Vitamin D

Was haben Mikronährstoffe mit Versicherungen zu tun?

In einer offenen Reihe beschäftigen wir uns mit dem Zusammenhang von Mikronährstoffen und der Versicherungsbranche. Wir erklären, welchen Zusammenhang es zwischen einer Unter- oder Überversorgung und versicherungstechnischen Risiken gibt. Und wie es gelingt, Risiken durch Prävention zu reduzieren und dem Versicherungsnehmer zu helfen, gesund zu bleiben oder es zu werden. In diesem Teil geht es um Vitamin D.
© Pixabay
Der Körper braucht ausreichend Sonnenlicht, um Vitamin D bilden zu können.

Der Sommer ist zu Ende. Die Tage werden kürzer und die Sonne steht immer niedriger am Himmel. Der optimale Zeitpunkt, sich in unserer neuen Reihe mit dem sogenannten Sonnenhormon, dem Vitamin D, zu beschäftigen. Hierbei handelt es sich aus mehreren Gründen um einen ganz speziellen Mikronährstoff. Obwohl als „Vitamin D“ bekannt, zeigt bereits die Bezeichnung „Sonnenhormon“ dessen wahre Natur.

Mehr zum Thema

Droht uns ein Aufstand der Gesundheitsbewussten?

Reparaturmedizin statt Prävention Im eingangs erwähnten Paragrafen 1 SGB V ist auch zu lesen: „Die…

Hälfte der Deutschen fühlt sich nur mittelmäßig gesund

58 Prozent der Deutschen geben an, mehr für sich und ihre Gesundheit tun zu wollen.…

Jeder 18. Arbeitnehmer wegen Psyche krankgeschrieben

Immer mehr Menschen leiden an psychischen Krankheiten, wie der „Psychoreport“ der DAK Gesundheit zeigt. Jeder…

Vitamin D ist eigentlich ein Hormon

Es handelt sich eigentlich gar nicht um ein Vitamin, sondern um ein Hormon. Nach der klassischen Definition kann der Körper Vitamine nicht in ausreichend hoher Menge selbst produzieren, weshalb sie über Nahrung zugeführt werden müssen. Vitamin D wird jedoch durch Sonneneinstrahlung in der Haut erzeugt.

Ausgangsstoff dafür ist eine Vorstufe des Cholesterins (7-Dehydrocholesterin). Ein weiteres Beispiel, weshalb Cholesterin nicht per se schlecht ist, wie bereits in einem früheren Artikel beschrieben. Hormone werden in der Biologie als Signal- und Botenmoleküle definiert, welche an der Regulation verschiedenster Körperfunktionen beteiligt sind. Genau genommen gibt es auch nicht das Vitamin D, sondern verschiedene Formen davon. Im Folgenden steht die Bezeichnung für den im Körper wichtigsten Vertreter Cholecalciferol, auch D3 genannt.

Vitamin D gehört zusammen mit den Vitaminen E, K und A zu den fettlöslichen. Dies kann man sich leicht mit der Eselsbrücke „EDKA“ merken, die einen an den Namen einer Supermarktkette erinnern.

Voraussetzungen für die Vitamin-D-Produktion

Da Vitamin D eigentlich ein Hormon ist, kann es nicht so leicht über die Nahrung aufgenommen werden. Im Prinzip ist nur in Lebertran mit 1.280 IE pro 100 Gramm eine nennenswerte Menge davon enthalten. IE steht dabei für „Internationale Einheit“. Dabei handelt es sich um eine in der Medizin häufig verwendete Maßeinheit.

Berücksichtigen wir, dass der Autor in den Monaten Oktober bis April/Mai 4.000 IE Vitamin D zuführen muss, um seinen Optimalwert halten zu können, wird schnell ersichtlich, dass dies allein mit Nahrung kaum möglich ist. Müsste er doch knapp 400 Milliliter Lebertran dafür täglich trinken.

Im Winter steht die Sonne zu tief

Glücklicherweise kann, wie eingangs erwähnt, unsere Haut Vitamin D selbst herstellen. Dafür ist es notwendig, dass diese UV-B-Strahlung ausgesetzt wird. Da wir uns in der heutigen Zeit jedoch auch im Sommer immer häufiger in Innenräumen aufhalten, können selbst im Sommer Vitamin-D-Mängel entstehen. In den Monaten Oktober bis April ist es in Mitteleuropa selbst dann kaum möglich, ausreichend viel von diesem Hormon zu produzieren, wenn man sich viel in der Sonne aufhält. Grund ist, dass in diesem Zeitraum die Sonne selbst zur Mittagszeit zu tief steht. Die UV-B-Strahlen müssen einen längeren Weg durch die Atmosphäre nehmen und werden deshalb abgeschwächt.

Ob die Haut Vitamin D bilden kann, ist mit einer Faustformel zu erkennen. Ist der Schatten, den man in der Sonne wirft, länger als die eigene Körpergröße, steht die Sonne zu tief. Wer eine Wetter-App hat, die den UV-Index anzeigt, kann sich auch daran orientieren. Etwa ab UV-Index 3 kann die Haut mit der Produktion starten. Natürlich nur, wenn die Sonnenstrahlen auch auf die Haut treffen und dort kein Sonnenschutzmittel aufgetragen ist.

Ab Lichtschutzfaktor 15 ist die Produktion nahezu vollständig blockiert. Erst ab Sizilien und südlicher steht die Sonne das gesamte Jahr hoch genug am Himmel, um ausreichend Vitamin D zu produzieren. Wer eine dunkle Hautfarbe hat, muss sich in den europäischen Breitengraden auch im Sommer länger in der Sonne aufhalten, um ausreichend Vitamin D zu produzieren, als der eurasische Hauttyp.

Dunkelhäutige, die sich viel in Innenräumen aufhalten, sind deshalb auch im Sommer besonders gefährdet, einen zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel zu haben. Diese Personen müssen gegebenenfalls auch in den Sommermonaten substituieren. Gleiches kann für ältere Menschen gelten, da die Vitamin-D-Produktion der Haut im Alter abnimmt. Gerade übergewichtige und adipöse Menschen leiden unter einem Vitamin-D-Mangel.

Was ist der optimale Vitamin-D-Wert?

Vitamin D wird im Blut gemessen. Hierfür kommen zwei unterschiedliche Einheiten zur Anwendung. Zum einen ng/ml, zum anderen nmol/l. Mit Hilfe des Umrechnungsfaktors von 2,5 lassen sich die Werte von ng/ml in nmol/l umrechnen. Gemessen wird dabei in der Regel die inaktive Vorstufe 25-(OH)-Vitamin D (Calcidiol). Der „Vitamin-D-Papst“ Professor Jörg Spitz führt in seinem Buch „Vitamin D – Das Sonnenhormon“ aus, dass die Bestimmung der aktiven Form (1,25-OH-Vitamin D) nicht sinnvoll sei, da dies doppelt so hohe Laborkosten verursache und eher zu Verwirrungen bei der Interpretation der Werte führe.

Als gewünschten Wert für 25-(OH)-Vitamin D nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) 50 nmol/l. Für Experten wie Jörg Spitz ist dieser Wert jedoch viel zu niedrig und bedeutet bereits, dass Mängel vorliegen. Orthomolekularmediziner empfehlen Werte mindestens zwischen 75 und 100 nmol/l. Ab 100 bis 150 nmol/l befindet man sich im optimalen Bereich.

Der Wert des Autors bei der letzten Blutuntersuchung im Juni 2019 lag mit 141 nmol/l in diesem optimalen Bereich. Auch im Winter 2018/2019 konnte dieser Wert gehalten werden. Dafür musste er jedoch, wie eingangs erwähnt, 4.000 IE Vitamin D am Tag in Form von Kapseln zuführen.

Zu niedrige Vitamin-D-Werte in Deutschland

Die DGE erwähnt auf ihren Seiten, dass in Deutschland 60 Prozent der Bevölkerung eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung aufweisen. Berücksichtigt man die oben genannten Werte der Experten, dürfte der Anteil noch deutlich größer sein. Selbst wer im Sommer regelmäßig in der Sonne ist und seine Vitamin-D-Speicher auffüllt, wird es in der Regel in unseren Breiten nicht schaffen, damit über die Wintermonate hinweg die Mindestwerte zu halten. Von den Optimalwerten noch gar nicht gesprochen.

Die Größe der Körperspeicher ist individuell unterschiedlich und hängt unter anderem von der Körpergröße, dem Gewicht und Körperfettanteil ab. Studien haben gezeigt, dass ein Kilogramm Fettgewebe durchschnittlich rund 4.000 IE Vitamin D speichern kann. Selbst wenn man von einem Körperspeicher von 100.000 IE ausginge, wäre dieser bei einem Bedarf zwischen 2.000 und 5.000 IE pro Tag nach maximal 50 Tagen aufgezehrt.

Da Vitamin D im Fettgewebe gespeichert wird, sollte man es zur Vermeidung einer Überdosierung nicht einfach pauschal durch Nahrungsergänzungsmittel auffüllen. Auch hier lautet die Devise: erst messen, dann individuell auffüllen. Eine Messung kostet in der Regel maximal 30 Euro. Am besten macht man das Ende März/Anfang April, um zu sehen, wie man durch den Winter gekommen ist. Und ein zweites Mal zum Ende des Sommers, um zu erkennen, ob man ausreichender UV-B-Strahlung ausgesetzt war. Die individuelle Dosis, die zugeführt werden sollte, kann nach einer Messung berechnet werden.

Auswirkungen auf den Versicherungsbereich

Vitamin D ist an sehr vielen Prozessen im Körper beteiligt. Fast alle Körperzellen verfügen über Rezeptoren für dieses Hormon. Es spielt in den folgenden Bereichen eine wichtige Rolle. Dabei handelt es sich nicht um eine abgeschlossene Aufzählung.

Vitamin D ist beteiligt

  • an der Knochen- und Muskelbildung
  • an der Funktion der Atemwege
  • am Aufbau und der Teilung von Zellen
  • an der Gesunderhaltung des Herz-Kreislauf-Systems
  • an der Beseitigung fehlerhafter Zellen
  • an der Aufnahme von Kalzium aus dem Darm und zusammen mit Vitamin K2 an dessen Einlagerung in die Knochen

Vitamin D…

  • senkt den Blutdruck
  • verbessert die Funktion der Skelettmuskulatur und der Muskelkraft
  • verringert das Risiko für Herzinfarkt und die Sterblichkeit nach einem Infarkt
  • reduziert das Risiko für Diabetes Typ I und Typ II
  • bietet eine Schutzfunktion für die Nervenzellen des Gehirns
  • kann die Stimmung heben und Depressionen lindern
  • soll positiven Einfluss auf Multiple Sklerose und Schizophrenie haben
  • hemmt überschießende Immunreaktionen und kann damit auch zur Reduktion des Risikos von Allergien und Autoimmunkrankheiten wie Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn beitragen
  • regt die Produktion körpereigener Antibiotika, den Defensinen, an
  • reduziert das Risiko bestimmter Krebsarten wie Darmkrebs, Brustkrebs oder Tumore der Eierstöcke und der Prostata
  • reduziert den Entzündungsparameter CRP und weiterhin Interleukin 6
  • verbessert Neurodermitis
  • reduziert die Infektanfälligkeit
  • senkt Asthma-Attacken mit Cortisonbedarf
  • verbessert autistische Symptome
  • hat vermutlich positive Effekte bei Alzheimer und Parkinson

Berücksichtigen wir, dass zu den Auslösern von Leistungsfällen im Bereich der Absicherung der Arbeitskraft besonders psychische Gründe zählen, dazu Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, ist allein bei der Lebensversicherung die Bedeutung einer guten Vitamin-D-Versorgung leicht zu erkennen.

Im Bereich der Krankenversicherung kommen zusätzlich Zivilisationskrankheiten, Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Typ I, C. Ulcerosa und Morbus Crohn hinzu. Weiterhin der verbesserte Schutz der Zähne vor Karies und eine reduzierte Infektanfälligkeit. Die Sparten der Unfall- und Pflegeversicherung sind beispielsweise durch die reduzierte Sturzgefahr und die stabileren Knochen betroffen.

Eine Untersuchung von William B. Grant, der weltweit als der führende Vitamin-D-Experte gilt, hat ergeben, dass eine Steigerung des Vitamin-D-Spiegels der US-Bevölkerung um 25 bis 50 nmol/l Kosten für die Ergänzung in Höhe von 10 Milliarden Dollar verursachen würde. Dem gegenüber stünden jedoch Einsparungen in Höhe von 181 Milliarden Dollar und eine Reduktion der Todesfälle um 358.000 Personen. Eine vergleichbare Untersuchung für Deutschland wäre sehr interessant. Berücksichtigen wir jedoch die oben genannte Auflistung, dürfte das Ergebnis im Verhältnis vergleichbar ausfallen.

Autor

Joachim Haid ist Gründer des Gesundheitsprogramms PaleoMental®, zudem Gesundheitscoach und Heilpraktiker in Ausbildung.

Teilen:
Nicht verpassen!

Pfefferminzia.pro

Eine Plattform, die liefert: aktuelle Informationen, praktische Services und einen einzigartigen Content-Creator für Ihre Kundenkommunikation. Alles, was Ihren Vertriebsalltag leichter macht. Mit nur einem Login.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Pfefferminzia