Überraschung

Warken will Beitragsbemessungsgrenze anheben

In den Reformplänen von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) findet sich eine unschöne Überraschung für Gutverdiener. Die Beitragsbemessungsgrenze soll steigen – und damit ihr Krankenkassenbeitrag.
Frau im Gespräch über Beitragsbemessungsgrenze, Beratungssituation.
© picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) bei einer Kabinettssitzung: Die Ministerin will die Beitragsbemessungsgrenze erhöhen.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) um 300 Euro im Monat hinaufsetzen. Aktuell liegt diese Grenze, bis zu der Gutverdiener Krankenkassenbeiträge zahlen müssen, bei 5.812,50 Euro im Monat. Sie würde also auf 6.112,50 Euro steigen.

Das berichtet der „Spiegel“ auf seiner Internet-Seite (kostenpflichtig). Dabei bezieht er sich auf den Referentenentwurf des Gesundheitsministeriums, der ihm vorliegt. Darin hat Warken niederschreiben lassen, wie sie finanziell überlastete GKV reformieren will.

Hohe Mehrbelastung für Gutverdiener und Arbeitgeber

Beim „Spiegel“ zeigt man sich von dem Schritt überrascht, weil von ihm bisher in allen Diskussionen kaum die Rede gewesen sei. Allein die höhere Beitragsbemessungsgrenze soll Versicherte und deren Arbeitgeber mit jeweils 1,2 Milliarden Euro mehrbelasten.

Der PKV-Verband sieht das Vorhaben kritisch: „Die vorgeschlagene Erhöhung der Bemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung erfolgt ohne Not und belastet nach IW-Zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber in einer Größenordnung von mindestens 4,2 Milliarden Euro“, schimpft Florian Reuther, Direktor des PKV-Verbands.

Betroffen wären rund 6,3 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland und ihre Arbeitgeber. Die höhere Beitragsbemessungsgrenze sei „eine Sondersteuer für qualifizierte Fachkräfte und trifft besonders zukunftsträchtige Wachstumsbranchen, auf die wir dringend angewiesen sind“, so Reuther weiter.

Sparpaket soll 2027 rund 20 Milliarden Euro Entlastung bringen

Die außerordentliche Anhebung der Bemessungsgrenze um 3.600 Euro jährlich entspreche bei einem kombinierten Beitragssatz von 17,7 Prozent (GKV) und 4,2 Prozent (SPV) einer Mehrbelastung von rund 788 Euro pro Jahr je betroffenem Arbeitnehmer, rechnet der Verband vor. Das sei ein Anstieg von etwa 5,2 Prozent. Und diese Zusatzbelastung käme zu den ohnehin steigenden Beiträgen hinzu.

Für 2027 hat Warkens Sparpaket ein Volumen von 19,7 Milliarden Euro. Für 2030 sollen es sogar 42,8 Milliarden Euro sein. Neben zahlreichen Sparmaßnahmen (über die wir berichteten) will Warken noch an weiteren Punkten zusätzliches Geld eintreiben: Die vieldiskutierte Mitversicherung von Ehepartnern findet sich in dem Papier. Wer also nicht beschäftigte Ehepartner mitversichern will, soll künftig 3,5 Prozent Zusatzbeitrag aufs eigene Gehalt zahlen. Und der reduzierte Kassenbeitrag für Minijobber soll steigen.

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Autor

Andreas

Harms

Andreas Harms schreibt seit 2005 als Journalist über Themen aus der Finanzwelt. Seit Januar 2022 ist er Redakteur bei der Pfefferminzia Medien GmbH.

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2 Kommentare

  1. Welch ein Hohn, sich darüber zu beschweren. Die geplante Erhöhung der BBG ist deutlich zu niedrig – Gutverdienende zahlen damit . Warum nehmen wir uns nicht ein Beispiel an der Schweiz – da zahlen alle in die gesetzliche KV ein. Hier trifft die Erhöhung mal wieder nur die mittelprächtig Verdienenden. Wo bleibt die Solidarität der hohen Einkommensbeziehenden bzw. der Reichen?
    Und bevor sich meine Berufskolleg:innen aufregen – Keine Sorge – mehr Gerechtigkeit senkt den politischen Extremismus, füllt die Kassen der Sozialversicherungsträger und fordert denen etwas mehr ab – was diese Einkommensschicht nicht wirklich ärmer macht aber den Geringverdienenden deutliche Beitragsentlastungen verspräche.
    Gerade der Gerechtigkeitsgedanke sollte doch gerade von den angeblich „christlichen“ Parteien Abtrieb sein.
    Und für uns als Vermittler:innen würde dann sogar die Anzahl derer steigen, die sich dann auch eine Zusatzversicherungen leisten können.

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