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Pfefferminzia: Sind Atom- und Gaskraftwerke wirklich nachhaltig?
Jan Wicke: Die Anfang Februar von der Europäischen Kommission vorgelegte Ergänzung zur EU-Taxonomie kann einen Beitrag zur Energiewende leisten – dafür sollten allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Wichtig ist vor allem, dass Gaskraftwerke und die entsprechenden Investitionen auf den Übergang zu einer vollständigen Abdeckung mit erneuerbarer Energie ausgelegt sind.
Mit maximal 270 Gramm je Kilowattstunde liegt der Emissionswert neuer Gaskraftwerke weit unter denen von … sagen wir mal … Braunkohlekraftwerken mit 940 Gramm. Brauchen wir nicht solche Technologien, um Blackouts zu verhindern?
Wir benötigen sie in der oben bereits skizzierten Übergangsphase. Bis erneuerbare Energien zuverlässig und in entsprechendem Umfang gespeichert werden können, bieten Gaskraftwerke aufgrund der schnellen Inbetriebnahme die technischen Voraussetzungen, die Netzstabilität bei Spitzenauslastungen zu gewährleisten. Neue, effiziente Gaskraftwerke können vor diesem Hintergrund einen schadstoffreduzierten Übergang zu einer flächendeckenden Versorgung mit erneuerbaren Energien unterstützen.
Dieser Anspruch – Gaskraftwerke und die entsprechenden Investitionen nur für den Übergang zu einer Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen einzusetzen – kann jedoch nur durch eine konsequente Einzelfallbetrachtung erfüllt werden, die den individuellen Beitrag eines Gasenergie-Investments zur Energiewende berücksichtigt.
Welche Rolle spielt die Taxonomie generell in Ihren Anlagerichtlinien?
Die Bedeutung der Taxonomie für Anlagestrategien und -prozesse wird sich erst noch über die Zeit herausstellen. Frühestens in zwei Jahren wird sich abzeichnen, ob die Taxonomie wirklich zur Lösung einer der größten Herausforderungen nachhaltigen Investierens beitragen kann – der Konsolidierung der fragmentierten Datenlage und der Verbesserung der aktuell durchwachsenen Datenqualität.
Gleichzeitig sollten diesbezüglich die Erwartungen mit Blick auf die Taxonomie nicht zu hoch gesetzt werden. Selbst wenn sich Datenverfügbarkeit und -qualität deutlich steigern, dürfte dies vor allem auf den europäischen Raum beschränkt sein. Für die Talanx als globalen Investor kann die EU-Taxonomie dementsprechend nur einen Teil der Lösung für unser internationales Portfolio darstellen.
Losgelöst von der Taxonomie und den einzelnen Wirtschaftsaktivitäten, die sie umfasst, verstehen wir uns aber zuallererst als Wegbereiter der Energiewende. Daran wird sich unabhängig von der aktuellen und künftigen Entwicklung der Taxonomie zweifelsfrei nichts ändern.
Seite 2: „Hohe Kapitalkosten für Eigen- und Fremdkapital“
Wie haben Sie Ihren eigenen Kriterienkatalog erstellt?
Ein wesentlicher Nutzen der Taxonomie liegt vor allem darin, dass der Nachhaltigkeitsbegriff standardisiert messbar gemacht wird. Die Verwendung individueller Kataloge beziehungsweise Taxonomien würde dieser Standardisierung grundsätzlich entgegenstehen.
Vielmehr verstehen wir ESG-Kriterien beziehungsweise Nachhaltigkeit bei der Talanx als Leitlinie unseres Kapitalanlageprozesses, mit der wir uns fortlaufend und eingehend beschäftigen.
Mit Blick auf die stetigen branchenspezifischen Entwicklungen, nicht nur bei der Datenlage, sondern beispielsweise auch bei regulatorischen Vorgaben und Kundenerwartungen, sind nachhaltige Anlagestrategien regelmäßigen Änderungen und Anpassungen unterworfen – und können nicht als abgeschlossene Prozesse betrachtet werden.
Vor allem klassische Energieaktien und -anleihen kamen zuletzt mit enorm günstigen Bewertungen und hohen Dividendenrenditen daher. Sollte man solche Renditechancen nicht nutzen und dann die Unternehmen als Aktionär beeinflussen?
Klassische Energieunternehmen mit einem hohem CO2 Ausstoß müssen massive Investitionen vornehmen, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren und einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Daneben leiden Unternehmen mit schlechten Nachhaltigkeitsratings unter hohen Kapitalkosten für Eigen- und Fremdkapital. Daher bevorzugen wir bei der Investition Energieunternehmen mit einem überdurchschnittlichen ESG-Score innerhalb der Branche. Bereits seit mehreren Jahren investieren wir nicht mehr in Unternehmen, deren Umsatz und Erzeugungsanteil zu mehr als 25 Prozent auf Kohle basiert.
Dabei ist allerdings auch zu beachten, dass es traditionelle Unternehmen aus der Energiewirtschaft gibt, die bereits große Anstrengungen unternommen haben beziehungsweise zurzeit unternehmen, um ihre CO2-Intensität zu reduzieren. Hiermit leisten solche Unternehmen zumindest für einen Übergangszeitraum ebenfalls einen Beitrag zu Energiewende. Diese Entwicklungsprozesse berücksichtigen beziehungsweise unterstützen wir im Rahmen unserer Anlageentscheidungen.
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