Herr Benda, woran merken Sie in der Beratung, dass es bei einem PKV-Antrag Probleme geben könnte?
Walter Benda: Das ist die zugrundeliegende Annahme! Denn kaum ein Antragsteller kennt seine komplette Krankengeschichte. Und weil die Versicherer im Fall einer vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung, kurz: VVA, manchmal zu fristbedingten Überreaktionen neigen, führt fast kein Weg an der Anforderung der Krankenakte vorbei. Da die aber alle Inhalte zur Kenntnis erhebt, muss hier sauber aufgearbeitet werden. Neun von zehn Krankenakten haben fehlerhafte Einträge, die thematisiert werden müssen – sei es durch Eigenschilderungen, durch Atteste oder die kluge Selektion von Antragsfragen. Im Rahmen der Aufarbeitung sollte auch eine anonyme Risikovoranfrage gestellt werden. Dieses Vorgehen ist ähnlich einer simulierten, vorweggenommenen VVA-Prüfung. Wichtig: Wenn es trotz allem zu einer VVA kommt, sollten Makler aktiv mit dem Kunden kommunizieren und sofort einen rechtlichen Fachmann ins Boot holen. Untätigkeit führt zu Vertrauens- und Kundenverlust und begründet eine Haftung. Wer sauber im Vorfeld arbeitet, schützt seinen Kunden und damit seine Provision.
Welche Schritte gehen Sie konkret, bevor ein PKV-Antrag überhaupt gestellt wird?
Benda: Als erstes erstelle ich eine tabellarische Auflistung der kompletten Akte und filtere die Problem-Diagnosen heraus. Nach möglichen Rückfragen an den Antragsteller zu den Diagnosen schreibe ich die Akte für eine anonyme Risikovoranfrage um und versende sie. Falls es kein zufriedenstellendes Votum des Versicherers gibt, erweitere ich die Voranfrage um weitere Tarife.
Welche Rolle spielen Arztberichte in der Vorbereitung eines Antrags und worauf achten Sie dabei besonders?
Benda: Für manche Probleme sind Arztberichte unverzichtbar. Zum Beispiel, wenn in der Akte steht, dass der „Verdacht“ auf Knochenfehlstellungen wie Skoliose, Knick-Senk-Spreizfuß oder Ähnliches besteht – dies jedoch fehlerhaft als gesichert statt als Verdacht codiert wurde. Das kann der Versicherungsnehmer natürlich klarstellen, doch muss man verstehen, dass ein Prüfer ein Schriftstück braucht, auf dass er sich berufen kann, wenn er begründen muss, warum er die Person versichert hat. Da hilft der Arztbericht. Wer kann, sollte den Bericht nach immer dem gleichen Muster als Vorlage anbieten. Das erleichtert dem Arzt die Arbeit, denn er hat wenig Zeit und bekommt wenig Geld für so einen Bericht. Man sollte es ihm also einfach machen, denn wir wollen ja etwas vom Arzt. Also: Nett sein, dem Arzt das gute Gefühl geben, dass er helfen kann und potenziell einen Privatpatienten gewinnt. Die juristische Keule führt fast immer zu vermeidbaren Problemen. Noch ein Tipp: Den Kunden auf keinen Fall allein loslaufen lassen, denn das verschlimmert die Sache oft nur.
Was raten Sie Vermittlern, damit Gesundheitsangaben und medizinische Unterlagen für den PKV-Antrag so aufbereitet sind, dass Versicherer den Fall realistisch beurteilen können?
Benda: Wer im Schnitt nicht mehrere Fälle pro Woche abwickelt, der hat meist nicht die nötige Kompetenz, um das beste Ergebnis für seinen Kunden zu erreichen. Deshalb: Entweder man kauft sich die Dienstleistung ein oder gibt das Geschäft gegen Provisions-Split ab. Allein wegen der hohen Abschlussprovision ein suboptimales Ergebnis in Kauf zu nehmen, ist unfair gegenüber dem Kunden. Außerdem sollte man bedenken, dass im Schnitt nur aus jeder 50. RVA ein PKV-Antrag wird – was im Umkehrschluss heißt, dass das Geschäft teuer ist. Gute Vermittler fragen nur drei oder vier Gesellschaften an, und ich rate dazu, sich hier nicht nur auf die „Billigheimer“ zu konzentrieren. Die Erfahrung lehrt, dass die hochpreisigen Versicherer kulanter prüfen. Ich nehme fast immer einen oder zweider leistungsstärksten Tarife, denn oft bekommt man hier erstaunlich gute Voten. Ebenfalls wichtig ist eine vollständige RVA, die übersichtlich und für den Prüfer leicht zu lesen ist. Wer noch wenig Erfahrung hat, sollte bei Zweifeln im Vorfeld telefonisch fragen, welche Unterlagen und Informationen zwingend zur Beurteilung notwendig sind. Und falls man nicht das gewünschte Ergebnis erzielen konnte – vielleicht schafft es ein Kollege? Lieber ein Provisions-Split, statt keinen Abschluss.