2024 war für die private Krankenversicherung (PKV) ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Der Vertrieb lief gut, während die Leistungsausgaben deutlich stiegen.
Insgesamt blickt die PKV-Branche aber positiv auf das Geschäftsjahr zurück. Zu diesem Ergebnis gelangte die Rating-Agentur Assekurata. Die Analysten befragten zwölf PKV-Unternehmen mit einem Marktanteil von rund 64 Prozent an vollversicherten Personen. Der große Gewinner: Vor allem die betriebliche Krankenversicherung (bKV) konnte kräftig zulegen.
2024 boten rund 56.500 Unternehmen in Deutschland ihren Mitarbeitenden eine bKV an – ein Anstieg von 43,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Zahl der versicherten Beschäftigten nahm deutlich zu und erreichte 2,4 Millionen Personen. Das entspricht einem Wachstum von 16 Prozent.
Die bKV entwickelt sich damit zu einem zentralen Wachstumsfeld innerhalb der PKV. Aber auch die Zahnzusatzversicherung und die Vollversicherung konnten ihre starke Marktposition behaupten.
Beitragseinnahmen über der 50-Milliarden-Euro-Marke
Die Vollversicherung, die in der Vergangenheit unter Bestandsverlusten litt, konnte 2024 zum zweiten Mal in Folge ein leichtes Plus verbuchen. Laut PKV-Verband stieg die Zahl der Vollversicherten um 0,3 Prozent auf 8,7 Millionen Personen. Auch andere Zusatzversicherungen legten weiter zu, sodass die Zahl der Zusatzverträge insgesamt um 4,5 Prozent auf 31,2 Millionen stieg.
Diese Entwicklungen spiegeln sich auch in den Beitragseinnahmen wider: Erstmals überschritten die Kranken- und Pflegeversicherungen gemeinsam die Marke von 50 Milliarden Euro. Die Beitragseinnahmen wuchsen 2024 um 3,4 Prozent auf 50,3 Milliarden Euro.
Für Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will ist das ein klarer Beleg für die Attraktivität der PKV: „Neben dem bisherigen Wachstumstreiber, den privaten Zusatzversicherungen, beobachten wir nun auch wieder einen stärkeren Zulauf in die Vollversicherung.“
Wie hoch die Schadenquote der PKV im Jahr 2024 war und um wieviel Prozent die Beiträge gestiegen sind, erfahren Sie auf der zweiten Seite.
Schadenquote liegt aktuell bei 84,1 Prozent
Trotz dieser positiven Entwicklungen bleibt ein zentrales Problem bestehen: die rapide steigenden Leistungsausgaben. Diese erhöhten sich im Jahr 2024 um fast 10 Prozent auf 39,1 Milliarden Euro. Die Folgen zeigen sich unter anderem in der Schadenquote, die mit aktuell 84,1 Prozent deutlich über dem Niveau der Jahre vor der Corona-Pandemie liegt.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Kostensteigerungen sind gravierend: Die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote sank branchenweit von ohnehin niedrigen 8,6 Prozent im Vorjahr auf 7,2 Prozent.
Auch die Rohergebnisquote, ein zentraler Indikator für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Unternehmen, ging zurück und liegt nun bei rund 9 Prozent. Zwar blieb die Nettoverzinsung mit etwa 2,7 Prozent stabil, konnte aber – anders als im Vorjahr – nicht mehr dazu beitragen, die steigenden Ausgaben zu kompensieren.
Höhere Beiträge und Rückstellungen im Fokus
Für PKV-Versicherte gab es zum Jahresbeginn – ähnlich wie für GKV-Versicherte – unangenehme Nachrichten: Die gestiegenen Leistungsausgaben führten zu deutlich spürbar steigenden Beiträgen für die Versicherten. Durchschnittlich haben die Kassen die Beiträge um etwa 13 Prozent erhöht.
Gleichzeitig nahmen die Versicherer verstärkt Geld aus den Rückstellungen für Beitragsanpassungen (RfB), während die Zuführungen sanken. Die RfB-Quote fiel dadurch von 35,8 Prozent auf 33,5 Prozent. Diese Entwicklung dürfte sich auch im laufenden Jahr fortsetzen.
Ein weiterer Fokus der Unternehmen liegt daher auf dem Gesundheits- und Leistungsmanagement. Durch präventive Maßnahmen im Gesundheitsbereich wollen die PKV-Anbieter Versicherungsfälle möglichst vermeiden. Im Leistungsmanagement setzen viele Anbieter verstärkt auf Digitalisierung und Automatisierung, etwa durch Dunkelverarbeitung und künstliche Intelligenz.
Ausblick: Stabilisierung auf hohem Niveau erwartet
Die befragten Versicherer gehen davon aus, dass sich der starke Anstieg der Leistungsausgaben in den kommenden Jahren etwas abschwächen könnte. Dennoch bleibt das Leistungsniveau insgesamt hoch.
Um künftige Beitragsanstiege zu begrenzen, stehen mehrere Instrumente zur Verfügung: die bereits aufgebauten Rückstellungen, ein konsequentes Gesundheitsmanagement sowie strategische Investitionen in die Vollversicherung.
„Auch die positiven Entwicklungen in der Vollversicherung können zur Beitragsstabilität beitragen. Deshalb richten viele Versicherer ihren Fokus wieder verstärkt auf diesen Bereich – insbesondere auf das Topsegment bei neuen Tarifangeboten“, erklärt Alexander Kraus von Assekurata.
Politische Unsicherheiten bleiben bestehen
Ein Unsicherheitsfaktor bleibt die Gesundheitspolitik. Insbesondere die geplante Reform der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) sorgt für Diskussionen. Wann und in welcher Form sie kommt, ist weiterhin offen. Auch in der Pflege stehen die Versicherer vor Schwierigkeiten bei der Kostenentwicklung und im Vertrieb.