Schützendes Beiwerk

Wie Vermittler vom Trend hin zu Embedded Insurance profitieren

Bei Kauf eines Produktes eine passende Versicherung gleich mitzuerwerben ist nicht neu. Embedded Insurance ist aber weit mehr als der herkömmliche Annexvertrieb. Wie Versicherer und Vermittler von diesem Trend aus den USA profitieren können.
© Svitlana Hulko / Freepik.com
Unter Embedded Insurance versteht man eingebundene Versicherungen. Beim Buchen einer Reise ist also etwa die Reiseversicherung gleich dabei.

Eine Brillenversicherung beim Optiker, eine Garantie-Erweiterung beim Kauf eines Waschtrockners oder eine Reiserücktrittskostenversicherung bei Buchung einer Reise. Annexprodukte, die ohne Beteiligung eines Vermittlers direkt von Kunden gekauft werden, gibt es schon lange. Mit der zunehmenden Digitalisierung hat sich hier neues Top-Potenzial für Versicherungen ­eröffnet. Embedded Insurance ist eine natürliche Weiterentwicklung, denn die Integration in das Primärprodukt wird weitergetrieben, vor allem dank technischer Möglichkeiten wie Schnittstellen (APIs).  

„Die Versicherung verschmilzt immer weiter mit dem Basisprodukt. Die Kundinnen und Kunden werden mit einer Embedded Insurance genau dort abgeholt, wo ein Risiko vorhanden und ein Schutz daher sinnvoll ist“, sagt Gustav Spät, Referent Digital Insurance & Insurtech beim IT-Verband Bitkom. Eine Versicherung kann bereits Bestandteil des Angebots sein oder aber mit wenigen Klicks zu einem Teil des Produktes werden. Anders als beim Annexvertrieb wird beides nicht getrennt, sondern als ein Produkt gekauft.  

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Personalisierte und bedarfsorientierte Versicherungen innerhalb kürzester Zeit reibungslos online zu buchen – ein Traum für Anbieter, die sich so neue Zielgruppen und Marktsegmente erschließen und von den digitalen, automatisierten Dis­tri­bu­tions­pro­zessen und den integrierten Zahlungsabläufen profitieren. „Die Produkt- und Schadenprozesse sind abgestimmt und automatisiert, was zu effizienteren Abläufen führt. Auch sämtliche Abrechnungs- und Zahlungsprozesse sind integriert, und je nach Bedarf können Laufzeitprozesse wie bei Kreislaufwirtschaft, Vermietung oder Leasing automatisiert werden“, erklärt Alexander Hornung, Produktchef von Hepster, die Vorteile. Hinzu kommt: Auch die Underwriting-Prozesse sind automatisiert, was eine Echtzeitbuchung verschiedener Risiken ermöglicht.  

Embedded Insurance ist bereits ein wichtiger ergänzender Baustein der etablierten Omni-Kanal-Strategie der Ergo Group. „Der Grundgedanke ist: versichern einfacher machen, vom Abschluss über die gesamte Vertragslaufzeit, auch im Schadenfall. Das ist grundsätzlich für alle Sparten denkbar“, sagt Markus Eder, Leiter Vertrieb B2B2C und Kooperationen bei der Ergo Group. Es gibt jedoch Schwerpunkte, die bei der Ergo bei Komposit- und Sachversicherungen liegen. „Wir bieten Privatkunden etwa diverse Erweiterungen für Garantien an, wie Garantieverlängerungen und Geräteschutz-Versicherungen, passend auf den jeweiligen Kooperationspartner zugeschnitten“, so Eder weiter. Neben technischen Geräten sichert die Ergo Group auch Fahrräder und medizinische Hilfsmittel wie Brillen und Hörgeräte ab. 

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„Die Bereiche Mobilität und Elektronikgarantien stehen in Deutschland bei Embedded Insurance im Branchenfokus“, sagt Tim Kaltofen, stellvertretender Vertriebschef beim digitalen Versicherer Element. Da der Trend zu Leasing und Miete als Finanzierungsalternative stärker wird, sind Versicherungen oft bereits integraler Bestandteil des Kernprodukts. „Zum Beispiel kann der Diebstahlschutz bei einem Fahrrad-Tracker oder der Geräteschutz bei einem gemieteten iPhone als eingebettete Versicherungsdienstleistung angeboten werden. Hier dient die Versicherung auch als Bilanzschutzinstrument“, erklärt Kaltofen. 

Bitkom-Referent Spät nennt neben Geräte- und KFZ-Versicherungen auch Haustierversicherungen als vielversprechendes Anwendungsgebiet. Und: „Im Bereich der Lebensversicherung und Altersvorsorge kommt es vor allem darauf an, dass entsprechende Produkte so verständlich sind, dass sie eingebettet werden können. Eine Restschuldversicherung kann als Beispiel dienen“, so Spät.  

Das Produkt steht im Fokus 

Klar ist: Den Kunden geht es bei Embedded Insurance nicht primär um die eingebettete Versicherung, sondern um das erworbene Produkt, also zum Beispiel das Auto oder Smartphone, das in irgendeiner Form abgesichert wird. Da sich nicht zuletzt durch die Pandemie in den ­vergangenen Jahren viele Kaufprozesse ins Internet verlagert haben, ist der rein digitale Versicherungs(zu)kauf häufiger geworden.  

Laut Sonderabfrage des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind digitale Abschlüsse insbesondere in der Sach-, Unfall- und Haftpflichtversicherung zu verzeichnen. „In der Sach-Unfall-Haftpflichtversicherung wurden 2022 rund 13 Prozent aller Privatkundenverträge digital abgeschlossen. Dieses Geschäft fließt häufig über den Direktvertrieb oder über Vergleichsportale, aber auch aus den sonstigen Vertriebswegen ein, zu denen unter anderem Embedded Insurance zählt“, konkretisiert ein GDV-Sprecher gegenüber Pfefferminzia. Hier ist also noch viel Luft nach oben.  

Regulierung bremst Embedded Insurance in Deutschland

Während in den USA Embedded Insurance bereits weit verbreitet ist, bestehen hierzulande jedoch Hindernisse für das Wachstum. So lässt die bestehende Regulierung über Paragraf 34d Gewerbeordnung (GewO) eine Versicherungsvermittlung ohne Gewerbeerlaubnis nur für Kleinversicherungen mit einer Prämien­obergrenze von 600 Euro pro Jahr zu. Bestimmte, in den USA übliche Embedded-Insurance-Produkte sind daher nicht möglich. „Zum Beispiel KFZ-Garantieversicherungen, deren Preise oft über dem festgelegten Limit liegen. Dies stellt Verkäufer vor die Wahl, entweder minderwertige Produkte zu verkaufen oder die Regulierung zu umgehen“, sagt Element-Experte Kaltofen. Das Limit gilt als nicht verbraucherfreundlich beziehungsweise veraltet. 

Eine zusätzliche Einschränkung besteht darin, dass Annexverkäufe nicht klar definiert sind. Die Frage, ob etwa ein Immobilienmakler, der ein Haus vermittelt und dabei eine Versicherung wie eine Immobiliengarantie anbietet, als Annexverkäufer gilt, bleibt gesetzlich unklar. „In solchen Fällen muss sich der Makler an die jeweils lokale Industrie- und Handelskammer wenden, die unterschiedliche Antworten geben kann. Die weitere Präzisierung dieser rechtlichen Unklarheiten könnte zu einer Lösung dieses Problems beitragen“, so Kaltofen.  

Die Annex-Prämienobergrenze kann vor allem bei B2B2B-Transaktionen, also mit Firmenkunden als Käufern, nachteilig sein. „Die Vorgaben könnten erweitert werden, sodass Produkte über API oder in Echtzeit integriert werden und somit von zugelassenen Vermittlern oder Versicherern in Echtzeit beaufsichtigt und gemonitort werden. Das führt dazu, dass sämtliche Dokumente von dem angebundenen System des zugelassenen Vermittlers oder Versicherers ausgestellt werden und für Sicherheit sorgen“, schlägt Hepster-Produktchef Hornung eine mögliche Lösung für dieses Problem vor. In diesen Fällen könnte auf eine separate Zulassung des Vermittlers verzichtet werden. Die Haftung würde beim Versicherer oder zugelassenen Vermittler liegen.  

Ein weiteres Problem: Die strenge deutsche Datenschutzregelung erschwert eine personalisierte Produktentwicklung, denn anonymisierte Daten reichen dafür oftmals nicht aus. Die Versicherungsforen Leipzig haben einige Beispiele für erfolgreich eingebettete Versicherungsprodukte zusammengestellt, die zu einem wichtigen Bestandteil eines Produkt-Ökosystems geworden sind. 

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Die Branche erwartet bald Abhilfe aus Brüssel. Denn mit dem EU-Data-Act, der ab 12. September 2025 in Deutschland anwendbar sein wird, ändert sich einiges. So kann der Nutzer eines mit dem Internet verbundenen Geräts künftig veranlassen, dass alle Daten an ihn oder an Dritte übermittelt werden. „Unsere Vision von Embedded Insurance lautet dabei ‚Zero Questions‘. Gerade die Fragen, die unsere Kunden nicht aus dem Stegreif beantworten können – wie etwa zum Schadenfreiheitsrabatt in der KFZ-Versicherung –, müssen perspektivisch wegfallen“, sagt Dirk Steingröver, Vorstand Sach-Privatkunden und Automotive bei der Allianz.

Und führt das Beispiel weiter aus: „Relevante Informationen sollten künftig unter anderem direkt aus der Fahrzeugkonfiguration und aus der Fahrzeugnutzung kommen. Wir können aber auch Daten aus hochqualitativen Wettervorhersagen einbeziehen und mit den Fahrzeugdaten unserer Kunden verknüpfen. Dadurch könnten wir verlässlich vor Sturmböen, Hagel, Nebel oder Aquaplaning-Gefahren warnen“, betont Steingröver. 

Wo sich Vermittler in diesem Zukunftsfeld wiederfinden werden, bleibt abzuwarten. Laut Hepster-Mann Hornung können Vermittler von Embedded Insurance durchaus profitieren, auch wenn die Produkte oft ohne ihre Mitwirkung gekauft werden. „Sie können die entsprechenden Produkte an ihre B2B-Kunden vermitteln und sie in ihren Ökosystemen einsetzen oder weitervermitteln. Indem Vermittler als Schnittstelle zwischen Versicherungen und B2B-Kunden agieren, können sie einen Mehrwert bieten und von den eingebetteten Versicherungsprodukten profitieren“, so Hornung.

Umfragen belegen zudem immer wieder, dass in vielen Bereichen Kunden die persönliche Beratung weiterhin schätzen, daher wird Embedded Insurance wohl nicht zu Lasten des unabhängigen Vertriebs gehen.  

Autor

Oliver Lepold ist Dipl.-Wirtschaftsingenieur und freier Journalist für Themen rund um Finanzberatung und Vermögensverwaltung. Er schreibt regelmäßig für Pfefferminzia und andere Versicherungs- und Kapitalanlage-Medien.

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