„Es wird verkauft, was Provision bringt“

Verbraucherschützer fordert: Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen

Viele Menschen vertrauen ihren persönlichen Finanzberatern – in den Augen von Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ist das ein Fehler. „Es wird verkauft, was Provision bringt“, kritisierte er in einem Medienbericht. Daher bleibe Verbrauchern nichts anderes übrig, „als die Dinge selbst in die Hand zu nehmen“.
© picture alliance / ZB | Karlheinz Schindler
Niels Nauhauser ist Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Eine Finanzberatung, „die die Bedürfnisse des Kunden in den Mittelpunkt stellt, findet man nirgends“, erklärte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg jüngst in einem Medienbericht. Denn nach wie vor werde vor allem das verkauft, was viel Provision bringe, so der Vorwurf.

Dabei ist dem Bericht nicht eindeutig zu entnehmen, ob es Nauhauser nur um den Bankvertrieb geht, der zu Beginn des Beitrags erwähnt wird oder ob seine Kritik auch auf Versicherungsvermittler und -Makler zielt. Doch auch ohne explizite Erwähnung von Maklern, zeigt sich, dass Nauhauser die Vermittlung von Finanzprodukten gegen Courtage/Provision für Teufelszeug hält.

So zeigten Nauhauser zufolge Vorschriften wie die DIN 77230, die festlege, welche Daten für eine Finanzanalyse von Kunden erhoben werden sollten, oder auch der sogenannte Beipackzettel für Riester-Verträge bislang kaum eine Wirkung: „Solche Maßnahmen setzen nicht am Problem an, es ist nur ein Herumdoktern an den Symptomen.“ Es seien die gleichen Probleme wie vor zehn Jahren, so der Verbraucherschützer. Und weiter: „Vermittelt werden am Ende die Hausprodukte.“ Ob das für den Kunden die beste Wahl sei, bleibe dahingestellt.

Kritik an „mageren Renditen“

Seine Kritik stützte der Verbraucherschützer auf ein Beispiel, dass seiner Beratungsstelle vorlag. Demnach würden fondsgebundene Rentenversicherungen oft als chancenreiche Alternative zur klassischen Versicherung angeboten, obwohl die Renditen hier „oft mager“ ausfielen.

So habe ein Kunde seit 2004 in seinen Vertrag eingezahlt – die Investitionen seien vorwiegend in Aktienfonds geflossen. Bis August 2020 hätten die Einzahlungen insgesamt 20.099 Euro erreicht. Der Wert der Fondsanteile hätte zu diesem Zeitpunkt indes bei 21.642 Euro gelegen. Nach knapp 16 Jahren habe der Wertzuwachs also nur 1.543 Euro erreicht – das ergebe eine Rendite von 1,04 Prozent pro Jahr. Das bedeute: Mehr als 90 Prozent der Erträge sind laut Nauhauser an den Vermittler und an die Versicherung geflossen.

Die Empfehlung des Verbraucherschützers: „Es bleibt Verbrauchern nichts anderes übrig, als die Dinge selbst in die Hand zu nehmen“, wenn sie solche Fälle umgehen wollten. Dabei sollten Verbraucher darauf verzichten, nur zu einem Anbieter zu gehen, sondern sollten stets mehrere Angebote einholen. Außerdem sei es ratsam, sich gut auf die Gespräche vorzubereiten, den eigenen Finanzbedarf selbst schon zu kennen, Anlageziele und -dauer im Voraus festzulegen sowie das Risiko abzuschätzen, das man eingehen wolle. Ganz wichtig sei es zudem, immer direkt nachzufragen, wenn im Gespräch etwas unklar sei.

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Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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Eine Antwort

  1. Wenn denn Verbraucherschützer einmal selbst haften müssten, würden diese vielleicht andere Aussagen treffen.
    Selbst ihren eigenen Pensionsfonds nicht managen können, aber alles schlecht reden hilft doch keinem weiter.
    Und dann noch, über ihre tolle Finanztest Anleger in schlechte Produkte treiben, ist schon eine reife Leistung.

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