Der Cyber-Assekuradeur Cogitanda hat sich gegenüber seinem Kritiker, dem Makler Stefan Rumpp erklärt. Dazu schickte er ihm ein Schreiben, das Pfefferminzia vorliegt. Rumpp hatte vor etwa einem Monat Cogitanda in einem offenen Brief angegriffen. Neben seiner Arbeit als Makler ist er auch Vorstandschef der Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler (IGVM).
Das Antwortschreiben wiederum haben Cogitanda-Chef Jens Lison und der Direktor Maklervertrieb Christopher Quast unterzeichnet. Datiert ist es auf den 12. August. An Quast hatte Rumpp seinen offenen Brief gerichtet. Zunächst baten die Verfasser um Entschuldigung, dass es mit der eigentlich anberaumten Videoschalte nicht geklappt hatte (mehr dazu hier). Im Folgenden wollen wir darauf eingehen, wie sich Cogitanda zu den einzelnen Themen äußert.
Obliegenheiten
Rumpps Vorwurf lautete: „In der Vergangenheit wurden tiefgreifende Änderungen in den Bereichen Bedingungen, Obliegenheiten und Annahmerichtlinien häufig schnell und ohne Rücksprache mit den Maklern beschlossen, nur um sie später erneut und wiederum ohne Rücksprache zu modifizieren.“
Die Cogitanda hält dagegen. Man habe bislang Obliegenheiten individuell vereinbart, um Kunden „einen fairen Zugang zum Thema Cyberversicherung zu ermöglichen“, heißt es in dem Schreiben. Gleiches gelte auch für die Annahmerichtlinien – man gehe so vor, um eine „kundenwohlwollende“ Entscheidung zu finden.
Versicherungsbedingungen
Cogitanda selbst meint, dass sie die Versicherungsbedingungen eher selten aktualisiert hat. Zuletzt am 5. Februar 2021 und am 26. Oktober 2023. Und dabei habe sie zugunsten der Kunden die Deckungen erweitert und Dinge klargestellt.
Unterjährige Risikoprüfungen
Zunächst etwas grundsätzliches: „Aufgrund der massiven Zunahme an Cyberangriffen führen wir im Rahmen der Vertragsverlängerung bei ausgewählten Risiken eine gründliche Risikoprüfung durch. Diese Überprüfung erfolgt auch bei unterjährigen Hauptfälligkeiten.“
Dass manche Risikofragen dabei etwas weiter gehen, sei marktüblich, heißt es weiter. Bei „der überwiegenden Anzahl der Fälle“ beschränke man sich allerdings weiter auf acht Risikofragen.
Seite 2: Die Sache mit der gesenkten Courtage
Die veränderte Zeichnungspolitik indes habe man ebenso wie die Informationen zu Vertragserneuerungen „frühzeitig und ausführlich“ mitgeteilt. Dafür habe man unterschiedliche Wege genutzt: persönliche Infos durch Maklerbetreuer, Newsletter mehrere Webinare auf „Cogitanda TV“.
Jahresmeldebogen
Hier lautete der Vorwurf unter anderem: „Die Unterlagen werden nicht in moderner digitaler Form (Bipro / GDV), sondern als PDF-Anhang an eine E-Mail versendet, was eine händische Bearbeitung jedes Vorgangs erfordert.“
Auch dagegen verwahren sich die Cogitanda-Leute. Der verwendete Jahresmeldebogen als PDF-Formular sei „ein standardisiertes Verfahren, das sich in den vergangenen Jahren etabliert hat“ und das auch andere Versicherer nutzen würden. Makler hätten flexible Möglichkeiten, ihn einzureichen und bekämen dabei außerdem Hilfe. Ob direkt vom Kunden an den Versicherer oder zusammen mit dem Kunden oder direkt vom Makler – jeder Weg sei möglich, heißt es im Schreiben.
Man prüfe ständig, wie sich der Datenaustausch vereinfachen lässt und wie man Abläufe in Neugeschäft und Bestandsverwaltung optimieren kann. Allerdings habe man bisher nie versprochen, dass man eine Schnittstelle mit dem Branchenstandard Bipro biete.
Courtage
Und das besonders heikle Thema: Cogitanda hatte die Provisionssätze gesenkt. Wohlgemerkt, von zuvor über dem Marktdurchschnitt auf anschließend leicht darunter. Man halte eine Courtage von 17,5 Prozent für marktgerecht, heißt es nun auch im Schreiben.
Kritische Rückmeldungen aus der Maklerschaft nehme man ernst. Man wolle „mit allen Maklern den direkten Austausch suchen und offene Fragen klären“, so Cogitanda. Im Übrigen habe „mittlerweile ein deutlich überwiegender Teil der angesprochenen Makler unser Angebot eines neuen Kooperationsvertrags angenommen“. Und jeden Tag kämen weitere hinzu. Lediglich 1,5 Prozent der Makler hätten sich dagegen entschieden. Man gehe davon aus, dass die Zahl nicht mehr bedeutend steigt.
Der Adressat des Schreibens, Stefan Rumpp, zweifelt die Zahl hingegen an, wenngleich er sie nicht nachprüfen kann, wie er selbst sagt. „Allein das Verfahren, man kann ja nur annehmen oder seine Courtageansprüche komplett verlieren, spricht allerdings eine deutliche Sprache“, so der Makler.
Um die Sache zumindest ein bisschen greifen zu können, hat der IGVM auf Facebook eine Umfrage gestartet. Ein Nutzer vermutet in der Gruppe, dass die Widersprüche beim Versicherer nicht richtig bearbeitet werden. Er selbst habe per E-Mail der neuen Courtage-Vereinbarung widersprochen, bekomme aber nach wie vor in kurzen Abständen immer wieder Erinnerungen.