Raser zur Räson

Wie die Versicherungsbranche Fahrverbote ersetzen würde

Fahrverbote ziehen nicht immer. Viele tausende Menschen fahren in Deutschland Auto, obwohl sie das gar nicht dürften. Jetzt biegt die Versicherungsbranche mit einer Idee um die Ecke, wie man diese Gefahr bekämpfen könnte.
Blaulichter Einsatz bei Verkehrskontrolle, Beamte kontrollieren Fahrzeuge auf der Straße.
© picture alliance / HMB Media | Heiko Becker
Verkehrskontrolle der Polizei: 89 Prozent derjenigen, die gar nicht fahren dürften, wurden noch nie kontrolliert

Menschen ohne Führerschein oder gar mit Fahrverbot bauten im vergangenen Jahr über 7.000 Unfälle. Die meisten von ihnen sind Männer. Dabei töteten sie 93 Menschen und verletzten 1.473 schwer. Nicht gerade wenig dafür, dass sie eigentlich gar nicht hinterm Steuer sitzen dürften.

Und das sind nur die, bei denen was schiefging. Denn 2024 wurden über 42.000 Menschen dafür verurteilt, dass sie am Steuer saßen, das aber nicht durften. Meist mussten sie den Lappen wegen Alkohol, Drogen oder Medikamenten am Steuer oder anderer schwerer oder wiederholter Verkehrsdelikte abgeben. Und doch fuhren sie weiter.

Jetzt zeigt eine wissenschaftliche Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), wie man die Gefahr senken könnte: durch psychologische Hilfe.

So fragt die UDV, ob es denn immer gleich das Fahrverbot sein muss. Warum nicht stattdessen versuchen, das Verhalten der Menschen zu verändern? Wem etwa ein Fahrverbot von mehr als einem Monat droht, weil er raste, drängelte oder unter Alkohol fuhr, könnte auch an einem psychologischen Programm mit Seminaren und Einzeltherapiesitzungen teilnehmen. Das müsste man freilich erst noch entwickeln. Aber es könnte helfen, festgefahrene Verhaltensmuster aufzubrechen und zu ändern.

Experimente der UDV zeigen hohe Bereitschaft trotz Aufwand und Kosten. Die Teilnehmer dürften dann weiter fahren (was wahrscheinlich der höchste Anreiz ist). Bußgelder und Punkte im Fahreignungsregister (in Flensburg) blieben jedoch bestehen.

Um das alles herauszufinden, untersuchte die UDV, warum Menschen unerlaubt fahren. Sie wertete Daten der amtlichen Unfallstatistik und des Fahreignungsregisters aus, befragte online und telefonisch knapp 7.500 Betroffene, führte qualitative Tiefeninterviews zusammen mit Verkehrspsychologen, Rechtswissenschaftlern und Polizei sowie zwei Online-Experimente durch.

Diese vielen Gespräche lassen übrigens ganz nebenbei durchblicken, wie riesig die Dunkelziffer auf dem Gebiet der verbotenen Fahrten sein muss. Denn 89 Prozent der Befragten sagten, dass sie nie kontrolliert wurden. Und dementsprechend auch nicht ertappt.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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