Natürlich stimmt auch diese Studie erst einmal in den allgemeinen Blues mit ein, den die Wirtschaft seit Monaten spielt. Die Welt ist aus den Fugen. Spannungen nehmen zu. Unternehmen wandern ab. Die Rede ist von der Studie „Marktprognose 2025 – Der deutsche Versicherungsmarkt im Fokus“, die der Großmakler Aon jetzt vorgelegt hat. Unter anderem geht es darin um die Gewerbeversicherung.
Folgende vier Probleme machen demnach Unternehmen in Deutschland besonders zu schaffen:
Zugleich steigen die IT-Risiken wie etwa durch Cyberangriffe. Und der Handelsstreit mit USA und China erhöht zusätzlich den Druck auf deutsche Unternehmen.
Doch der Tonfall ändert sich in jenem Studienteil, in dem es um einzelne Sparten in der Gewerbeversicherung und deren Ausblick auf 2025 geht. Von stabilen Preisen und Prämien ist die Rede. Von Schaden-Kosten-Quoten deutlich unter 100 Prozent (wovon beispielsweise die KFZ-Versicherung nur träumen kann). Wie geht es also in diesem Jahr weiter? Darüber haben sich die Studienautoren der Aon ihre Gedanken gemacht. Einige wichtige Punkte geben wir hier wieder.
Offenbar sortieren Versicherer weiter stark nach Risiko aus. Sind die Risiken akzeptabel, steigt die Konkurrenz dort – und die Prämien bleiben stabil. Wo aber die Nachfrage nach Versicherungsschutz hoch bleibt, „wird die Preisdisziplin der Versicherer abnehmen“ *). Versicherer bieten verstärkt Verträge über zwei Jahre an, zeigt sich Thomas Markert, Leiter Strategie und Produktentwicklung bei Aon Deutschland, überzeugt.
Empfinden Versicherer Risiken als zu hoch, sieht Markert die Unternehmenskunden unter Zugzwang. Sie sollten „hohe Aufmerksamkeit auf Investitionen in die Schadenprävention legen“, schreibt er. Heißt: Risiken vorbeugen!
Insgesamt verzeichnet er für industrielle Sachversicherungen 2024 um 9 Prozent gewachsene Beiträge. Die Schaden-Kosten-Quote blieb trotzdem mit halbwegs profitablen 98 Prozent nur leicht unter dem Wert vom Vorjahr (99,8 Prozent).
Dort soll es kräftig vorangehen. Denn Aon-Mann Thomas Gahr („Head of Line Liability“) meldet, dass die Versicherer Lust auf Risiken verspüren und wachsen wollen. Solche Konkurrenzlust drückt die Prämien, vor allem in risikoärmeren Branchen. Dort dürfen sich Unternehmen also auf sinkende Prämien freuen.
Aber nur dort. Sind die Risiken hoch und komplex und die Versicherungssummen stattlich, werden auch die Versicherer vorsichtig bleiben. Und teurer.
Allerdings warnt Gahr bei Unternehmen mit US-Geschäft. Dort sei seit Jahren zu beobachten, dass die Großschäden überproportional stark zulegen. Weshalb dort tätige Unternehmen ihre Versicherungssummen überprüfen sollten.
Außerdem könnten Unternehmen künftig stärker haften. „Der Gesetzgeber arbeitet an neuen Haftungsregelungen, unter anderem für Produktsicherheit, Produkthaftung und KI“, schreibt Gahr.
Seite 2: Versicherer kündigen politische Risiken
Auch langlebige oder auch persistente Chemikalien (PFAS), die sich in Umwelt und Körper anreichern, könnten zu schwierigen Gesprächen führen. Denn im Vorfeld eines möglichen weltweiten Verbots schränken einige Versicherer den Schutz jetzt schon ein.
Obwohl Handel und Transport unsicheren Zeiten entgegenfahren, haben Versicherer auch bei der Warentransportversicherung Lust auf neue Risiken. Die guten und vertretbaren.
Welche das sind, darin scheiden sich jedoch die Geister. Jeder Versicherer sieht das offenbar anders. Was wiederum die Unternehmen unter Zugzwang setzt, ihre Risiken gut im Griff zu behalten und Risikoinformationen ordentlich und übersichtlich aufzubereiten und zu übermitteln. Denn danach wird sich stark richten, welches Interesse Versicherer an Risiken mitbringen.
Dann dürfte es aber auch nicht allzu schwierig sein, Transporte zu versichern. Genügend Kapazitäten bringen die Versicherer jedenfalls mit, stellt man bei Aon fest. Sogar für spezielle Sonderrisiken.
Allerdings erwartet man, dass Versicherer nach Russland, Ukraine, Belarus und Rotes Meer auch für weitere, zukünftige Krisenherde politische Risiken kündigen. So schließen die ersten bereits politische Risiken für Israel aus.
Auch hier ist die Konkurrenz offenbar hart, was die Prämien sinken lässt. Neue Versicherer drängen auf den Markt.
Haftungsrisiken von Managern sind weiterhin durch Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen (ESG), Cybersicherheit und durch den Einsatz von KI geprägt. Hinzu kommen wirtschaftliche Unsicherheit im Inland und geopolitische Spannungen. Zudem steigt die Zahl der Insolvenzen weiter, was die Aon-Spezialisten in Bezug auf D&O-Versicherungen vorsichtig werden lässt. Da könnte es wohl noch zu Probleme kommen.
Technische Versicherungen gehören offenbar zu den wenigen mit stabilen Schadenpreisen. Die Schaden-Kosten-Quote liegt bei souveränen 81 Prozent – weshalb Kunden 2025 mit Prämienrabatten rechnen dürfen. Natürlich nur bei überschaubaren Schadenquoten.
Zuletzt traten laut Aon einige Versicherer neu in den Markt. Andere wollen größere Rollen spielen. Was die bisherigen Großen unter Druck setzt.
Außerdem gut für die Kunden: In allen Risikoklassen stehen offenbar ausreichende Kapazitäten zur Verfügung. Hochbau-, Infrastruktur- und Industrievorhaben können auf ein breites Angebot an Risikoträgern zugreifen. Das Preisniveau ist – je nach Risiko – stabil.
Wie bei der Warentransportversicherung wird es zunehmend wichtig, dass Unternehmen Risiken besser vorbeugen und Risikoinformationen transparent aufbereiten.
*) Nachträgliche Anmerkung: Ursprünglich hatten wir in der industriellen Sachversicherung „abnehmende Preisdisziplin“ als „stark steigende Prämien“ interpretiert. Das ist falsch, wir haben die Stelle entfernt und bitten für den Fehler um Entschuldigung.
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2 Antworten
Leider wird der Inhalt der Marktprognose insbesondere zur industriellen Sachversicherung nicht richtig dargestellt. Abnehmende Preisdisziplin der VR bei wünschenswerten Risiken als Preissteigerungen auszulegen ist schlichtweg falsch. Es lohnt sich den Originaltext zu lesen.
Hallo Herr Markert, das war ein Fehler und nicht in Ordnung von mir. Ich habe die problematische Stelle entfernt und danke Ihnen für den Hinweis. Viele Grüße, Andreas Harms