Umfrage und Faktencheck

Jeder zweite Deutsche schätzt Brandgefahr von E-Autos falsch ein

Die Hälfte der Deutschen glaubt einer DEVK-Umfrage zufolge, Elektroautos würden häufiger in Brand geraten als Benziner oder Diesel. Damit liegen die laut dem aktuellen Kenntnisstand des Versicherers jedoch falsch. Tatsache ist jedoch: Von Stromern gehen völlig andere Gefahren aus.
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Ein Feuerwehrmann löscht ein brennendes Fahrzeug: E-Autos sind nicht brandanfälliger als Benziner und Co.

Die Deutschen haben mehrheitlich noch keine Erfahrung mit Stromern – sehr wohl aber eine Meinung dazu. So gehen 49 Prozent der über 18-Jährigen davon aus, dass Brände bei E-Autos häufiger vorkommen als bei Dieseln oder Benzinern (siehe Grafik). Das zeigt eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Versicherers DEVK. Bei den über 55-Jährigen sind es sogar 55 Prozent – dagegen nur 35 Prozent bei jungen Leuten bis 24 Jahren.

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Damit liegen sie dem aktuellen Kenntnisstand der DEVK jedoch falsch. Denn der Versicherer hat im Jahr 2021 bis einschließlich Oktober noch keinen einzigen Brand eines Pkw mit E-Kennzeichen verzeichnet – und noch nie zuvor habe es innerhalb eines Jahres mehr Zulassungen für Stromer gegeben, ergänzen die Studienautoren. So habe das Kraftfahrt-Bundesamt von Januar bis Oktober dieses Jahres mehr als 267.000 Neuzulassungen von E-Pkw registriert.

Und auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schätzt das Brandrisiko als moderat ein: „Aus unseren Statistiken gibt es bisher keinerlei Hinweise, dass Elektrofahrzeuge häufiger brennen als Autos mit Verbrennungsmotor“, sagte Alexander Küsel, Leiter der GDV-Schadenverhütung, gegenüber der DEVK.

E-Autos haben bei den Deutschen den Ruf, öfter als Diesel oder Benziner von Bränden betroffen zu sein. Statistisch gibt es dafür allerdings keine Hinweise, so der Hinweis der DEVK.
Brände nicht häufiger, aber heftiger

E-Autos brennen also nach aktuellem Kenntnisstand nicht häufiger als Benziner oder Diesel. Aber: „Wenn bei Elektroautos die Antriebsbatterien brennen, sind sie allerdings viel schwerer zu löschen als herkömmliche Fahrzeuge“, weiß Nils Büker, Schadenspezialist der DEVK Rückversicherungs- und Beteiligungs-AG, kurz DEVK Re. „Sie brennen aufgrund der chemischen Reaktionen innerhalb der Batterie, die das Feuer immer wieder anfachen, deutlich länger und deutlich heißer als Verbrenner. E-Autos können derzeit kaum, oder nur mit extrem viel Wasser über einen langen Zeitraum gelöscht werden.“

Das bestätigt auch Peter Bachmeier, Vorsitzender des Fachausschusses Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz der deutschen Feuerwehren: „Ein normales Auto löschen wir in einer Viertelstunde und brauchen dafür 500 Liter Wasser“, erklärte er gegenüber dem Versicherer. „Beim E-Auto sind wir hingegen oft zwei bis drei Stunden beschäftigt und brauchen 10.000 Liter Wasser.“ Anschließend müsse das Fahrzeug dann noch 72 Stunden beobachtet werden, weil die Batterie erneut Feuer fangen könne.

Seite 2: Was das Brandrisiko eines Stromers erhöht

Ferner zeigt die Studie: Gezielt nach dem Brandrisiko je Antriebsart gefragt, vermuten mit Abstand die meisten Deutschen (35 Prozent), dass rein elektrische Antriebe am häufigsten betroffen sind. 10 Prozent halten Benziner für brandgefährlich, 7 Prozent Autogas und 4 Prozent Diesel. Wasserstoff- und Hybridantriebe gelten mit jeweils 3 Prozent offenbar als unbedenklich. Richtig ist: Benzin ist leichter entzündlich als Diesel. Mit Autogas und Wasserstoff betriebene Autos können im Brandfall aber explodieren.

Interessant ist zudem: Hybridfahrzeuge vereinten insgesamt zwar mehrere Gefahrenquellen, jedoch in geringerem Umfang, schreiben die Studienautoren. Denn die Batterie sei deutlich kleiner als bei einem reinen E-Auto und es sei auch weniger Sprit im Tank als bei einem vergleichbaren Verbrenner.

Was das Brandrisiko eines Stromers erhöht

Aber welche Faktoren erhöhen überhaupt das Brandrisiko eines E-Autos? Auch das wollten die Studienautoren von den Umfrageteilnehmern wissen. Es zeigt sich: 37 Prozent der Deutschen tippen auf das Alter der Batterie, 35 Prozent auf Produktionsmängel und 32 Prozent auf einen Unfall als Auslöser. Bis zu drei Antworten waren möglich. Auch der Ladevorgang wird tendenziell als gefährlich eingeschätzt (28 Prozent). Bedienungsfehler (14 Prozent) oder die Außentemperatur (9 Prozent) erscheinen dagegen eher unerheblich.

Nils Büker klärt auf: „Aufgrund des noch relativ kurzen Beobachtungszeitraums und der extrem schnellen Weiterentwicklung der Technik bei E-Autos sind Aussagen über Feuergefahren schwer.“ Eine Analyse nationaler und internationaler Studien zu Lithium-Ionen-Akkus zeige jedoch, dass vor allem der Ladevorgang, die Tiefenentladung und die Beschädigungen zum Batteriebrand führen könnten, so der Experte.

Das Fazit

Fassen wir zusammen: Dass Stromer häufiger in Brand geraten als andere Autos, ist ein Vorurteil. Von Elektroautos gehen allerdings andere Gefahren aus. Umso wichtiger ist es für alle, die ein E-Auto besitzen, gut versichert zu sein. So könne es der DEVK zufolge im Schadenfall vor allem sinnvoll sein, das Fahrzeug in einer Markenwerkstatt reparieren zu lassen.

Autorin

Juliana Demski gehörte dem Pfeffi-Team seit 2016 an. Sie war Redakteurin und Social-Media-Managerin bei Pfefferminzia. Das Unternehmen hat sie im Januar 2024 verlassen.

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