Das Fazit in der Analyse zum Generationenkapital lautet schlicht und ergreifend: „Spätere Generationen werden dankbar sein!“ Heißt etwas ausführlicher: Für die Rente der Babyboomer wird es kaum was beitragen können, dafür ist die Zeit zu knapp. Aber die darauf folgenden Generationen werden sehr wohl etwas davon haben.
Zu dieser Ansicht kommen Michael Heuser, Wissenschaftlicher Direktor beim Diva Deutsches Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung, und Helge Lach, Vorsitzender beim Bundesverband Deutscher Vermögensberater in einer kürzlich veröffentlichen Analyse.
Darin klopfen sie das von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) auf den Weg gebrachte Generationenkapital auf Stärken und Schwächen ab, vor allem in Hinblick auf gängige Vorurteile. Und weil von denen so einige gibt („Gewagte Wette“, „Zockerei“, „Aktienrente“), stellen die Autoren zunächst einmal fest, was das Generationenkapital alles nicht ist. Es ist nämlich keine Wette, sondern ein mit langfristigem Horizont gemanagter und breit gestreuter Mischfonds. Das ist ein Unterschied (wie wir übrigens ebenfalls betonen).
Zwar werden die Erträge schwanken – was man über Puffer abfedern kann – fallende Kurse gefährden aber nicht die Funktionsfähigkeit des Generationenkapitals, heißt es. Für Leute, die zwischenzeitliche Verluste als Gegenargument anführen, haben die Autoren deshalb eine klare Ansage: „Wer deshalb als Kritik beispielhaft die deutlich negative einjährige Dax-Performance des Jahres 2022 entgegenhält, hat sich nicht gründlich mit der Idee des Generationenkapitals oder dem Wesen langfristiger Aktieninvestments beschäftigt und entlarvt sich selbst als Polemiker.“
Und es ist auch keine Aktienrente, weil es nicht um eine individuelle Rente auf Aktienbasis geht. Stattdessen soll es das bestehende System ergänzen. So heißt es im Bericht: „Neben den Beiträgen und dem Steuerzuschuss erschließt das Generationenkapital also eine dritte Finanzierungsquelle für die laufenden Renten und kann so dazu beitragen, die drohende Anhebung des Beitragssatzes und/oder des Steuerzuschusses zu dämpfen beziehungsweise ganz zu verhindern.“
Die Autoren stellen fest, dass das Generationenkapital den Druck auf Rentenbeiträge und Bundeszuschüsse senken wird. Es ist der gesetzlichen Rente zugeordnet, was die Studienautoren für besonders wichtig halten.
Was sie hingegen gar nicht mögen, ist die Idee eines Staatsfonds in der privaten Altersvorsorge, wie er den Grünen vorschwebt. So ein Fonds würde der gesetzlichen Rente nicht helfen. Außerdem sei die private Vorsorge Sache der Bürger und der privaten Finanzwirtschaft, heißt es weiter: „Die Politik hat dabei als Schiedsrichter den Rahmen zu setzen, nicht aber mit einem staatlich verantworteten Fonds als übermächtiger Spieler am Spiel teilzunehmen.“
Seite 2: Vier weitere Aspekte zum Generationenkapital
Im weiteren Verlauf gehen die Autoren auf zusätzliche Aspekte ein, von denen wir hier einige wiedergeben wollen:
Indem sich das Generationenkapital weltweit über Aktien und Anleihen verteilen soll, löst es die gesetzliche Rente ein Stück weit von „nationalen Finanzierungsrisiken“. Tatsächlich hängt die gesetzliche Rente über Beiträge und Steuern stark an der deutschen Wirtschaft, Demografie und Politik. Und wenn es in dieser Hinsicht mal nicht so gut läuft, kann ein globales Aktienportfolio das abfangen und sich auf stärkere Märkte konzentrieren.
Finanzminister Lindner will das Geld aufbringen, indem er Bundesanleihen ausgibt. Somit muss das Generationenkapital höhere Erträge abwerfen als die Anleihen Zinsen kosten. Für die Studienautoren kein Problem. Sie verweisen darauf, dass das bonitätsstarke Deutschland regelmäßig niedrigere Zinsen auf seine Schulden zahlt als die internationalen Kapitalmärkte an Erträgen bringen.
Indem die Regierung das Generationenkapital separat über Kredite aufbauen will, bleiben die Rentenbeiträge unberührt. Das ist zum Beispiel ein Unterschied zu Schweden, wo ein Teil der Rentenbeiträge in Aktienfonds fließt. In Deutschland wäre der Aufschrei bei den Aktienkritikern zu laut gewesen – was den aktuellen Weg zur am einfachsten durchsetzbaren Variante machte.
Gerade in Krisen ist die Versuchung groß, finanzielle Löcher mit Vorsorgevermögen zu stopfen. Deshalb müsse man das Generationenkapital ausdrücklich vor dem Zugriff durch die Politik und vor Spekulation schützen, heißt es.
Einfache Mehrheiten im Parlament dürfen nicht ausreichen, um solche Schutzmechanismen außer Kraft zu setzen. Für die übergeordneten Anlagerichtlinien (nicht Spekulation!) soll das Parlament zuständig sein. Und eine Aufsicht kontrolliert, dass das Management diese Richtlinien auch einhält. Selbstverständlich muss es regelmäßige Berichte darüber geben, damit die Menschen mit der Zeit Vertrauen fassen.
Für die Studienautoren ist es gar keine Frage, dass wegen der Demografie (mehr Rentner, zu wenig Nachwuchs) neue Geldquellen für die Rente nötig sind. Und dass das Generationenkapital eine davon sein muss.
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