Vorschlag der SPD zur GKV

„Höhere Beitragsbemessungsgrenze löst keine Strukturprobleme“

Die SPD fordert eine deutliche Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) – doch das stößt auf deutliche Kritik. Versicherungsmaklerin Anja Glorius warnt in ihrem Gastbeitrag: Der Vorschlag ist weder konsistent noch nachhaltig. Warum Mehreinnahmen das eigentliche Problem nicht lösen – und was jetzt wirklich notwendig wäre.
PKV-Spezialistin Anja Glorius von KVoptimal.de
© Anja Glorius
PKV-Spezialistin Anja Glorius von KVoptimal.de

Die Diskussion um eine deutlich steigende Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist in vollem Gange. Die SPD hat sich für diesen Schritt ausgesprochen. Genaugenommen hat ihr Gesundheitsexperte Christos Pantazis vorgeschlagen, die Beitragsbemessungsgrenze um rund 2.500 Euro auf rund 8.000 Euro im Monat anzuheben.

Doch wir sehen diesen Vorschlag kritisch.

Die Überlegungen wirken in ihrer Gesamtheit nicht konsistent. Einerseits wird über eine Sozialversicherungsfreiheit von Überstunden nachgedacht, andererseits sollen Gutverdiener und Selbstständige zusätzlich belastet werden – etwa durch eine Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Hier fehlt eine durchdachte, strategische Linie. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass gezielt leistungstragende Gruppen stärker zur Kasse gebeten werden. Das widerspricht dem Grundprinzip einer fairen Leistungsgesellschaft.

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Finanzdruck in der GKV: Ja – aber keine nachhaltige Lösung in Sicht

Zweifellos steht die GKV unter finanziellem Druck. Doch dieser lässt sich nicht durch punktuelle Maßnahmen wie eine höhere Beitragsbemessungsgrenze lösen. Ein strukturell überlastetes und reformbedürftiges System künstlich mit Mehreinnahmen am Leben zu halten, verzögert notwendige Reformen nur weiter. Andere Länder zeigen, dass es auch anders geht – etwa die Schweiz mit ihrem differenzierten Modell, das als Vorbild genauer analysiert werden sollte.

Aus unserer Sicht braucht es eine grundlegende Reform – sowohl beim Leistungsumfang als auch bei der Finanzierung. Deutschland leistet sich ein sehr umfassendes Gesundheitssystem mit breiten Leistungsansprüchen, wie es in kaum einem anderen Land üblich ist.

Wer von den Systemlücken der GKV aktuell am meisten profitiert

Kosteneinsparungen durch gezielte Leistungsanpassungen sollten ebenso geprüft werden wie das Schließen bestehender Systemlücken. Zwei Beispiele, die verdeutlichen, wo das System derzeit nicht gerecht funktioniert:

  • Vermögende Rentner in der Krankenversicherung der Rentner zahlen aktuell nur Beiträge auf gesetzliche Renten und vergleichbare Einnahmen – nicht aber auf Mieteinkünfte, Kapitalerträge oder große Vermögen.
  • Angestellte mit Nebeneinkünften aus Selbstständigkeit oder Gewerbe zahlen auf diese häufig keine Beiträge, wenn sie im Hauptberuf GKV-pflichtversichert sind. Gerade in Kreativberufen führt das zu spürbaren Ungleichgewichten.

Diese Ungereimtheiten sollte die Politik vorrangig angehen – bevor sie erneut versucht, das System durch höhere Belastungen einzelner Gruppen zu stabilisieren. Eine nachhaltige Reform muss auf Fairness, Transparenz und Effizienz setzen – nicht auf weitere Umverteilung ohne Struktur.

Zur Autorin: Anja Glorius ist Versicherungsmaklerin, Fachwirtin für Versicherungen und Finanzen sowie Geschäftsführerin des Maklerunternehmens KVoptimal.de GmbH.

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2 Antworten

  1. Wenn weniger Menschen im Bürgergeld wären dann kämen automatisch mehr Einnahmen und wir müssten nicht ständig die Beitragssätze anpassen. Aber die SPD möchte lieber immer mehr Geld zum verteilen.

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