartal 2022 erfolgen.
Insgesamt ist also damit zu rechnen, dass auch die Bauzinsen weiter steigen werden – in den vergangenen vier Monaten gab es bereits eine Steigerung um fast die Hälfte. Sichere Prognosen sind dabei nicht oder nur für verhältnismäßig kurze Zeiträume möglich. Bei der Beratung von Immobilienkunden sollten Sie daher die folgenden Punkte beachten.
Sich selbst jederzeit gut zu informieren und up to date zu sein ist der Schlüssel für ein gutes Beratungsgespräch, in der jetzigen Situation mehr denn je. Dabei sollte man sich nicht nur über die tagesaktuellen politischen und weltwirtschaftlichen Ereignisse, sondern auch über mittel- und langfristige Entwicklungen wie die jeweils geplanten Leitzinserhöhungen der Fed und gegebenenfalls auch der EZB auf dem Laufenden halten. Auch die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe ist ein guter Marker für mögliche Zinserhöhungen.
Je nach Entwicklung der Lage ist es sinnvoll, auf Faktoren wie ein hohes Eigenkapital, kürzere bereitstellungszinsfreie Zeit oder den Verzicht auf Sondertilgungsoptionen hinzuweisen. Bei höheren Baufinanzierungszinsen ist eventuell auch eine kürzere Sollzinsbindung ratsam. Informieren Sie sich über die aktuellen Entwicklungen und passen Sie Ihre Beratung den jeweiligen Voraussetzungen nach an.
Timing ist in der aktuellen Situation das A und O. Informieren Sie Ihre Kunden über bevorstehende Zinserhöhungen und raten Sie ihren Kunden die benötigten Unterlagen zur Finanzierungszusage zeitnah vorzulegen. Sprechen Sie mit der zu finanzierenden Bank, ob Zinserhöhungen in den kommenden Tagen bereits bekannt sind.
Im Februar sind sowohl der Direkt- als auch der Tilgungszuschuss für Wohngebäude von Seiten der KfW bis auf weiteres eingestellt worden. Ob und wie es damit weitergehen wird, ist im Moment noch unklar. Zudem hat auch die KfW ihre Zinsen in diesem Jahr bereits fünfmal erhöht. Informieren Sie sich auch hier tagesaktuell über neue Entwicklungen – seit dem 22. Februar 2022 wird beispielsweise energieeffizientes Sanieren wieder bezuschusst.
Auch die aktuell noch bestehenden Förderungen wie etwa für Photovoltaik oder das Wohneigentumsprogramm können für Ihre Kunden interessant sein. Informieren Sie sich auch darüber, ob es weitere infrage kommende Förderbanken wie beispielsweise die Investitionsbank in Schleswig-Holstein gibt. Diese bietet nicht nur zusätzliche Förderdarlehen an, sondern ist eine der wenigen Banken, die im Grundbuch in den zweiten Rang geht. Dadurch verringert der Kunde seinen Beleihungsauslauf und erhält einen attraktiveren Zinssatz im Hauptdarlehen.
Zusammengefasst lässt sich sagen: Behalten Sie den Überblick. So können Sie Ihre Kunden bestmöglich sowohl über aktuelle Zinssätze, Zahlen und Fakten als auch über mögliche weitere Entwicklungen informieren und sicher beraten. Denn: Die Nachfrage nach Baufinanzierungen wird auch in Zukunft vermutlich nicht nachlassen.
André Empen ist Geschäftsführer und Finanzierungsmakler des Gecko Maklerverbunds in Husum.
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