In einer mehr und mehr digital vernetzen Umwelt muss ein wirklicher Trend für Kunden und Anbieter einen nachhaltigen Mehrwert schaffen. Für unseren Beitrag haben wir ganz konkrete Best Practice Beispiele von Insurtech-Unternehmen ausgewählt, die Versicherern einen echten Mehrwert bieten können.
Neue Trends werden auch auf der diesjährigen Digital Insurance Agenda (DIA), die am 10. und 11. Mai 2017 in Amsterdam stattfindet, zu sehen sein. Dort treffen Versicherungswirtschaft und Insurtech-Branche zusammen, um sich über technische Trends und praktische Anwendungen auszutauschen.
Trend 3: Mit Datenschutzbedenken richtig umgehen
Viele Verbraucher setzen „Big Data” mit „Big Brother” gleich, und Versicherern, die über die Verwendung persönlicher Daten nachdenken, vertraut man nicht unmittelbar. Das ist durchaus verständlich. Bei den meisten Datenprojekten von Versicherern geht es im Grunde genommen um Preisgestaltung und Risikoreduzierung. Den Verbrauchern bieten aktuelle Projekte dagegen nur begrenzten Mehrwert.
Um die Vorteile, die vernetzte Geräte und die von diesen generierten Daten bieten, wirklich zu nutzen, müssen Versicherer diesen Datenschutzbedenken Rechnung tragen. Das bedeutet einen deutlichen Mehrwert in Relation zu den verwendeten persönlichen Daten bieten. Andererseits müssen sie ihren Kunden die Möglichkeit geben, ihre eigenen Daten zu verwalten. Denn letzten Endes sind es deren Daten. Für Insurtech-Unternehmen, die Versicherern bei der Bewältigung von Datenschutzproblemen helfen, darf man kräftiges Wachstum erwarten.
Traity (ein weiteres 2016 mit einem DIAmond Award ausgezeichnetes Unternehmen) ermöglicht es Verbrauchern, die Verantwortung für ihre eigene Reputation zu übernehmen. Das Unternehmen nutzt verschiedene neue Datenquellen wie Facebook, AirBnB und LinkedIn, um Kunden zu helfen, ihre Vertrauenswürdigkeit unter Beweis zu stellen. D.A.S., die Rechtsschutzversicherung der Münchener Rück, arbeitet bereits mit Traity zusammen, um neue Arten von Dienstleistungen anzubieten. Auch dazu gab es auf der letztjährigen DIA einen interessanten Vortrag.
Trend 4: Im IT-Bereich offene Architektur nutzen
Es entsteht ein neues Ökosystem. Mit Parteien, die Daten erfassen (zum Beispiel Anbieter von vernetzten Geräten), und solchen, die auf der Grundlage dieser Daten neue Mehrwertangebote entwickeln. Noch mehr als bisher werden Versicherer mit anderen Unternehmen, die Teil des Ökosystems sind, zusammenarbeiten müssen. Für Versicherer, welche die sich hier bietenden Chancen auf strukturierte Art und Weise nutzen wollen, ist es nicht mehr ausreichend, Geschäftsprozesse effizient und effektiv zu organisieren. Sie müssen auch Wege finden, um Wechselbeziehungen zwischen möglicherweise sehr unterschiedlichen Anwendern zu erleichtern, die auf die eine oder andere Weise miteinander zu tun haben.
In diesem Punkt ist das Bankgewerbe weiter als die Versicherungsbranche. Für unser neues Buch mit dem Titel „Reinventing Customer Engagement. The next level of digital transformation for banks and insurers” haben wir auch mit vielen Führungskräften von Banken gesprochen. Die deutsche Fidor Bank hat eine offene API-Architektur mit dem Namen fidorOS erstellt, die es Fintech-Unternehmen gestattet, aufbauend auf einem vorhandenen Altsystem selbst Finanzdienstleistungen zu konzipieren. Die Citibank ist der Auffassung, dass „jedes Finanzinstitut, das einen rasanten Marktanteilsverlust vermeiden will, anfangen muss, in einer offeneren Architekturstruktur zu arbeiten”.
Die „Omnichannel”-Plattform von Backbase basiert auf Grundsätzen einer offenen Architektur. Sie nutzt vorhandene Systeme für die Verwaltung von Policen und erweitert diese um eine moderne Kundenerlebnis-Ebene. Backbase erstellt Portale, die sich direkt an die Verbraucher wenden, und bietet die Möglichkeit, die besten Apps einzubinden und Portale für Versicherungsvertreter und Mitarbeiter zu verbessern. Swiss Re, Hiscox und Legal & General gehören zu den Versicherungsgesellschaften, die bereits die Backbase-Plattform nutzen. Ein interessanter Vortrag findet sich unter diesem Link.
Hier geht es zum ersten Teil der Insurtech-Reihe. Den dritten Teil gibt es hier.
Über die Autoren:
Roger Peverelli und Reggy de Feniks sind die Gründer der Digital Insurance Agenda (DIA), der ersten weltweiten Community und Konferenz, welche die Entscheider und Innovatoren der Versicherungsunternehmen und die Leitfiguren der FinTech-Branche zusammen bringt. Walter Capellmann ist Gründer und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Capellmann Consulting.