Ab in den Urlaub

Welche Versicherungen Berg- und Wintersportler wirklich benötigen

In den Bergen Urlaub machen und Skifahren? Das ist für viele Menschen ein großer Spaß. Allerdings gehört der passende Versicherungsschutz mit ins Gepäck, sonst kann es böse und vor allem teure Überraschungen geben, schreibt Wintersportexperte Denis Klefenz in seinem Gastbeitrag.
© Hanse-Merkur
Denis Klefenz ist Versicherungsvertreter für die Hanse-Merkur und begeisterter Skifahrer und Bergsportler.

Immer wieder zur Urlaubszeit zieht es viele Menschen in die Berge und die Skigebiete. Skifahren, Freeriden und Skitourengehen sind beliebte Freizeitaktivitäten für Geschwindigkeitsfanatiker, Naturliebhaber oder Ruhesuchende. Zwar passiert auf den vollen Pisten oder im freien Gelände meist wenig. Doch als Versicherungskaufmann, ausgebildeter Skilehrer und passionierter Tourengeher kann ich aus der Praxis berichten, dass es immer wieder zu schweren Unfällen kommt.

Ein solides Versicherungspaket für Berg- und Wintersportler ist daher durchaus sinnvoll. Doch worauf sollte man als Versicherungsvermittler bei der Absicherung von Berg- und Wintersportlern achten?

Die wichtigsten Versicherungen für Berg- und Wintersportler sind
  1. Auslandsreisekrankenversicherung
  2. Haftpflichtversicherung inklusive Forderungsausfalldeckung
  3. Berufsunfähigkeitsversicherung/Unfallversicherung
  4. Rechtsschutzversicherung
  5. Versicherung gegen Materialschäden

Viele Berg- und Wintersportler sind über den Skiverband DSV oder über die regionale Sektion des Alpenvereins versichert. Der Versicherungsschutz beim DSV beispielsweise umfasst eine Kombination aus Kranken-, Haftpflicht-, Rechtsschutz- und Unfallversicherung. Zusätzlich sind auch Wintersportgeräte gegen Diebstahl und Beschädigung versichert. Ab 30 Euro bietet der DSV zusammen mit Arag und Europa ein soliden Grundschutz.

Auch andere Versicherer haben passende Wintersportversicherungen im Angebot. Jedoch gibt es, gerade zu Pandemiezeiten, Fallstricke für Vermittlerinnen und Vermittler – und wie immer kommt es auf das Kleingedruckte an.

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#1 Auslandskrankenversicherung

Die Auslandsreisekrankenversicherung gehört zweifellos zu den Basics. Die Versicherer zahlen bei Unfall und Krankheit, auch bei einer Covid-Erkrankung vor Ort, also wenn der Urlauber einen Arzt aufsuchen oder sogar ins Krankenhaus muss.

ABER: Manche Versicherer schränken den Schutz für Länder, für die es eine aktuelle Reisewarnung gibt, ein. Das kann dramatische Folgen für den Kunden haben. Auch wenn die Erkrankung oder der Unfall nichts mit der Pandemie zu tun haben, kann der Kunde auf den Behandlungskosten sitzen bleiben.

Zusätzlich sollten Vermittler darauf achten, ob und in welcher Höhe Bergungskosten mitversichert sind. In vielen älteren Versicherungsbedingungen sind lediglich Transportkosten zum nächsterreichbaren Krankenhaus oder Arzt versichert. Bei einem Transport mit dem Helikopter kommt es immer wieder zu Schwierigkeiten bei der Kostenübernahme, da diese oftmals als Bergung von den Rettungskräften abgerechnet werden.

#2 Haftpflichtversicherung

Wer anderen einen Schaden zufügt, haftet dafür in unbegrenzter Höhe. Dieser Grundsatz ist allen Vermittlerinnen und Vermittlern sicherlich bekannt. Für Wintersportler ist dieser Schutz essenziell, da Skifahrer für Folgen eines Crashs vollständig aufkommen müssen. In Italien ist seit dem 1. Januar 2022 eine Haftpflicht auf der Piste sogar Pflicht. Kann ein Urlauber diesen Schutz nicht nachweisen, muss ein entsprechender Schutz an der Skipasskasse nachgekauft werden. Aber nicht nur auf der Piste ist eine Haftpflicht unerlässlich. Auch Freerider oder Tourengeher müssen mit hohen Schadensersatzforderungen etwa nach dem Auslösen einer Lawine rechnen.

Aus meiner beruflichen Erfahrung rate ich jedem Vermittler, gezielt auf den Einschluss der Forderungsausfalldeckung zu achten. In den Wintersportgebieten treffen sich Menschen aus allen Nationen dieser Welt und nicht immer ist der Verursacher ausreichend versichert.

Ein Praxisfall: Kunde, junger Snowboardfahrer, 29 Jahre, wartete kniend auf Freunde als ein slowakischer Skifahrer die Geschwindigkeit falsch einschätzte und mit den Kanten die Oberschenkelmuskeln des Snowboardfahres durchtrennte. Vier Operationen und drei Jahre Gerichtsverhandlung später, hatte der Kunde endlich einen vollstreckbaren Titel in der Hand. Der Verursacher hatte allerdings weder eine Haftpflichtversicherung noch pfändbares Vermögen. Ein Fall für die Forderungsausfalldeckung.

#3 Berufsunfähigkeits- und/oder Unfallversicherung

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für jeden essenziell, der von seinem Einkommen lebt. Da sind sich sicherlich alle Maklerinnen und Makler einig. Für Berg- und Wintersportler ist zusätzlich eine Unfallversicherung empfehlenswert, und zwar wegen der Such-, Rettungs- und Bergungsleistungen.

Zwar leisten viele Auslandsreisekrankenversicherungen für diese Fälle, allerdings ist hier die Erstattungshöhe meist auf 5.000 oder 10.000 Euro begrenzt. Insbesondere für Freerider und Tourengeher kann es bei einem Unfall im freien Gelände zu deutlich höheren Kosten bei Bergungseinsätzen kommen, denn beim Einsatz eines Helikopters wird jede einzelne Flugminute berechnet und diese kostet im Schnitt zwischen 80 und 100 Euro.

#4 Rechtsschutz

Für Berg- und Wintersportler ist eine Rechtsschutzversicherung sinnvoll, denn diese unterstützt den Sportler beim Durchsetzen eigenen Schadensersatzansprüche nach einem fremdverschuldeten Unfall. Für Freerider und Tourengeher ebenfalls von Bedeutung: Eine Rechtsschutzpolice hilft auch bei der Verteidigung von Straf- und Ordnungswidrigkeitsverfahren.

#5 Sportgeräteversicherung oder Materialversicherung

Lawinenairbag, LVS-Gerät, Sonde, Schaufel, Felle oder Ski mit Pin-Bindung: Für eine hochwertige Ausrüstung im Gelände kommen schnell 3.000 Euro und mehr zusammen. Im Rahmen der Außenversicherung ist das Equipment gegen Diebstahl in der Hausratversicherung abgedeckt. Wird das Equipment allerdings unbeaufsichtigt vor der Hütte beim Après-Ski oder im nicht abgeschlossenen Skikeller abgestellt, schaut der Kunde in die Röhre. Ob der Abschluss einer zusätzlichen Materialversicherung mit Allgefahrendeckung sinnvoll ist, kommt also auf den Einzelfall an.

Fazit

Mit Berg- und Wintersportlern ist es wie im freien Gelände: Die Risikoeinschätzung muss jede beziehungsweise jeder selbst für sich übernehmen. Der Rat und die Expertise eines Fachmannes oder einer Fachfrau kann aber helfen, das Risiko besser einzuschätzen.

Über den Autor

Denis Klefenz ist Versicherungsvertreter für die Hanse-Merkur und begeisterter Skifahrer und Bergsportler.

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