Deutsche KFZ-Versicherer wollen die Bedenken der niederländischen Univé nicht teilen und auch nicht dieselben Maßnahmen ergreifen. Zumindest vorerst nicht, denn sie beobachten den Markt durchaus.
Denn was ist dort los, in unserem Nachbarland? Offenbar gibt es Probleme mit chinesischen Autos. Zwar steigt deren Absatz schnell, doch der Service hinkt hinterher. Von sehr langen Lieferzeiten für Ersatzteile ist die Rede, ebenso wie vom zu dünnen Werkstattnetz.
„Ein Auto kann auf dem Papier im Vergleich hervorragend abschneiden, aber erst nach einem Schaden zeigt sich, wie gut die Organisation hinter der Marke ist“, sagt Henkjan Matthijs, Manager für Mobilität bei Univé. „Wenn Ersatzteile, technische Unterstützung und ein gutes Reparaturnetzwerk fehlen, kann selbst ein geringfügiger Schaden zu langen Wartezeiten und unerwartet hohen Kosten führen.“
Doch das betrifft nicht nur chinesische Marken. Als Beispiel nennt Matthijs nämlich ein amerikanisches Elektroauto-Modell, das vor gut drei Jahren auf den Markt kam. Ein kleiner Riss in der Vorderachse führte dazu, dass es zum Totalschaden erklärt wurde. Die verfügbare Reparaturanleitung schrieb vor, dass die gesamte Karosserie ausgetauscht werden musste.
Also zieht Univé – nicht nur für chinesische Marken – Konsequenzen: Mit Hongqi, Changan, Voyah, KGM, Leapmotor, Vinfast, Jaecoo, MHero und Omoda schließt er gleich neun Marken vom Versicherungsschutz aus. Das meldet er jedoch nicht selbst, sondern das Magazin „L’Automobile“. Demnach soll es für weitere vier Marken nur die KFZ-Haftpflichtversicherung geben, aber nichts weiter.
„L’Automobile“ betont jedoch, dass die Mängel nicht alle chinesischen Automarken betreffen. Der weltgrößte Auto-Hersteller BYD zum Beispiel habe seinen Kundendienst intensiv ausgebaut. Auch Univé nennt BYD als Positivbeispiel, wie sich „Ersatzteilversorgung, technische Unterstützung und ein Netzwerk qualifizierter Reparaturbetriebe“ recht schnell aufbauen lassen.
Doch wie sieht es in Deutschland aus. Stichprobenartige Anfragen ergeben: noch ruhig. Keine Automarke wird bislang ausgeschlossen. Die Kravag bemerkt zwar „Probleme bei der Schadenregulierung“ mit chinesischen Autos. Doch der Anteil am Gesamtbestand sei gering.
Von der Itzehoer heißt es sogar: „Weder bemerken wir ähnliche Schäden wie Univé noch sind bestimmte Marken schwieriger zu versichern. Wir lehnen keine Marken ab. Entsprechend dem steigenden Marktanteil spiegelt unser Portfolio auch chinesische Hersteller wider.“
Ebenfalls weiterhin voll dabei ist die VHV Allgemeine Versicherung. Wenngleich man genau hinschaut. „Die weitere Entwicklung, insbesondere hinsichtlich der Verfügbarkeit von Ersatzteilen und der damit verbundenen Auswirkungen auf die Schadenregulierung, beobachten wir aufmerksam und prüfen diese fortlaufend“, heißt es auf Anfrage.
Ähnlich äußerte sich auch Deutschlands größter KFZ-Versicherer, die Huk-Coburg, gegenüber dem Magazin „Procontra“. Demnach schließt auch die Huk niemanden aus, beobachtet aber die Lage sehr genau.
Für KFZ-Versicherer freilich eine legitime Vorgehensweise.
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