Die Kfz-Versicherer haben die Massenkarambolage vom 19. März auf der Autobahn A9 nahe Ingolstadt als sogenannten Massenunfall eingestuft. Damals waren mehr als 40 Fahrzeuge ins Unfallgeschehen verwickelt. Damit greift das für solche Fälle vereinfachte Verfahren zur Schadenregulierung, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Dienstag mitteilte.
Die entsprechende Hürde für die Anerkennung als Massenunfall hatten die Versicherer bereits im Jahr 2015 von 50 auf 40 Fahrzeuge gesenkt. Daher gilt das erleichterte Verfahren für den Unfall auf der A3 bei Idstein von Ostermontag nicht. 16 Fahrzeuge waren darin verwickelt als ein Unwetter mit Sturm, Schnee und Hagel plötzlich einsetzte.
Darauf folgt, dass sowohl Fahrer als auch Insassen der beteiligten Fahrzeuge sich als direkt an den jeweiligen Kfz-Haftpflichtversicherer wenden können, um Personen- oder Sachschäden ersetzt zu bekommen. Die Regelung sieht außerdem vor, dass Versicherte auch ohne eine Kaskoversicherung die Schäden am eigenen Auto ersetzt bekommen. „Bei einem normalen Unfall ohne nachweisbaren Verursacher wären diese dagegen ausschließlich über die Kaskoversicherung abgedeckt“, erklärte der GDV. Weiterer Vorteil des vereinfachten Regulierungsverfahrens für die Autofahrer sei, dass alle Schäden am Auto grundsätzlich zu 100 Prozent von den Kfz-Haftpflichtversicherern übernommen würden.
Ziel des vereinfachten Verfahrens sei es, den Beteiligten einer Massenkarambolage rasch und unkompliziert Hilfe zukommen zu lassen. Da die Situation oft unübersichtlich sei und der Unfallhergang nicht eindeutig rekonstruiert werden könne, würden andere Regeln greifen als bei einem normalen Unfall, so der Verband.
Die Einstufung als Massenunfall ist grundsätzlich an drei Bedingungen geknüpft, die im aktuellen Fall von der im GDV zuständigen Kommission alle als erfüllt angesehen wurden:
Vor diesen neuen Regeln aus dem Jahr 2015 trugen die im GDV organisierten Kfz-Versicherer laut dem Verband nur bei einem reinen Heckschaden 100 Prozent der Kosten. Bei Schäden an Front und Heck sowie bei Totalschäden hätten die Versicherer zuvor nur zwei Drittel, bei einem reinen Frontschaden 25 Prozent der Kosten übernommen. Zuständig für die Schadenregulierung seien außerdem oft nicht die eigenen Kfz-Haftpflichtversicherer, sondern andere beauftragte Versicherungsunternehmen gewesen.
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