Der Sommer ist zu Ende. Die Tage werden kürzer und die Sonne steht immer niedriger am Himmel. Der optimale Zeitpunkt, sich in unserer neuen Reihe mit dem sogenannten Sonnenhormon, dem Vitamin D, zu beschäftigen. Hierbei handelt es sich aus mehreren Gründen um einen ganz speziellen Mikronährstoff. Obwohl als „Vitamin D“ bekannt, zeigt bereits die Bezeichnung „Sonnenhormon“ dessen wahre Natur.
Vitamin D ist eigentlich ein Hormon
Es handelt sich eigentlich gar nicht um ein Vitamin, sondern um ein Hormon. Nach der klassischen Definition kann der Körper Vitamine nicht in ausreichend hoher Menge selbst produzieren, weshalb sie über Nahrung zugeführt werden müssen. Vitamin D wird jedoch durch Sonneneinstrahlung in der Haut erzeugt.
Ausgangsstoff dafür ist eine Vorstufe des Cholesterins (7-Dehydrocholesterin). Ein weiteres Beispiel, weshalb Cholesterin nicht per se schlecht ist, wie bereits in einem früheren Artikel beschrieben. Hormone werden in der Biologie als Signal- und Botenmoleküle definiert, welche an der Regulation verschiedenster Körperfunktionen beteiligt sind. Genau genommen gibt es auch nicht das Vitamin D, sondern verschiedene Formen davon. Im Folgenden steht die Bezeichnung für den im Körper wichtigsten Vertreter Cholecalciferol, auch D3 genannt.
Vitamin D gehört zusammen mit den Vitaminen E, K und A zu den fettlöslichen. Dies kann man sich leicht mit der Eselsbrücke „EDKA“ merken, die einen an den Namen einer Supermarktkette erinnern.
Voraussetzungen für die Vitamin-D-Produktion
Da Vitamin D eigentlich ein Hormon ist, kann es nicht so leicht über die Nahrung aufgenommen werden. Im Prinzip ist nur in Lebertran mit 1.280 IE pro 100 Gramm eine nennenswerte Menge davon enthalten. IE steht dabei für „Internationale Einheit“. Dabei handelt es sich um eine in der Medizin häufig verwendete Maßeinheit.
Berücksichtigen wir, dass der Autor in den Monaten Oktober bis April/Mai 4.000 IE Vitamin D zuführen muss, um seinen Optimalwert halten zu können, wird schnell ersichtlich, dass dies allein mit Nahrung kaum möglich ist. Müsste er doch knapp 400 Milliliter Lebertran dafür täglich trinken.
Im Winter steht die Sonne zu tief
Glücklicherweise kann, wie eingangs erwähnt, unsere Haut Vitamin D selbst herstellen. Dafür ist es notwendig, dass diese UV-B-Strahlung ausgesetzt wird. Da wir uns in der heutigen Zeit jedoch auch im Sommer immer häufiger in Innenräumen aufhalten, können selbst im Sommer Vitamin-D-Mängel entstehen. In den Monaten Oktober bis April ist es in Mitteleuropa selbst dann kaum möglich, ausreichend viel von diesem Hormon zu produzieren, wenn man sich viel in der Sonne aufhält. Grund ist, dass in diesem Zeitraum die Sonne selbst zur Mittagszeit zu tief steht. Die UV-B-Strahlen müssen einen längeren Weg durch die Atmosphäre nehmen und werden deshalb abgeschwächt.
Ob die Haut Vitamin D bilden kann, ist mit einer Faustformel zu erkennen. Ist der Schatten, den man in der Sonne wirft, länger als die eigene Körpergröße, steht die Sonne zu tief. Wer eine Wetter-App hat, die den UV-Index anzeigt, kann sich auch daran orientieren. Etwa ab UV-Index 3 kann die Haut mit der Produktion starten. Natürlich nur, wenn die Sonnenstrahlen auch auf die Haut treffen und dort kein Sonnenschutzmittel aufgetragen ist.
Ab Lichtschutzfaktor 15 ist die Produktion nahezu vollständig blockiert. Erst ab Sizilien und südlicher steht die Sonne das gesamte Jahr hoch genug am Himmel, um ausreichend Vitamin D zu produzieren. Wer eine dunkle Hautfarbe hat, muss sich in den europäischen Breitengraden auch im Sommer länger in der Sonne aufhalten, um ausreichend Vitamin D zu produzieren, als der eurasische Hauttyp.
Dunkelhäutige, die sich viel in Innenräumen aufhalten, sind deshalb auch im Sommer besonders gefährdet, einen zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel zu haben. Diese Personen müssen gegebenenfalls auch in den Sommermonaten substituieren. Gleiches kann für ältere Menschen gelten, da die Vitamin-D-Produktion der Haut im Alter abnimmt. Gerade übergewichtige und adipöse Menschen leiden unter einem Vitamin-D-Mangel.
Was ist der optimale Vitamin-D-Wert?
Vitamin D wird im Blut gemessen. Hierfür kommen zwei unterschiedliche Einheiten zur Anwendung. Zum einen ng/ml, zum anderen nmol/l. Mit Hilfe des Umrechnungsfaktors von 2,5 lassen sich die Werte von ng/ml in nmol/l umrechnen. Gemessen wird dabei in der Regel die inaktive Vorstufe 25-(OH)-Vitamin D (Calcidiol). Der „Vitamin-D-Papst“ Professor Jörg Spitz führt in seinem Buch „Vitamin D – Das Sonnenhormon“ aus, dass die Bestimmung der aktiven Form (1,25-OH-Vitamin D) nicht sinnvoll sei, da dies doppelt so hohe Laborkosten verursache und eher zu Verwirrungen bei der Interpretation der Werte führe.
Als gewünschten Wert für 25-(OH)-Vitamin D nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) 50 nmol/l. Für Experten wie Jörg Spitz ist dieser Wert jedoch viel zu niedrig und bedeutet bereits, dass Mängel vorliegen. Orthomolekularmediziner empfehlen Werte mindestens zwischen 75 und 100 nmol/l. Ab 100 bis 150 nmol/l befindet man sich im optimalen Bereich.
Der Wert des Autors bei der letzten Blutuntersuchung im Juni 2019 lag mit 141 nmol/l in diesem optimalen Bereich. Auch im Winter 2018/2019 konnte dieser Wert gehalten werden. Dafür musste er jedoch, wie eingangs erwähnt, 4.000 IE Vitamin D am Tag in Form von Kapseln zuführen.
Zu niedrige Vitamin-D-Werte in Deutschland
Die DGE erwähnt auf ihren Seiten, dass in Deutschland 60 Prozent der Bevölkerung eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung aufweisen. Berücksichtigt man die oben genannten Werte der Experten, dürfte der Anteil noch deutlich größer sein. Selbst wer im Sommer regelmäßig in der Sonne ist und seine Vitamin-D-Speicher auffüllt, wird es in der Regel in unseren Breiten nicht schaffen, damit über die Wintermonate hinweg die Mindestwerte zu halten. Von den Optimalwerten noch gar nicht gesprochen.
Die Größe der Körperspeicher ist individuell unterschiedlich und hängt unter anderem von der Körpergröße, dem Gewicht und Körperfettanteil ab. Studien haben gezeigt, dass ein Kilogramm Fettgewebe durchschnittlich rund 4.000 IE Vitamin D speichern kann. Selbst wenn man von einem Körperspeicher von 100.000 IE ausginge, wäre dieser bei einem Bedarf zwischen 2.000 und 5.000 IE pro Tag nach maximal 50 Tagen aufgezehrt.
Da Vitamin D im Fettgewebe gespeichert wird, sollte man es zur Vermeidung einer Überdosierung nicht einfach pauschal durch Nahrungsergänzungsmittel auffüllen. Auch hier lautet die Devise: erst messen, dann individuell auffüllen. Eine Messung kostet in der Regel maximal 30 Euro. Am besten macht man das Ende März/Anfang April, um zu sehen, wie man durch den Winter gekommen ist. Und ein zweites Mal zum Ende des Sommers, um zu erkennen, ob man ausreichender UV-B-Strahlung ausgesetzt war. Die individuelle Dosis, die zugeführt werden sollte, kann nach einer Messung berechnet werden.
Auswirkungen auf den Versicherungsbereich
Vitamin D ist an sehr vielen Prozessen im Körper beteiligt. Fast alle Körperzellen verfügen über Rezeptoren für dieses Hormon. Es spielt in den folgenden Bereichen eine wichtige Rolle. Dabei handelt es sich nicht um eine abgeschlossene Aufzählung.
Vitamin D ist beteiligt…
Vitamin D…
Berücksichtigen wir, dass zu den Auslösern von Leistungsfällen im Bereich der Absicherung der Arbeitskraft besonders psychische Gründe zählen, dazu Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, ist allein bei der Lebensversicherung die Bedeutung einer guten Vitamin-D-Versorgung leicht zu erkennen.
Im Bereich der Krankenversicherung kommen zusätzlich Zivilisationskrankheiten, Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Typ I, C. Ulcerosa und Morbus Crohn hinzu. Weiterhin der verbesserte Schutz der Zähne vor Karies und eine reduzierte Infektanfälligkeit. Die Sparten der Unfall- und Pflegeversicherung sind beispielsweise durch die reduzierte Sturzgefahr und die stabileren Knochen betroffen.
Eine Untersuchung von William B. Grant, der weltweit als der führende Vitamin-D-Experte gilt, hat ergeben, dass eine Steigerung des Vitamin-D-Spiegels der US-Bevölkerung um 25 bis 50 nmol/l Kosten für die Ergänzung in Höhe von 10 Milliarden Dollar verursachen würde. Dem gegenüber stünden jedoch Einsparungen in Höhe von 181 Milliarden Dollar und eine Reduktion der Todesfälle um 358.000 Personen. Eine vergleichbare Untersuchung für Deutschland wäre sehr interessant. Berücksichtigen wir jedoch die oben genannte Auflistung, dürfte das Ergebnis im Verhältnis vergleichbar ausfallen.
Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.