Norman Wirth nach Brüssel-Besuch perplex

„Die massiv kritisierte Regensburger Studie schafft es bis in die höchsten Ebenen der EU“

AfW-Vorstand Norman Wirth ist überzeugt, dass EU-Kommissarin McGuinness mittelfristig ein komplettes Provisionsverbot anstrebt. Wirth beruft sich auf eine Konferenz in Brüssel, an der auch McGuinness teilnahm. Irritiert zeigte er sich darüber, dass eine provisionskritische Studie auf EU-Ebene unreflektiert zitiert werde.
© Norman Wirth
Zu Besuch in Brüssel: Norman Wirth ist geschäftsführender Vorstand des AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung.

Für Norman Wirth, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbands Finanzdienstleistung AfW, ist die Sache klar: EU-Finanzkommissarin Mairead McGuinness habe am Dienstag in Brüssel „keinen Zweifel“ gelassen, „an ihrem mittelfristigen Bemühen, ein komplettes Provisionsverbot zu erreichen“.

McGuinness war einer Einladung von „Better Finance“ gefolgt, die Tagung fand in der hessischen Landesvertretung in Brüssel statt. Dort erläuterte die Irin unter anderem vor Vertretern der niederländischen Finanzaufsicht sowie vor diversen Versicherern und Fondsgesellschaften (hier geht es zu gesamten Teilnehmerliste), was die EU mit der Retail Investment Strategy – RIS (Kleinanlegerstrategie) genau bezweckt.

Kurzer Rückblick: McGuinness hatte den Entwurf zur RIS am 24. Mai vorgestellt. Ein komplettes Provisionsverbot ist darin – anders als ursprünglich beabsichtigt – nicht enthalten. Vom Tisch sei das Thema damit aber noch nicht, gab Wirth nach der Brüsseler Konferenz zu bedenken. „Einen Status Quo würde es keinesfalls geben“, betonte der AfW-Vorstand.

Zudem äußerte sich Wirth bestürzt darüber, dass die „auch aus Wissenschaftskreisen zu recht massiv kritisierte Regensburger Studie es bis in die höchsten Ebenen der EU“ geschafft habe. In der Studie werden die Renditeverluste beziffert, die Anleger vermeintlich erlitten, wenn das Provisionssystem beibehalten werde (Pfefferminzia berichtete). Wirth nannte es „irritierend“, dass „ein unreflektiertes Zitieren der meiner Meinung nach befremdlichen Zahlen aus dieser Studie erfolgt“. Zudem seien auch andere „inzwischen überholte und widerlegte Zahlen“ konstant wiederholt worden, „um massive Markteingriffe zu begründen“.

Der AfW werde sich weiter intensiv dafür einsetzen, dass das Provisionsverbot für die unabhängige Maklerschaft bei der Vermittlung von Versicherungsanlagerprodukten, wie es aktuell noch in dem Entwurf zu finden sei, ersatzlos gestrichen werde, so Wirth.

Mehr zum Thema

Regierung plant Provisionsdeckelung bei Lebensversicherungen

Das Bundesfinanzministerium soll mit der bisherigen Entwicklung der Vertriebskosten bei der Vermittlung von Lebensversicherungen nicht…

Junge Leute vertrauen Beratern mehr als Finfluencern

„Das Verhalten und die Einstellung der Generation Z zu Geld unterscheidet sich klar. Besonders das…

„Die Immobilie wirkt häufig als liquiditätsblockender Vermögensschwamm“

Pfefferminzia: Wie viele auf Ruhestandsplanung spezialisierte Berater gibt es? Ronald Perschke: Das ist schwer zu…

Autor

Lorenz

Klein

Lorenz Klein gehörte dem Pfefferminzia-Team seit 2016 an, seit 2019 war er stellvertretender Chefredakteur bei Pfefferminzia. Im Oktober 2023 hat Klein das Unternehmen verlassen, um sich neuen Aufgaben in der Versicherungsbranche zu widmen.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia