Potenzial ohne Angebot

Telematik-Tarife: Praktisch, aber mit Hindernissen

Telematik gilt als Schlüssel zu sichereren Fuhrparks. Aber sie setzen sich nicht so richtig durch – und deutsche Versicherer halten sich mit dem Angebot noch zurück. Eine Bestandsaufnahme.
Dashcam im Auto: Grundsätzlich erlaubt, aber sie muss die Regeln zum Datenschutz einhalten
© picture alliance / Manfred Segerer
Dashcam im Auto: Grundsätzlich erlaubt, aber sie muss die Regeln zum Datenschutz einhalten

Die KFZ-Versicherung ächzt unter steigenden Kosten. Laut Versicherungsverband GDV kostete ein Sachschaden in der KFZ-Haftpflicht 2024 im Schnitt 4.250 Euro – fast 60 Prozent mehr als noch 2017. Grund sind vor allem explodierende Werkstatt- und Ersatzteilkosten: Die Stundensätze für Karosserie- und Lackierarbeiten legten seit 2017 um rund 50 Prozent zu, allein im vergangenen Jahr stiegen sie um weitere 8 Prozent, während sich Ersatzteile um etwa 6 Prozent verteuerten. Die KFZ-Versicherer selbst verbuchten dadurch in den vergangenen zwei Jahren branchenweite Verluste von fast 5 Milliarden Euro.

Die Folge sind kräftige Beitragserhöhungen – auch und gerade bei Flotten: Während private Neukunden 2025 im Schnitt rund 16 Prozent mehr für ihre KFZ-Versicherung zahlten, rechnen Branchenkenner bei Flottenversicherungen mit Aufschlägen von 10 bis 25 Prozent, in Einzelfällen mit einem angespannten Schadenverlauf auch deutlich mehr.

Für Unternehmen mit größeren Fuhrparks bedeutet das Geldsorgen – und Druck, das Schadenrisiko und damit die Kosten in der eigenen Flotte zu senken.

Weniger Probleme dank Telematik

Hier setzt Telematik an: KI-gestützte Dashcams und Fahrerbewertungssysteme erkennen riskantes Verhalten wie abruptes Bremsen, starkes Beschleunigen oder unaufmerksames Fahren und geben den Fahrern in Echtzeit Rückmeldung. Das führt nachweislich zu einem sichereren Fahrstil.

Wie wirkungsvoll das sein kann, zeigen Beispiele aus der Logistikbranche, die das Portal „Taxi heute“ recherchiert hat: Der Kurierdienstleister DHL Express konnte demnach durch eine Telematik-Lösung die Zahl schwerer Verkehrsvorfälle um 65 Prozent senken und die unfallbedingten Kosten um 49 Prozent zurückfahren. Die Gebrüder Bermes Spedition verzeichnete nach Einführung eines vergleichbaren Systems einen Rückgang riskanter Fahrmanöver um rund 90 Prozent. Auch eine vorausschauende Wartungsfunktion, die Probleme an den Wagen früh meldet, trägt dazu bei, Ausfälle und Folgeschäden zu vermeiden.

Telematik in Fahrzeugflotten (Quelle: Dataforce, Illustration: Freepik / Magnific.com)
Telematik in Fahrzeugflotten (Quelle: Dataforce, Illustration: Freepik / Magnific.com)

 

Also bieten die KFZ-Versicherer ihren Flottenkunden doch sicherlich Telematik-Tarife an, oder? Nö. Die Beitragsberechnung im Fuhrpark-Geschäft erfolgt klassisch über Schadenfreiheitsrabatt- oder Stückpreismodelle, vielleicht mal ergänzt um weiche Tarifmerkmale wie Fahrerkreis, Fahrleistung oder Abstellort.

Bremsender Datenschutz

Ein Grund dafür könnte im Datenschutz liegen: Die Erfassung des Fahrverhaltens greift tief in das Persönlichkeitsrecht der Mitarbeitenden ein. Nach Paragraf 26 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) dürfen personenbezogene Daten nur erhoben werden, wenn sie für das Vertragsverhältnis erforderlich sind – Kontrollzwecke reichen nicht aus.

Will ein Arbeitgeber Telematik in Dienstfahrzeugen einführen, braucht er zudem die Zustimmung des Betriebsrats. Das regelt Paragraf 87 Absatz 1 Nummer 6 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG). Bei privat mitgenutzten Dienstwagen wäre eine Überwachung des Fahrverhaltens ohnehin nicht erlaubt.

Dass Fuhrparks Telematik ohne Prämienanreiz trotzdem nutzen, belegt eine aktuelle Untersuchung von Dataforce: Rund ein Drittel der Fuhrparks ab 20 Fahrzeugen setzt Telematik ein – ein Wert, der sich seit 2019 kaum verändert hat (damals 36 Prozent, 2024 33 Prozent). Bei kleineren Flotten mit 5 bis 19 Fahrzeugen ist die Nutzung mit aktuell 18 Prozent zwar leicht steigend, insgesamt bleibt der Markt aber überschaubar. Nur etwa 5 Prozent der Fuhrparkverantwortlichen ohne Telematik planen, diese Technik innerhalb der kommenden zwölf Monate neu einzuführen.

Als größte Hürden nennen sie, dass Telematik für die eigene Arbeit schlicht nicht nötig sei (45 Prozent) oder der Kosten-Nutzen-Faktor zu gering ausfalle (34 Prozent); Datenschutzbedenken (23 Prozent) und eine mögliche Blockade durch den Betriebsrat (9 Prozent) kommen hinzu.

Wo Telematik eingesetzt wird, dient sie vor allem der GPS-Ortung, der Routenoptimierung und dem elektronischen Fahrtenbuch. Sicherer fahren und Geld sparen sind (noch) eher keine Motive.

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Autorin

Karen

Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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