Produkttest Weit Blick von Standard Life

„11 Prozent gesparte Steuern müsste ein anderes Produkt erstmal an Rendite erwirtschaften“

Die Lebensversicherung ist tot? Von wegen. Da klassische Policen immer weniger Rendite bringen, setzen Versicherer auf fondsgebundene Varianten. Wie diese funktionieren und was das neue Konzept taugt, untersucht Versicherungsmakler Philip Wenzel am Beispiel der fondsgebundenen Lebensversicherung Weit Blick von Standard Life.
© Freche Versicherungsmakler
Philip Wenzel ist Versicherungsmakler und bei Freche Versicherungsmakler in Kemnath für die biometrischen Risiken zuständig.

Einem bekannten Sprichwort zufolge leben Totgesagte länger. Nun wurde es in den vergangenen Jahren tatsächlich recht ruhig rund um die Lebensversicherung. Alle neuen Tarife sind Rentenversicherungen mit der Möglichkeit der Kapitalisierung bei Rentenbeginn.

Der neue Tarif der Standard Life mit dem vielsagenden Namen „Weit Blick“ bricht mit diesem Trend. Es handelt sich dabei um eine Lebensversicherung ohne Verrentungsoption.

Erfrischenderweise muss hier überhaupt nicht diskutiert werden, ob der Rentenfaktor nun hart ist oder nicht und worauf er überhaupt gilt. Es gibt einfach keinen. Weit Blick sichert also nicht das Langlebigkeitsrisiko, sondern das Todesfallrisiko ab.

Dadurch ist die zu erwartende demografische Entwicklung für diesen Tarif kein Problem, sondern spielt ihm sogar in die Karten.

Im Todesfall leistet der Vertrag zu Beginn 100 Prozent des Fondsvermögens. Nach Ablauf der Wartezeit von fünf Jahren wären es 110 Prozent, die dann bis zum Ende der Vertragslaufzeit wieder auf 100 Prozent abschmelzen.

Aber auch um die zu erwartende Rendite muss nicht gestritten werden, da die Standard Life ein ganz bestimmtes Klientel im (Weit)Blick hat: Wohlhabende Menschen, die Steuern sparen möchten.

Die Versicherung lässt sich nur gegen Einmalbeitrag ab 25.000 Euro abschließen und Zuzahlungen sind bis zu 1.000.000 Euro möglich. Pro Zuzahlung. Das werden die wenigsten ausreizen.

Vermögen steuerfrei übertragen

Der größte Vorteil ist hierbei die Möglichkeit, zwei Versicherungsnehmer mit verschieden hohen Anteilen am Vertrag zu installieren. Durch dieses Verfahren lassen sich auch größere Vermögenswerte über die Zeit schenkungs- und vielleicht auch erbschaftssteuerfrei übertragen. Ob Erbschaftssteuer fällig wird, hängt eben auch entscheidend davon ab, wann der Erblasser stirbt. Das kann das Modell nicht berücksichtigen.

Aber mal ein Beispiel zur Veranschaulichung:

Will ein Großvater seinem Enkel 500.000 Euro schenken, müssten 300.000 Euro – sofern das Kind des Großvaters nicht mehr lebt, immer noch 100.000 Euro – mit 11 Prozent versteuert werden. Die Schenkung fiele also 33.000 Euro beziehungsweise 11.000 Euro niedriger aus, als gewünscht.

Mit Weit Blick ließen sich sofort 40 Prozent beziehungsweise 80 Prozent der Versicherungsnehmer-Eigenschaften übertragen und nach Ablauf der Zehn-Jahres-Frist weitere 40 Prozent beziehungsweise die restlichen 20 Prozent, ohne dass eine Schenkungssteuer fällig werden würde. Verstürbe der Großvater vorher, sieht das anders aus. Kann man aber nicht planen.

Nun hat nicht jeder die Möglichkeit, eine halbe Million Euro an seine Enkel zu vererben, aber im Einzelfall kann es eben eine Lösung sein. Und 11 Prozent gesparte Steuern müsste ein anderes Produkt erstmal an Rendite erwirtschaften.

Schenker behält Kontrolle über das Geld

Aber auch für weniger betuchte Menschen kann das Produkt interessant sein. Häufig wird bei Geburt eines Kindes der Wunsch vorgetragen, etwas für das Neugeborene zu sparen. Dabei wird dann auch häufig die Sorge geäußert, der Nachwuchs werde das Geld mit 18 Jahren brutal auf den Kopf hauen.

Hat man eine Police mit zwei Versicherungsnehmern, darf der eine ohne den anderen in der Theorie nicht über das Geld verfügen. So behält der Schenker die Kontrolle über das Geld, solange er lebt.

Auszahlungsplan möglich

Die ersten drei Jahre wird der Einmalbeitrag Stück für Stück in die gewählten Fonds investiert, um hohe Verluste bei Marktschwankungen zu minimieren, was durchaus sinnvoll ist.

Außerdem kann jederzeit ein Auszahlungsplan vereinbart werden, was gegenüber einer gewöhnlichen Rentenversicherung den charmanten Vorteil hat, dass man mit dem Geld weiterhin in der Fondsanlage investiert ist und von der Marktentwicklung profitieren kann.

Als Anlage werden von Standard Life aufgelegte Fonds angeboten, was je nach Entwicklung Vor- und Nachteile haben kann, sowie gemanagte Portfolios. Je nach Fondsauswahl erhält der Kunde einen sogenannten Kundenbonus, der dem Portfolio dann zusätzliche Anteile der ausgewählten Fonds zuteilt.

Unterm Strich ist Weit Blick ein Produkt, das Diskussionen um Kosten und Rendite vermeidet, da der große Vorteil die problemlose und unter Umständen erbschaftssteuerfreie Übereignung von hohen Vermögenswerten ermöglicht. Das ist vielleicht nicht für jeden Kunden interessant, aber eben im Einzelfall die passende Lösung.

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