Nachhaltigkeit

Diese Stellschrauben für ein grünes Maklerbüro gibt es

Die Idee, möglichst nachhaltig zu arbeiten, greift auch in der Versicherungsvermittlung um sich. Nur wie stellt man das an? Wir haben uns umgesehen und einige Aspekte zusammengetragen.
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Ein Mädchen pflanzt einen Baum: Nachhaltigkeit wird für immer mehr Menschen ein wichtiges Thema.

Nicht nur Menschen lieben Kaffee. Wer einmal einen gebrauchten Kaffeefilter auf einen Komposthaufen geworfen und nach ein paar Stunden noch einmal nachgesehen hat, kann bestätigen: Auch Regenwürmer können dem Koffeinlieferanten nicht widerstehen. Weshalb Volkmar Haegele seinen Kaffeeprütt nicht etwa in die Biotonne oder gar in den Restmüll wirft, sondern in eine hölzerne Wurmkiste. Zusammen mit anderen Abfällen aus Küche und Gemüsegarten auf dem Balkon, und zwar geruchlos, wie er betont.

In der Kiste wohnen kaffeeverliebte Würmer, aber auch andere Kleintiere, die den Biomüll direkt in Muttererde verwandeln. Die rieselt unten durch ein Sieb und kommt ins Blumenbeet auf dem Balkon oder in Blumentöpfe. „Es ist jedes Jahr spannend, was dann dort wächst“, sagt Haegele.

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Er ist Gründer und Chef der Bremer Finanzberatung Grün Vorsorgen. Außerdem gründete er im vergangenen Jahr zusammen mit Menschen aus Wissenschaft, Finanzbranche und dem Management größerer Unternehmen die Klimagenossenschaft Climaviva. Deren Ziel ist es, die Klimawende über Fortbildung und messbare Projekte voranzubringen. Als die Zurich Gruppe Deutschland zusammen mit Pfefferminzia im September 2021 den Preis für das nachhaltigste Maklerbüro in Deutschland vergab, erreichte Grün Vorsorgen den zweiten Platz – nebst Kaffeegutschein von Mehrwert-Kaffee.

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Als somit nachweislich nachhaltig orientierter Finanzmann trifft er einen Nerv der Zeit. Sauber zu arbeiten setzt nicht nur Banken und Versicherer unter (Öko-)Strom, sondern auch die Maklerbranche. Laut einer Umfrage des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) und des German Sustainability Networks unter 300 Vermittlern sind drei Viertel von ihnen an Nachhaltigkeit interessiert. Für 62 Prozent ist sie gar selbstverständlich.

Nur, wie stellt man das an? Es muss ja nicht gleich eine Wurmkiste sein. Stattdessen sollte man zunächst eine gewisse Mindesthygiene einhalten: Abfall wandert nicht unsortiert in die Restmülltonne, Strom kommt nicht aus dem Braunkohlekraftwerk, Kaffee gehört nicht in Alu-Kapseln. An der Decke leuchten LED-Lampen, der Kühlschrank schnurrt sparsam, und der Kaffee darf gern fair gehandelt sein.

Auf Videoberatung setzen

Dirk Lauffer, Chef von CuP Versicherungsmakler aus Fürth, ging eines Morgens durch die Firma und klebte an alles, was er für verbesserungswürdig hielt, einen Zettel. Der erste klebte am Lichtschalter, der zweite an der Kaffee-Kapsel-Maschine, der dritte am Mülleimer. Und es folgten noch einige mehr. In der Aktion von Zurich und Pfefferminzia belegte Lauffer mit CuP sogar den ersten Platz.

Ein recht wichtiges Gebot der Nachhaltigkeit heißt inzwischen: Videoberatung. Abgesehen vom Zeitgewinn ist auch die Ökobilanz im Vergleich zum Kundenbesuch unschlagbar. Lange galt es als Manko, dass die Datenübertragung zu viel Strom verschlingt. Dank enormer Effizienzgewinne ist das aber vom Tisch.

Eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamts belegt: Um so viel Kohlendioxid zu verursachen wie eine Stunde Videogespräch, braucht man mit einem Benziner nicht einmal einen Kilometer zu fahren (siehe Grafik unten). Und das ist nur mit dem deutschen Strommix und nicht etwa mit Ökostrom berechnet und beruht auf Technik aus dem Jahr 2020. Heute dürfte die Bilanz noch besser ausfallen. Wer zusätzlich sparen will, überträgt die Videos nicht in Full-HD mit 1.920 mal 1.080 Bildpunkten oder gar in 4K, sondern drosselt sie. Auch ein Bild aus 1.280 mal 720 Pixeln ist hübsch anzuschauen, verringert aber die Datenrate gegenüber Full-HD um beinahe die Hälfte.

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Ein sehr gern vorgebrachtes Argument gegen Online-Beratung ist die Tatsache, dass über Video weniger Eindrücke entstehen als im persönlichen Gespräch. Das stimmt zweifellos, wird aber auch zuweilen überdramatisiert. „Es ist erstaunlich, wie viel Persönlichkeit und positive Emotionen man eben dann doch in einem Webmeeting austauschen kann“, schreibt André Disselkamp, Mitgründer des digitalen Maklers Finsurancy in einem Online-Beitrag.

CuP-Chef Lauffer richtete schon vor der Corona-Pandemie in seiner Firma einen Videoraum ein. „Die Pandemie hat mir dann in die Karten gespielt“, sagte er in einem Videoporträt mit Zurich. Heute ist der Raum nahezu dauerhaft besetzt, 95 Prozent aller Beratungsgespräche laufen online, schätzt Lauffer.

Software mit Mitschnitt- und Speicherfunktion

Eine Quote, die auch Volkmar Haegele erreicht. Der Bremer hat auch viele Kunden im Süden des Landes sowie in und um Berlin. „Das muss man alles nicht mehr abfahren“, meint er, weshalb auch er auf Online-Beratung setzt. Dafür nutzt er für die Finanzanlagenvermittlung das Videosystem Bridge und für alles andere Teams.

Der Vorteil von Bridge: Im Gegensatz zu Zoom oder Teams wurde es direkt als Beratungssystem mit datenschutzgerechter Mitschnitt- und Speicherfunktion nebst digitaler Kundenverwaltung erschaffen. Ein Auto braucht Haegele übrigens seit acht Jahren nicht mehr. Er reist lieber mit dem Zug oder bucht sich bei Cambio Carsharing ein Fahrzeug.

Papierverliebte Versicherer

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt, der immer wieder zur Sprache kommt, ist Papier. Wenn es nach Maklern geht, würde inzwischen alles digital laufen. Allein, es hakt oft an den Versicherern, die noch immer zu viel Papier verschicken. „Jede Woche erhält man Broschüren und Hochglanzmagazine. Einige Versicherer verschicken noch immer Courtage-Abrechnungen per Post, manchmal in mehrfacher Ausfertigung“, berichtet Haegele, fügt aber hinzu, dass das seltener wird. Die Korrespondenz mit Kunden hingegen funktioniere komplett ohne Papier. Für Notizen nutzt er die Rückseiten nicht mehr benötigter Unterlagen.

Auch Digitalmakler Disselkamp ist noch nicht an dem Punkt angekommen, an dem es ohne Papier geht, nimmt aber die Versicherer in Schutz: „Zum großen Teil sind dafür unsere etwas veralteten Gesetze der Grund. Sie machen den Papierversand zumindest im Bereich Lebensversicherung noch erforderlich“, schreibt der Berliner.

Ganz nachhaltig lässt sich die Arbeit somit eben doch nicht gestalten. Auch Dirk Lauffer muss vereinzelt mal mit dem Flugzeug fliegen, Volkmar Haegele mit dem Auto fahren – und im Winter im Kalten sitzen wollen sie alle auch nicht. Verständlich. Um solche Notwendigkeiten auszugleichen, stecken nachhaltige Makler zusätzlich Geld in Nebenprojekte.

In Fürth lässt man seit 2019 für jeden abgeschlossenen Vertrag einen Baum pflanzen, wenn der Versicherer mit im Boot ist, sind es sogar zwei. Im CuP-Wald stehen mittlerweile fast 3.000 Bäume, die später mal jedes Jahr 30 Tonnen Kohlendioxid aus der Luft holen.

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Finsurancy geht einen anderen Weg und spendet ein Fünftel des Gewinns an gemeinnützige Organisationen wie zum Beispiel die Sea Shepherd Conservation Society, die die Meere schützen will, oder den Bundesverband Kinderhospiz, der todkranken Kindern und deren Familien hilft. Nachhaltigkeit ist schließlich nicht immer nur Umweltschutz, sondern auch gutes Sozialverhalten.

Volkmar Haegele indes setzt lieber auf Moorprojekte und den Erhalt bestehender Urwälder. „Wenn Moore renaturiert werden, fällt das schneller ins Gewicht“, so der Makler. Auch das hat was für sich. Es gibt viele Möglichkeiten, nachhaltig zu sein, ohne dass es den einen Königsweg gibt. Aber es beginnt stets im Kopf, wie es zum Beispiel Dirk Lauffer immer wieder betont. Und André Disselkamp bringt es wunderbar auf den Punkt: „Damit verändern wir die Welt nicht komplett, aber machen sie hoffentlich ein wenig besser. Wir nennen das unternehmerische Verantwortung.“

Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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