Pfefferminzia: Bei den Themen Gesundheit und Rechtsschutz liegt der Zusammenhang nicht direkt auf der Hand. Wie lässt er sich dennoch herstellen?
Milan Jarosch: Auf den ersten Blick hat beides in der Tat keinen direkten Bezug zueinander. Trotzdem hat man im Laufe des Lebens immer wieder mit dem Thema Gesundheit und dann auch mit den juristischen Auswirkungen zu tun.
Ich nehme mal als Beispiel die sogenannte Erblasser-Beratung bei Dread-Disease. In solchen Fällen möchten sich zukünftige Hinterbliebene aber auch der erkrankte Erblasser informieren, was denn wirklich mit dem Geld passiert und wie sein Wille rechtssicher umgesetzt werden kann. Wenn aber jemand krank wird, ist normalerweise noch kein Rechtsschutzfall eingetreten, denn die Rechtslage hat sich zunächst einmal noch nicht verändert, was in den meisten Fällen für den Versicherungsschutz notwendig ist.
Es gab noch keinen Ärger.
Jarosch: Womit wir wieder bei dem Gedanken sind, dass Rechtsschutz ja auch beratend tätig sein soll. Es gibt nun mal einige Dinge, die sich gesundheitlich auswirken können, und bei denen Rechtsschutz oder vielmehr eine juristische Beratung helfen kann. Diese schafft Klarheit beziehungsweise Rechtssicherheit und kann damit natürlich auch Streitigkeiten innerhalb der Familie vermeiden. Denn die können sich im Zweifel dann wiederum auf die Psyche aller Beteiligten auswirken.
Alles hängt zusammen.
Jarosch: Wobei ein paar Dinge ganz besonders deutlich zusammenhängen. Zum Beispiel Cybermobbing, das ja drastisch zunimmt, weil wir und die neuen Generationen so viel Zeit mit den sozialen Medien verbringen. Der Ton im Netz ist deutlich rauer geworden und kann schnell an die Psyche gehen. Das merken wir immer mehr. Von daher versuchen wir natürlich, gerade bei solchen Themen zu unterstützen und unsere Kunden über sämtliche Lebenslagen mit effektiven Serviceleistungen zu begleiten.
Aber wie?
Jarosch: Wenn man digital gemobbt wird, bringt es erstmal wenig, irgendwo zu klagen. Deshalb hilft ein Anwalt im akuten Fall nicht richtig weiter. Man braucht schnelle und unkomplizierte Hilfe. Deshalb haben wir für Privatkunden einen Baustein speziell für den Cyber-Rechtsschutz entwickelt. Darin ist psychologische Beratung nach Cybermobbing zum Beispiel als Serviceleistung mit enthalten.
Das bekämpft dann die Folgen?
Jarosch: Ja, das ist schon mal der eine Punkt. Der nächste ist die Frage: Wie kann ich so was künftig vermeiden? Es ist nämlich auch Bestandteil dieses Cyber-Rechtsschutzes präventiv tätig zu sein. Das sind dann Sachen wie eine Art ‚Cyber-Führerschein‘: Wie geht man mit Daten im Netz um? Was sollte man tun, worauf sollte man achten?
Gerade an Eltern lautet die Botschaft: „Setzt das mal bei euren Kindern ein. Sorgt dafür, dass sie wissen, was sie tun und wie sie sich effektiv schützen können.“ Sogar die Eltern selbst wissen oft nicht, was dort wichtig ist, weil sie diese virtuelle Welt, in der die Kinder heute aufwachsen, gar nicht so gut kennen. Das wollen wir mit diesem Rechtsschutz-Zusatzbaustein und unseren anderen Serviceleistungen sinnvoll auffangen. Es ist besser, Dinge vorher einzufangen, als nachher lange Klagewege zu gehen.
Seite 2: „Es hilft nur wenig, die Sachen erst einzufangen, wenn es eigentlich schon zu spät ist“
Wo macht man denn so einen Cyber-Führerschein?
Jarosch: Auf einer webbasierten Oberfläche mit unterschiedlichen Schulungselementen, die die Kunden Schritt für Schritt durchlaufen und so ihre Sicherheit effektiv aufbauen. Da gibt es alle möglichen technischen Checks und Dinge, wie man sich vor Schäden durch Datenklau und Identitätsmissbrauch schützen kann.
Wie so einen Kurs oder eine Schulung?
Jarosch: Es sind sogar diverse Schulungen. Diese werden regelmäßig aktualisiert, und zwar ohne, dass das gleich so hochtechnisch wird. Es geht nicht darum, gleich alle zu IT-lern zu machen. Es ist einfach eine Möglichkeit, bei der wir als Rechtsschutzversicherer versuchen, unseren Kunden erlebbare Leistungen anzubieten. Gerade in so einer Sparte, die häufig noch als Nebensparte gesehen wird, wollen wir die Kunden sinnvoll begleiten. Wir wollen ihnen zeigen, dass Rechtsschutz auch schon vorher helfen kann.
… und nicht erst mit dem Anwalt …
Jarosch: … wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Genau. Und das ist eine ganz, ganz tolle Möglichkeit, das auch wirklich umzusetzen.
Hilft denn die Rechtsschutzversicherung trotzdem dabei, gegen die Täter vorzugehen, wenn man gemobbt wird?
Jarosch: Das ist Bestandteil des Versicherungsschutzes. Beim Cybermobbing funktioniert das sogar gut, weil man oft weiß, wer der Täter ist.
Vor allem wenn es Mitschüler sind.
Jarosch: Wenn es Mitschüler sind, dann auf jeden Fall. In öffentlichen Chat-Foren mit diesen vielen Pseudonymen ist es allerdings nicht immer ganz so einfach. Zwar geht auch das, man sollte man aber eher vermeiden, dass es überhaupt so weit kommt. Das ist die Botschaft für die Gesundheit: Es hilft nur wenig, die Sachen erst einzufangen, wenn es eigentlich schon zu spät ist.
Denn dann geht es einem schon nicht mehr gut.
Jarosch: Wir sollten in erster Linie versuchen, die Gesundheit unserer Kunden zu bewahren, sodass langwierige Rechtsstreitigkeiten nur dann umzusetzen sind, wenn es wirklich nicht anders geht. Diese sind in den meisten Fällen für unsere Kunden mit zusätzlichen psychischen Belastungen verbunden, die auf andere Art besser gelöst werden können. Vor Kurzem haben wir dazu eine kleine Studie über die Generation Z mitbegleitet, die unter Anderem analysiert hat, wie viel diese Kinder und jungen Erwachsenen in den sozialen Medien unterwegs sind. Das war erschreckend.
So viel?
Jarosch: Es ist Wahnsinn! Teilweise zwischen 14 und 16 Stunden am Tag durchschnittliche Bildschirmzeit. Und zwischen vier und sechs Stunden davon auf Sozialen Medien wie Tiktok. Von daher ist das ein wahnsinnig relevantes Thema, das sich auch wirklich auswirkt. Und wir wären alle gut beraten, darauf zu achten, dass dort keine schlimmen Dinge passieren.
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