Michael Heinz: Das mache ich gerne – ja, was werfe ich wem vor? Das war sicherlich auch ein Thema, mit dem wir uns in der Podiumsdiskussion intensiv beschäftigt haben – und insbesondere habe ich das in meinem Eingangsstatement gesagt: Wenn der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft durch seinen Sprecher und Vorstand, Herrn Asmussen, mitteilen lässt, dass bestimmte Versicherungsprodukte – hier festgemacht am Thema Riester-Rente – in Zukunft digital, sprich ohne Vermittler und die dazugehörigen Vermittlungskosten, vertrieben werden sollen, dann habe ich in Hamburg gesagt: Man soll ja mit dem Begriff Kriegserklärung vorsichtig sein, aber es ist zumindest schon mal eine Erklärung zum Kampf. Und wenn Herr Asmussen diesen Kampf möchte, bekommt er ihn vom BVK.
Und ich glaube, ich spreche auch für andere Vermittlerverbände und Menschen in unserer Branche, die nicht organisiert sind. Wir können ein solch komplexes Produkt nicht, in Analogie eines Zigaretten- oder Kaugummi-Automaten, irgendwo aus dem Netz ziehen, zwei Fragen beantworten und glauben wir haben dann möglicherweise der Sache genüge getan.
Es geht hier nicht darum, primär versicherungsvermittelnden Berufen die Auskömmlichkeit zu sichern, sondern es geht zum einen um Verbraucherschutz – der Verbraucher muss geschützt werden vor Fehlentscheidungen – und es geht um Nachhaltigkeit. Und Nachhaltigkeit heißt in unserem Selbstverständnis: Der Kunde hat ein Recht darauf, von einem Vermittler begleitet zu werden, um Veränderungen in den Lebenszyklen zu begleiten und den Vertrag entsprechend anzupassen – das können Sie keiner Maschine anvertrauen und das ist der entscheidende Punkt.
Natürlich nicht. Das war pflichtbewusst. Herr Brüß braucht nicht Herrn Asmussen in Schutz zu nehmen. Herr Asmussen ist weder in der Ausbildung noch in der Probezeit – das ist ein gestandener, im politischen Geschäft erfahrener Mann. Und wenn Herr Asmussen eine solche Aussage in einem Medium bei Herrn Fromme (Herausgeber von „Versicherungsmonitor“ und Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“, Anm. d. Red.) tut, dann weiß er, was er sagt. Und die Reaktionen – das möchte ich unseren Hörern hier und heute auch klar und deutlich sagen – waren ja von Seiten der Versicherungsvorstände mir gegenüber entsprechend.
Und Herr Asmussen ist ja dann in einer zweiten Stellungnahme ein Stück weit zurückgerudert, hat aber gegenüber protestierenden Versicherungsvorständen, die sich – teilweise durch uns initiiert – an Berlin gewandt haben, dann wohl sinngemäß gesagt: Er sei nicht den Versicherungsunternehmen verpflichtet, sondern dem Präsidium des GDV, was ihn sozusagen bestellt, also den Arbeitsplatz besorgt hat und auch bezahle. Ich halte das natürlich für eine verwegene Äußerung, habe sie aber ansonsten nicht zu kommentieren, weil es ja nicht mein Verband ist. In meinem Verband würde man so nicht sprechen.
Absolut. Aber wenn dem so ist, wie er sagt – dann brauchen wir doch gar nicht das Fass „Wir wollen zukünftige Vorsorgeprodukte ohne Vermittlung“ aufmachen, um es vereinfacht auszudrücken. Und ich sage Ihnen klar und deutlich: Das war kein Zufall, das war nicht etwas leichtfertig Erzähltes, sondern das entspricht einer gewissen Strategie bestimmter Versicherer im Präsidium des GDV – die hier ganz klar, auch in Absprache mit Herrn Asmussen, sagen – ich sage das mit meinen Worten: „Zünde mal die Bombe und achte auf die Reaktion.“
Das ist ja nicht so, als wenn ich in einer Podiumsdiskussion vielleicht mal ein bisschen flapsig bin und hau mal einen Spruch raus. Nein, das ist hier sehr wohl überlegt – und ich weiß sehr wohl, wer im Präsidium des GDV sitzt, ich weiß sehr wohl, wer sozusagen die Fahne der Vermittler hochträgt. Ich bekomme natürlich auch aus dem Präsidium des GDV und aus der Geschäftsführung meine Informationen in Vertraulichkeit. Ich weiß genau, wie darüber diskutiert und abgesprochen wurde – und deshalb der Versuch, zu sagen: Naja, das war nicht so gemeint und das hat man so gesagt: Quatsch, unter uns.
Wie das Gespräch weitergeht – und mit welcher Erwartung Michael Heinz unter anderem auf die Bundestagswahl im Herbst 2021 schaut, erfahren Sie in Die Woche – der Pfefferminzia Podcast für Versicherungshelden.
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Eine Antwort
Wie wäre es, wenn die Gesellschaften mal die tatsächlichen Kosten einer Rentenversicherung offenlegen und den vernichtend geringen Anteil der Maklerprovisionen ins Verhältnis setzen?? Wer im Glashaus sitzt…