Insurtechs sind Anbieter, die digitale Produkte in der Versicherungsbranche anbieten. Sie können ganz unterschiedliche Geschäftsmodelle verfolgen, kooperativ oder kompetitiv aufgestellt sein. Sie können sich in der Customer Journey an verschiedenen Stellen positionieren und verschiedenste „Pain Points“ des Kunden lösen.
Insurtechs setzen also präzise dort an, wo klassische Versicherer ihre Schwachstellen haben und suchen aktiv nach der besten Lösung. Damit werden sie zwangsläufig für Veränderungen sorgen und einen Innovationsschub vorantreiben. Für die Versicherer kann dies eine Bedrohung bedeuten, da einige Insurtechs auch alternative Produkte anbieten. Es ist jedoch auch eine Möglichkeit, Digitalisierung im Sinne des Kunden voranzutreiben.
Da die Start-up-Branche extrem schnell ist, ist ein früher Einstieg der Versicherer in erfolgsversprechende Projekte maßgeblich. Dazu braucht es bei den Versicherern klare Kriterien um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. „Um Investitionsentscheidungen zu treffen ist eine systematische Auseinandersetzung wichtig, die das Insurtech bewertet, aber auch den resultierenden Kundennutzen analysiert. Nur wenn der Kunde einen signifikanten Mehrwert erkennt, ist das Insurtech erfolgsversprechend“, stellt Torben Tietz, Partner bei MSR Insights klar.
MSR Insights analysiert Erwartungen, Zufriedenheit und das Verhalten von Kunden, Vertriebspartnern und Mitarbeitern. Gemeinsam mit dem Digitaldienstleister .dotkomm und dem Branchennetzwerk AMC hat MSR Insights die Studie im Herbst 2016 erstellt.
Welche Einflussfaktoren wichtig sind
„Was sehen Investoren als zentralen Nutzen bei Insurtechs an? Woran machen Investoren fest, ob sie sich an einem Insurtech beteiligen? Diese Fragen haben wir Investoren in unserer Studie gestellt, um Entscheidungskriterien zu identifizieren. Investoren haben schon seit einigen Jahren das Potenzial von Insurtechs erkannt, das Versicherungsgeschäft nachhaltig zu verändern“, sagt .dotkomm-Geschäftsführer Ingo Gregus. dotkomm entwickelt Webseiten und Onlineshops auf Neuromarketingbasis, und das mit überdurchschnittlichen Erfolgen bei Response und Conversion.
Die folgende Abbildung stellt die Einflussfaktoren bei der Bewertung von Insurtechs durch Investoren dar. Nur, wenn alle Teilbereiche Erfolge versprechen, kommt eine Investition infrage.

„Wir können die Grenzen austesten und Dinge ausprobieren“, sagt Situative-Gründer Lennart Wulff. Das sehen auch die Investoren so. Die befragten Experten sind sich einig, dass Insurtechs aufgrund der Unternehmensgröße und -kultur wesentlich agiler sind. So können sie schneller auf Entwicklungen im Markt reagieren. Die Produktzyklen sind extrem kurz. Produkt- beziehungsweise Geschäftsideen können direkt und schnell am Markt getestet werden. Damit haben sie einen direkten Wettbewerbsvorsprung gegenüber klassischen Versicherern.
Zudem ist die Anpassung der Gründungsidee im weiteren Verlauf der Geschäftsentwicklung meist relativ einfach. Insurtechs sind durch ihre Flexibilität geprägt und können damit die eher starren Strukturen klassischer Versicherer erfolgreich ergänzen. Für Investoren ist dabei zentral, dass das Geschäftsmodell nicht einfach zu kopieren ist. Das Insurtech sollte ein Alleinstellungsmerkmal haben, dass einen langfristigen Erfolg im Markt sichern kann.
Hoher Automatisierungsgrad ist oft Pflicht
Damit Insurtechs auch ökonomisch rentabel sind, peilen sie häufig einen großen Automatisierungsgrad an. Durch standardisierte Services und Produkte können automatisierte Strukturen geschaffen und auf verschiedene Versicherer übertragen werden. Wenn diese funktionieren, ist auch eine schnelle Übertragung in andere Märkte realisierbar. Der reglementierte deutsche Markt bietet dabei eine gute Ausgangsbasis für internationalen Erfolg. Wer sein Konzept hier erfolgreich umsetzt, schafft das auch in anderen Ländern.
Ein weiterer zentraler Faktor bei der Bewertung ist die Expertise, die in den Gründern und Mitarbeitern des Insurtechs vereint ist. Versicherungswissen hilft dabei, Regularien im Blick zu haben und die Erwartungen der Kunden an ein Versicherungsprodukt zu verstehen. Zu Beginn ist nur eine überschaubare Zahl an Mitarbeitern notwendig, um Ideen erste Konturen zu geben. Bei den digitalen Angeboten ist natürlich auch der Zugang zu IT-Fähigkeiten extrem wichtig.
Auffangbecken für junge Talente
Die Attraktivität, die Start-ups nach wie vor für viele junge Talente verkörpern, kann auch genutzt werden um schnelles Wachstum zu schaffen. Häufig akquirieren diese Anbieter Mitarbeiter, die sonst nicht zwangsläufig in die Versicherungsbranche gehen würden. Gezielte Kooperationen bieten daher auch Zugriff auf einen Talentpool, der sonst nicht für Versicherer zu erschließen wäre.
Über das reine Know-how hinaus ist aber auch das Netzwerk in der Versicherungsbranche wichtig. Das ist eine Notwendigkeit, die Themen und Ideen des Insurtechs auch angemessen platzieren zu können. Erfolgskritisch ist „ein Kontakt zu den höheren Führungsebenen“, so Lennart Wulff vom Insurtech Situative. An diesem Punkt können allerdings die Investoren häufig auch auf ihr Netzwerk zurückgreifen und Start-ups unterstützen.
Das größte Asset der Insurtechs ist die starke Kundenzentrierung – und das ist gleichzeitig die größte Gefahr für Versicherer. Die Versicherer müssen agiler werden, um mithalten und schnell auf verändertes Kundenverhalten reagieren zu können. Sie können Kooperationen mit Insurtechs dafür nutzen.
Investoren sehen auch dieses große Potential. Allein der deutsche Markt sammelte 2016 über 82 Millionen US-Dollar ein. Er zeigt damit, dass die Kapitalgrundlage vorhanden ist und dass sich Versicherer auch in Zukunft stark mit Insurtechs auseinandersetzen werden müssen.
Die vorgestellten Ergebnisse wurden im Rahmen einer Studie von MSR, .dotkomm und dem AMC durch Einzelinterviews mit Gründern, Versicherern und Investoren erarbeitet, um eine umfassende Marktsicht darzustellen. Dazu wurden unter anderem mit Barmenia, Community Life, IBM, Knip, Moneymeets, Rocket Internet, Situative und der Württembergischen Expertengespräche geführt.
Ergänzend wurde die Kundensicht in einer umfassenden Online-Community erarbeitet. Daher können Markt- und Kundenperspektive sinnvoll miteinander verknüpft werden, um so das Potenzial von Insurtechs systematisch zu bewerten.
Weitere Informationen zur Studie und zur Bestellung gibt es hier.
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